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AUFKLÄRUNG: Baderegeln erreichen neu Asylzentren

Immer mehr Migranten ertrinken in Badis, einzelne belästigen andere Badegäste. Jetzt halten drei Organisationen mit Flyern und Plakaten dagegen.
Alexander von Däniken
Zwei Retter der SLRG beobachten die Badegäste auf der Ufschötti in Luzern. Auch hier kamen schon Asylbewerber ums Leben. (Bild Pius Amrein)

Zwei Retter der SLRG beobachten die Badegäste auf der Ufschötti in Luzern. Auch hier kamen schon Asylbewerber ums Leben. (Bild Pius Amrein)

Alexander voN Däniken

«Wasser kann töten!» Der Satz prangt schon bald auf 600 Plakaten in deutscher, arabischer und fünf weiteren Sprachen, aufgehängt in den Asylzentren des Bundes und der Kantone. Die Plakate sind Teil einer breiten Kampagne des Verbands der Hallen- und Freibäder (VHF), der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) und des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), wie unsere Zeitung weiss. Der Hintergrund: 20 von 50 Menschen, die letztes Jahr in Schweizer Gewässern ertrunken sind, hatten einen Migrationshintergrund. Wie viele von ihnen Asylsuchende, Flüchtlinge oder Touristen waren, kann die SLRG nicht aufschlüsseln. Die Meldungen der Polizei sind derweil nicht abschliessend, dafür konkret. Ein paar Beispiele aus der Zentralschweiz:

  • 22. Juni 2016: Ein 25-jähriger Sudanese ertrinkt bei Aesch im Hallwilersee. Die Leiche des Asylsuchenden wird in fünf Metern Tiefe gefunden.
  • 6.Juni 2015: Ein 20-jähriger Mann aus Somalia begibt sich gegen Mitternacht in den Rotsee. Auf der Höhe des Rudersportzentrums taucht der Somali mehrmals auf und ab, ehe er ertrinkt.
  • 17. Juli 2014: Ein 22-jähriger Asylbewerber aus Eritrea geht bei der Stadtluzerner Ufschötti ins Wasser und taucht nach etwa 70 Metern nicht mehr auf. Trotz Reanimation verstirbt er im Spital.

Migranten «überschätzen sich»

Philipp Binaghi, Mediensprecher der in Sursee beheimateten SLRG, bestätigt: «Seit Sommer 2015 ist das Thema der ertrunkenen Migranten verstärkt in unseren Fokus gekommen.» Damals starben innerhalb des Monats Juni sechs Migranten in offenen Schweizer Gewässern.

Auch in den Hallen- und Freibädern sind Migranten und Flüchtlinge vermehrt ein Thema. Der Deutschschweizer Verband der Hallen- und Freibäder (VHF) schrieb kürzlich in seinem Bulletin: «Unzählige Male mussten Bademeister oder Rettungsschwimmer den Gästen Hilfeleistung erbringen. Es hat sich vor allem gezeigt, dass sich besonders die Migranten komplett überschätzen.»

Darüber hinaus gebe es einzelne Meldungen von sexuellen Belästigungen durch Flüchtlinge in Schwimmbädern. «Dies sind bedauernswerte Einzelfälle», so der VHF. Trotzdem gebe es Bäderbetreiber, die sogar ein Schwimmverbot für männliche Flüchtlinge aussprachen.

Nachahmung von Einheimischen

Über die Gründe, weshalb so viele Migranten ertrinken, gibt es keine gesicherten Fakten. Philipp Binaghi: «Wer in ein fremdes Land wie die Schweiz kommt, orientiert sich an den Einheimischen. Wenn beobachtet wird, wie diese in Flüsse und Seen springen und dabei Spass haben, wird die Gefahr oft nicht erkannt.» In Hallen- und Freibädern werde aufgrund der klaren Sicht bis auf den Beckenboden und der optischen Täuschung zusätzlich die Tiefe unterschätzt.

Zurück zur Kampagne. Neben den Plakaten werden auch 28 000 Flyer gedruckt. Auf den Flyern werden einerseits die Baderegeln und andererseits auch Verhaltensregeln aufgezeigt. Die Piktogramme werden mit kleinen Texten in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch sowie in den in Syrien, Afghanistan und Eritrea genutzten Sprachen Arabisch, Farsi und Tigrinisch ergänzt. Sie werden in den Bädern aufgelegt.

Infobroschüre zum Herunterladen

Als weiterer Teil der Kampagne werden auf der Website www.migesplus.ch Informationen aufgeschaltet, die von Asyl- und Flüchtlingsorganisationen, Bademeistern und Rettungsschwimmern heruntergeladen werden können. So soll auch der Flyer von Mitarbeitern der Asylzentren bestellt und in Gesprächen oder Kleingruppenkursen mit den Flüchtlingen besprochen werden.

Noch offen ist ein weiterer Kampagnenteil. Wie VHF-Präsident Thomas Spengler auf Anfrage erklärt, könnte das Thema «Umgang mit Migranten» dereinst jenen Bademeistern nähergebracht werden, welche ihre Ausbildung beim Ausbildungsverband Igba absolvieren. Die Igba wird unter anderem vom VHF getragen (siehe Box).

SRK: Erfahrung mit Migranten

Die Idee zur Kampagne stammt vom VHF, mit dem Ziel, die Bäder und Aufsichtspersonen im Umgang mit Migranten zu unterstützen. «Viele Migranten sehen in der Schweiz zum ersten Mal ein Hallen- oder Freibad», sagt Spengler. Der VHF ist dann auf die SLRG zugegangen, welche ihrerseits das SRK eingeschaltet hat. Die SLRG ist Mitglied des SRK und konnte laut Philipp Binaghi bereits von der Erfahrung der SRK-Experten im Umgang mit anderen Kulturen profitieren. Aktuellstes Beispiel ist die Übersetzung der Baderegeln unter anderen auf Arabisch und Tigrinisch.

Der eigentliche Projektstart war am 18. April dieses Jahres. «Es musste alles schnell gehen, weil wir noch diesen Sommer mit der Kampagne starten wollten», so Spengler. Tatsächlich werden die Flyer und Plakate nächste Woche die Druckerei verlassen. Die gesamten Projektkosten belaufen sich auf 80 000 bis 100 000 Franken, die von allen drei Organisationen getragen werden. Der Grossteil stammt aus einer SRK-nahen Stiftung.

In Kriens und Luzern getestet

Das SRK setzte dabei auf die Hilfe des Zentrums für unbegleitete minderjährige Asylsuchende in Kriens sowie des Asylzentrums Hirschpark in Luzern, wie Martin Wälchli erklärt. Wälchli ist Fachbereichsleiter Gesundheitsförderung im SRK-Departement Gesundheit und Integration.

«Um zu testen, wie der Flyer bei den Asylsuchenden ankommt, habe ich die Entwürfe je einer Gruppe pro Zentrum gezeigt und sie mit ihnen besprochen», sagt Wälchli. Ihm sei es wichtig gewesen, sowohl Minderjährige als auch Erwachsene in das Projekt miteinzubeziehen. Da die Zentren in Kriens und Luzern nahe beieinander liegen und in der Umgebung mit Reuss, Rotsee sowie Vierwaldstättersee gleich drei Gewässer sind, sei die Wahl auf jene Zentren gefallen. Da vor allem männliche Flüchtlinge von Badeunfällen betroffen sind, wurden fast ausschliesslich Männer mit einbezogen.

Flyer kommt gut an

Die Rückmeldungen der beiden Gruppen à je etwa 8 Personen seien durchgehend positiv gewesen, erinnert sich Wälchli. So hätten sich alle gefreut, dass man ihre Meinung berücksichtigt und ernst genommen hat. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass vermeintlich eindeutige Symbole von den Testgruppen nicht verstanden wurden. Ein Piktogramm zeigte zum Beispiel die Regel «Wenn du nicht schwimmen kannst, geh nur bis zum Bauch ins Wasser». Dadurch fühlten sich die Befragten nicht angesprochen. Hingegen wurde der eingangs erwähnte, plakative Satz verstanden. Wälchli: «Die Teilnehmenden waren der Ansicht, dass sie sich der realen Gefahren des Badens zu wenig bewusst seien und diese Info somit hilfreich finden.»

Streit um Rettungsbrevet: Verbände haben sich geeinigt

Ausbildung avd. Dass der Verband der Hallen- und Freibäder (VHF) und die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) für die oben beschriebene Kampagne zusammenspannen, ist nicht selbstverständlich. Bis vor kurzem lagen sich die beiden Organisationen nämlich noch in den Haaren. Der Grund liegt in der Ausbildung zum Retter, die sowohl von der SLRG als auch vom VHF angeboten wird (Ausgabe vom 6. Juni 2014).

Ein Blick zurück: Seit 2013 bietet die Interessengemeinschaft für die Berufsausbildung von Bademeistern in der Schweiz (Igba) ein eigenes Rettungsschwimmerbrevet an. Die Igba wird unter anderem vom VHF getragen. Um gegen die wesentlich bekanntere Konkurrenz der SLRG bestehen zu können, pries die Igba ihr Brevet als jenes an, welches als einziges in der Schweiz «sämtliche Bedürfnisse sowohl der Badebetreiber als auch der Mitarbeitenden vollumfänglich» abbilde. Zudem seien die Zertifizierungskosten «deutlich günstiger als andere Angebote auf dem Markt», und das Brevet schliesse eine qualitative Lücke. Die SLRG wehrte sich mit einer Beschwerde wegen unlauteren Wettbewerbs – und bekam von der Schweizerischen Lauterkeitskommission Recht. Das Urteil hatte keine Rechtskraft, sondern nur Empfehlungscharakter, war aber deutlich.

Wie fit müssen Bademeister sein?

Der Konflikt zwischen SLRG und Igba spitzte sich zu. So wollten Igba und VHF, dass die Angestellten alle zwei Jahre zum Fitnesstest antraben – was der SLRG zu weit ging. Darauf hatte die Igba verfügt, dass in den Hallen- und Freibädern nur noch Bademeister arbeiten dürfen, welche die Igba-Ausbildungsnorm erfüllen.

Diese einschneidende Differenz haben die Organisationen jetzt beigelegt, wie SLRG-Sprecher Philipp Binaghi und VHF-Präsident Thomas Spengler übereinstimmend erklären. «Es gibt eine gegenseitige Anerkennung der Brevets», so Thomas Spengler. Die Gespräche für eine mögliche Einigung der Ausbildungsnormen verlaufen laut Binaghi positiv. Allerdings gibt es in der Schweiz noch eine dritte Organisation, die ihrerseits auf eine eigene Regelung besteht: das welsche und Tessiner Pendant des VHF, die Association des Pis­cines Romandes et Tessinoises (APR). Gemäss Recherchen unserer Zeitung besteht die APR darauf, dass Bademeister in der Regel den Badebetrieb permanent beobachten müssen; bei Kontrollgängen in Technikräumen müsse also ein gleichwertiger Stellvertreter aufpassen. Das wiederum geht dem VHF zu weit. «Auch hier finden Gespräche statt», sagt Thomas Spengler.

Nächste Woche werden 600 Plakate und 28 000 Flyer die Druckerei verlassen. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Flyers. (Bild: PD)

Nächste Woche werden 600 Plakate und 28 000 Flyer die Druckerei verlassen. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Flyers. (Bild: PD)

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