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AUFSCHWUNG: Mehr Touristen im Tessin dank der Neat

Seit der Eröffnung des Basistunnels verzeichnen die SBB mehr Fahrgäste am Gotthard. Die Tourismusbranche im Tessin freut sich darüber. Doch wie nachhaltig dieser Trend ist, lässt sich nicht vorhersagen.
Gerhard Lob, Locarno
Der erste unter Strom fahrende Testzug am 8. Oktober während seiner Fahrt beim Nordportal bei Erstfeld durch den neuen Neat-Basistunnel. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Der erste unter Strom fahrende Testzug am 8. Oktober während seiner Fahrt beim Nordportal bei Erstfeld durch den neuen Neat-Basistunnel. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Gerhard Lob, Locarno

An Ostern beginnt traditionell die Tourismussaison im Tessin. Und in der Branche herrscht Optimismus. Nach jahrelangem Abwärtstrend mit einer stetig sinkenden Anzahl von Logiernächten scheint die Talsohle in Hotellerie und Tourismus durchschritten. 2016 war das Jahr der Trendwende – mit einem Plus von 4,6 Prozent bei den Übernachtungen. Das Tessin profitierte dabei von der politischen Grosswetterlage, da Destinationen wie Südfrankreich, Türkei oder Ägypten gemieden wurden. Selbst die Deutschen hatten den Kanton als «ersten Süden» nach der Alpenkette wiederentdeckt.

Die Aufwärtsbewegung scheint sich im Jahr 2017 fortzusetzen. Dabei spielt auch der Gotthard-Basistunnel eine Rolle. «Ich habe zahlreiche Gäste, die jetzt mit dem Zug kommen und das Auto zu Hause lassen», sagt Lorenzo Pianezzi, Direktor des Hotels Walter au Lac und zugleich Präsident des Tessiner Hoteliervereins Hotelleriesuisse Ticino. Der Buchungsstand für Ostern sei generell sehr gut. Sein Hotel am Seeufer von Lugano steht bahntechnisch günstig. Vom Bahnhof führt die Standseilbahn ins Zentrum; danach sind es nur wenige Minuten zu Fuss durch die Fussgängerzone. «Etwas abgelegenere Hotels werden wohl Shuttles zum Bahnhof anbieten müssen», sagt Pianezzi.

Die SBB verzeichnen am Gotthard seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Dezember eine Steigerung der Anzahl Fahrgäste um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer diese Passagiere sind und wohin sie wollen, lässt sich bis anhin nicht im Detail sagen. Da sind viele Berufstätige. Einige fahren durch bis nach Italien, andere sind Tagesgäste im Tessin, die somit statistisch pro Tag zwei Fahrten kreieren. Und dann gibt es natürlich Ferienreisende, die länger als einen Tag bleiben. Unter diesen Übernachtungsgästen befinden sich solche, die von der Raiffeisen-Mitglieder-Aktion Gebrauch machen, die am 1. März angelaufen ist. Sie erhalten von der Bank einen Gutschein für eine 50-prozentige Ermässigung für eine Übernachtung für eine Person.

Fahrzeitverkürzung von 30 Minuten

«In Lugano sind jedenfalls viele Feriengäste unterwegs», sagt Roberto Schmid, Direktor des Hotels International au Lac in Lugano. Da sein Dreisternehaus erst vor einer Woche für die Saison eröffnet hat, kann Schmid keine Bilanz zu den jüngsten Entwicklungen ziehen. Doch er ist überzeugt, dass momentan auch ein «Neugier- und Überraschungs­effekt» eine Rolle spielt. Viele Deutschschweizer wollten den Gotthard-Basistunnel, an dem 20 Jahre gearbeitet wurde, nun unbedingt einmal selbst erleben. Tatsächlich beträgt die effektive Fahrzeitverkürzung zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin nur 30 Minuten. «Doch psychologisch hat sich etwas verändert: Wir sind im Bewusstsein wesentlich näher gerückt», so Schmid. Er hofft darauf, dass dieser Effekt auch im Bereich des Kongresstourismus spielt. Bisher sei das Tessin aus Deutschschweizer Sicht als Standort für Kongresse zu weit weg gewesen. Zufriedene Töne kommen aus dem Locarnese. Es ist die wichtigste Tourismusregion im Tessin; fast die Hälfte der kantonsweit 2,28 Millionen Logiernächte wird hier kreiert. Einziger Wermutstropfen für die Region im Zusammenhang mit dem Gotthard-Basistunnel ist die Umsteigepflicht in Bellinzona. Direkte Züge aus der deutschen Schweiz gibt es nicht mehr. «Wir haben dieser Tage wieder an die SBB geschrieben», sagt Fabio Bonetti, Direktor des regionalen Tourismusverbandes. Doch der Protest dürfte ins Leere gehen. Die SBB haben mehrfach klargemacht, dass es keine Rückkehr zur Vergangenheit mehr geben wird.

Der kantonale Verkehrsverein kann noch keine konkreten Zahlen zur jüngsten Logiernächteentwicklung vorlegen. Doch verweist Ticino Turismo auf den Erfolg der neuen ÖV-Karte Ticino-Ticket. Seit dem 1. Januar dürfen Gäste von Hotels, Campingplätzen und Jugendherbergen den ÖV im Tessin gratis nutzen, wenn sie mindestens zwei Nächte buchen. Im ersten Quartal – ausserhalb der Hauptsaison – haben 24000 Besucher von dem Angebot Gebrauch gemacht. Dieses ist besonders für Bahnreisende attraktiv.

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