Ausschreitungen
Angedrohte Kontrollen, nette Facebook-Posts: Wie sich die Polizei für mögliche Corona-Krawalle am Wochenende wappnet

St. Gallen, Winterthur, Zürich und Altdorf rechnen mit Partys und Demonstrationen, an denen gegen Corona-Massnahmen verstossen wird. Eine Stadtpolizei testet eine ungewöhnliche Massnahme.

Pascal Ritter
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Die St. Galler Stadtpolizei wird wieder «ausgedehnt» Personen kontrollieren.

Die St. Galler Stadtpolizei wird wieder «ausgedehnt» Personen kontrollieren.

Raphael Rohner

Die Polizeikorps verschiedener Orte bereiten sich auf ein heisses Wochenende vor. Nachdem es an Ostern in St. Gallen zu Ausschreitungen gekommen ist, kursieren neue Aufrufe zu Versammlungen im Netz. Etwa für St. Gallen, aber auch Winterthur und Zürich. Obwohl aktuell nur Versammlungen von 15 Personen erlaubt sind, soll es zu grösseren Ansammlungen kommen.

In Altdorf war eine Kundgebung gegen Corona-Massnahmen und das Covid-19-Gesetz vorgesehen. Weil die Behörden keine Bewilligung erteilten, sagte das «Aktionsbündnis Urkantone» die Sache jedoch ab.

Trotz Verbot werde aber auf verschiedenen Kanälen zu dieser Kundgebung aufgerufen, schreibt die Kantonspolizei Uri in einer Mitteilung. Die Polizisten fordern die «an dieser Kundgebung Interessierten» auf, den Aufrufen nicht zu folgen. Wenn Leute trotzdem anreisen, will die Urner Kantonspolizei «den Umständen entsprechend reagieren». Die Arbeit der Polizei werde rund um Altdorf spürbar sein, heisst es weiter.

Jugendliche bekommen Lob von der Polizei

Die Stadtpolizei Winterthur versucht es mit Charme. Auf Facebook und Instagram verbreitet sie einen Aufruf, in dem sie Jugendliche bittet, sich dieses Wochenende nicht an Ausschreitungen zu beteiligen. Dort heisst es:

«Liebe Jugendliche, bitte folgt Aufrufen in den (Sozialen)-Medien zu Ausschreitungen nicht.»

Es werde versucht, «einen Keil zwischen Jugendliche und uns Polizistinnen und Polizisten» zu treiben. Gewalt sei «die Sprache von Losern» (Verlieren) und schade «euren und unseren Anliegen». Zudem gibt es Lob für die Jugendlichen, die sich in den schwierigen Zeiten «oft besser mit der Situation» arrangierten «als wir Erwachsenen.» Und weiter:
«Kompliment – ihr macht es gut!»

Auf die unkonventionelle Kommunikation mit Jugendlichen angesprochen sagt Michael Wirz, Medienchef der Stadtpolizei Winterthur:

«Diese Posts in den Sozialen Medien sind ein Stück weit ein Experiment. Wir möchten mit den Jugendlichen auf Augenhöhe kommunizieren. Das kann natürlich auch scheitern, zum Beispiel wenn es anbiedernd wirkt.»

Die ersten Rückmeldungen seien aber fast ausschliesslich positiv ausgefallen. Wenn es zu Versammlungen kommt, will die Stadtpolizei Winterthur ebenfalls auf Dialog setzen. Ein Dialogteam und Spezialisten der Jugendpolizei werden unterwegs sein und Jugendliche auf allfällige Verstösse hinweisen. «Wir sind überzeugt, dass die allermeisten Jugendlichen friedlich sind. Trotzdem sind wir auf alle möglichen Entwicklungen vorbereitet», sagt Polzeisprecher Wirz.

St. Gallen setzt auf rigorose Kontrollen

Im Gegensatz zu Winterthur setzt St. Gallen auf Abschreckung und kündigt rigorose Kontrollen an. Am Osterwochenende haben Polizisten rund 650 Wegweisungen für 30 Tage ausgesprochen. Einen Teil davon hat sie mittlerweile wieder zurückgenommen. In einer Mitteilung schreiben die Ordnungshüter nun:

«Für Freitag, 9. April 2021, kursieren erneut Aufrufe zu Gewalt. Die Stadt und die Stadtpolizei St. Gallen nehmen diese ernst und bereiten sich entsprechend vor.»

Die St. Galler Stadtpolizei kündigt zudem «ausgedehnte Personenkontrollen» an, um «mögliche Missachtungen von Wegweisungen festzustellen». Personen mit einer Wegweisung, dürften sich am Freitagabend (09.04.2021) «explizit nicht in der Stadt St. Gallen aufhalten.» Andernfalls gebe es eine Strafanzeige.

Die Polizei droht zudem mit neuen Wegweisungen gegen Personen, «wenn der Verdacht besteht, dass diese auf Krawall aus sind oder als Schaulustige den Gewaltaufrufen folgen.» Mit Personenkontrollen müsse in der ganzen Innenstadt gerechnet werden.

Ob sich Jugendlichen davon abschrecken lassen, ist offen. Ein junger Mann, der am Osterwochenende eine Wegweisung bekam, äussert sich gegenüber dieser Zeitung:

«Natürlich werde ich mich dran halten und nicht unnötig in der Stadt ‹chillen›, jedoch werde ich meine Freunde und vor allem meine Freundin besuchen gehen.»

Zürich bereitet sich für Party im Niederdorf vor

Auch für das Zürcher Niederdorf existiert ein Aufruf für ein illegales Fest. Es soll friedlich bleiben. Sollte die Party aber aufgelöst werden, will man sich gemäss einem Aufruf zur Wehr setzen.

Die Zürcher Stadtpolizei hat Kenntnis von dem Aufruf, will sich aber nicht in die Karten blicken lassen. «Wir sind an den Wochenenden bereits seit mehreren Wochen verstärkt präsent im Raum Bellevue, Utoquai, Stadelhofen», sagt Medienchefin Judith Hödl zu «20 Minuten»

Ob es tatsächlich zu verbotenen Veranstaltung kommt, wird sich zeigen.