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AUSSENPOLITIK: Ex-Chefdiplomat packt aus

Georges Martin handelte die Schutzmachtmandate der Schweiz für Iran und Saudi-Arabien aus. Jetzt schreibt der frisch pensionierte stellvertretende Staatssekretär ein Buch. Das sorgt für Irritationen.
Tobias Gafafer
Georges Martin war während 35 Jahren Diplomat. (Bild: Marcel Bieri/Keystone (Bern, 26. Februar 2015))

Georges Martin war während 35 Jahren Diplomat. (Bild: Marcel Bieri/Keystone (Bern, 26. Februar 2015))

Tobias Gafafer

Es war ein Erfolg für die Schweizer Diplomatie, eine Renaissance der bereits totgesagten Guten Dienste. Bern übernimmt für Iran und Saudi-Arabien Schutzmachtmandate und erbringt für die zerstrittenen Länder gewisse diplomatische Aufgaben. Dies kündigte das Aussendepartement (EDA) Ende Oktober an. Verhandelt hatte während 18 Monaten ein kleines Team um Georges Martin (65), bis vor kurzem stellvertretender EDA-Staatssekretär. Zwei Wochen nach seiner Pensionierung unterzeichneten Bern, Teheran und Riad die Mandate. Nun schreibt Martin über die heikle Mission und weitere Höhepunkte seiner Karriere ein Buch, das 2018 erscheinen soll. Ein Verlag sei daran interessiert, sagt der Romand auf Anfrage. Er werde so detailliert wie möglich über die Operation berichten.

Breitseite gegen Rossier und Burkhalter

Die neuen Schutzmachtmandate dürften nicht die einzige spannende Passage bleiben. Martin war auch mit der Ausschleusung des aserbaidschanischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Emin Huseynov beauftragt, der 2014 in die Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Baku geflüchtet war. «Die Verhandlungen dauerten zehn Monate, ich reiste etwa achtmal nach Aserbaidschan», sagt er. Am Ende konnte Huseynov mit Aussenminister Didier Burkhalter im Bundesratsjet ausfliegen.

Für Gesprächsstoff dürften zudem Martins Schilderungen aus der Berner Zentrale sorgen. Der Ex-Topdiplomat will von «guten und weniger guten Erfahrungen» mit Burkhalter und Ex-Staatssekretär Yves Rossier berichten. Martin spricht von einer heiklen Passage. Die Nomination von Rossier, aber auch von dessen Nachfolgerin Pascale Baeriswyl, habe intern zu grosser Unzufriedenheit geführt. Bei der amtierenden Staatssekretärin kam schlecht an, dass Burkhalter erfahrenere Kandidaten überging. Mit Rossier, heute Botschafter in Moskau, hatte der Bundesrat 2012 einen Chefbeamten zum obersten Diplomaten befördert. Dieser hatte zwar den Concours absolviert, brachte aber nur wenig diplomatische Erfahrung mit.

Das EDA stellte ihm mit Martin einen gestandenen Diplomaten als Stellvertreter zur Seite. Am Ende verstanden sich die beiden nicht gut. «Die Idee, jemand Externes zu holen, war wahrscheinlich keine gute», sagt Martin. Diplomatie sei kein Metier, das man an einem Tag lerne. Für den Posten sei eine Person unabdingbar, die eine Botschaft oder eine grosse Einheit der Zentrale geführt habe.

Rote Linien bei heiklem Mandat

Der langjährige stellvertretende Staatssekretär ist nicht der erste Diplomat, der ein Buch schreibt, auch wenn sein Projekt ungewöhnlich ist. Dieses gibt im EDA zu reden. Informationschef Jean-Marc Crevoisier reagiert diplomatisch: Man freue sich auf das Buch. «Es gibt keinen anderen, der so viel über mehr als 30 Jahre Schweizer Diplomatie erzählen kann», sagt er. Martin solle aber ein reales Bild zeichnen, jeder Mensch habe Mängel. Bei den Schutzmachtmandaten gebe es rote Linien. Klar ist, dass Gute Dienste nur diskret möglich sind.

Martin will sein Manuskript vor der Veröffentlichung dem EDA vorlegen. «Es ist nicht mein Ziel, damit Personen oder Projekte in Schwierigkeiten zu bringen», sagt er. Das Buch werde keine Abrechnung. Natürlich werde er nicht Dinge erzählen, die Schutzmachtmandate gefährden würden. Das SP-Mitglied diente der Schweizer Diplomatie während 35 Jahren und arbeitete unter sechs Bundesräten, von Pierre Aubert über Flavio Cotti bis Didier Burkhalter. Auf seinen Posten erlebte er etwa Nelson Mandelas Befreiung 1990 und das Referendum über die Unabhängigkeit Quebecs 1995.

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