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AUSSTELLUNG: Aufbruch und Enttäuschung, Made in Switzerland

Mit der Februarrevolution verbanden sich auch in der Schweiz Hoffnungen auf eine Demokratisierung des russischen Reiches. Zum 100. Jahrestag widmet das Landesmuseum Zürich den russisch-schweizerischen Beziehungen eine Ausstellung.
Isabelle Daniel
Oktober 1917: Während der Russischen Revolution wundet sich Lenin an die Menge auf dem Roten Platz in Moskau. (Bild: Photo by Universal History Archive/Getty Images))

Oktober 1917: Während der Russischen Revolution wundet sich Lenin an die Menge auf dem Roten Platz in Moskau. (Bild: Photo by Universal History Archive/Getty Images))

Isabelle Daniel

«Genossen schweizerische Arbeiter! Indem wir (...) die Schweiz verlassen, um nach Russland zu reisen und dort in unserer Heimat die revolutionäre internationalistische Arbeit weiterzuführen, senden wir euch unsern Genossengruss»: Mit diesen Worten verabschiedete sich Wladimir Iljitsch Uljanow im April 1917 von der Schweiz, die ihm drei Jahre als Exil gedient hatte. Dass er kurz darauf unter dem Namen Lenin Weltgeschichte schreiben würde, war für die Zeitgenossen da noch nicht vorhersehbar; zu komplex waren die vielen parallelen und teils gegenläufigen Entwicklungen im Laufe des Jahres 1917.

Die Russische Revolution, die am 23. Februar 1917 mit massiven Demonstrationen in Petrograd begann, war von dem Gegeneinander von Emanzipation und Gewalt geprägt. Dieser Ambivalenz versucht eine Ausstellung gerecht zu werden, die ab morgen im Zürcher Landesmuseum gezeigt wird und sich den russisch-schweizerischen Beziehungen in einer Zeit des Umbruchs widmet.

«Die Oktoberrevolution brachte eine 200-jährige intensive Verflechtungsgeschichte praktisch zum Erliegen», sagt Peter Collmer, Historiker an der Universität Zürich. Die Ausstellung beleuchtet diese Verflechtungen am Beispiel prominenter Biographien, zeigt in kapitelartig strukturierten Ausstellungsräumen aber auch die enormen Unterschiede in der Lebenswirklichkeit von Schweizern und Russen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Atmosphärisch effektvoll verortet die Ausstellung die Schweiz als Enklave des Friedens im Kontext des überall sonst in Europa tobenden Weltkrieges.

Massive Gegensätze prägen auch das Leben im russischen Vielvölkerreich: Der Dekadenz, mit der sich die Zarenherrschaft umgibt, steht die Armut von Bauern und Arbeitern gegenüber. Von Paradoxien ist auch die Revolution geprägt. Das Aufbegehren gegen die alte Ordnung auf der einen, Terror und Dogmatik der Revolutionäre auf der anderen Seite reflektieren die ausgestellten Kunstwerke. Die Russische Avantgarde ist Teil der Aufbruchsstimmung, die in die Februarrevolution mündet. Ab den 30er-Jahren kennt die russische Kunst nunmehr nur noch den uniformistischen Stil des Sozialistischen Realismus.

Tausende Schweizer waren unmittelbare Zeugen dieses Umbruchs. Seit dem 19. Jahrhundert hatte sich das Zarenreich zu einem der wichtigsten Auswanderungsländer für Schweizer entwickelt. «Im Vergleich mit der Auswanderung nach Amerika wanderten vor allem Spezialisten aus der Schweiz nach Russland aus», so Collmer. Käser, Zuckerbäcker, Industrielle oder Frauen und Männer in Erziehungsberufen etwa hatten ausgesprochen gute Karrierechancen in Russland. Für sie bedeutete die Oktoberrevolution eine Existenzbedrohung. «Sie waren mit dem Verlust von Sicherheit und Eigentum, aber auch mit Gewalterfahrungen konfrontiert», so Collmer. Zuvor habe der Sturz des Zarenregimes in der Februarrevolution in der Schweiz «auch die Hoffnung ausgelöst, dass dieses riesige Reich sich demokratisiert». Das Zarenreich galt in der Schweiz als despotisches Regime, die «politische Kultur der Schweiz bildete dazu gewissermassen einen Gegenentwurf», sagt Collmer.

Dies und die «liberale nationale Identität» trugen laut Collmer dazu bei, dass die Schweiz politisch Verfolgten aus dem Zarenreich Asyl bot. Zur Revolutionszeit sei die russische Kolonie in der Schweiz ein Abbild der Fraktionierung der russischen Gesellschaft gewesen. «Die Unterscheidung zwischen Roten und Weissen gab es auch unter den Auslandsrussen in der Schweiz.» Lenin, heute freilich der berühmteste dieser Exilanten, habe damals relativ wenig Kontakt zu Schweizer sozialistischen Kreisen gehabt. «Die Aktivitäten der Revolutionäre richteten sich vor allem auf die Geschehnisse in der Heimat», so Collmer.

Zur Abspaltung des linken Flügels der Schweizer Sozialdemokraten trug die Russische Revolution dennoch bei. Schweizer Unterstützer Lenins wie der sozialdemokratische Nationalrat Fritz Platten, der in der Ausstellung ausführlich porträtiert wird, blieben jedoch die Ausnahme. 1942 wurde der überzeugte Kommunist im Gulag ermordet. «Plattens Schicksal ist ein trauriges, aber auch ein typisches für viele treue Verbündete Lenins, die in den 1930er-Jahren Opfer der stalinistischen Säuberungen wurden», sagt Collmer.

Hinweis

Die Ausstellung «1917 Revolution. Russland und die Schweiz» wird von morgen bis zum 25. Juni im Landesmuseum Zürich gezeigt.

«Bärenstark» sind die Exporte nicht mehr

Wirtschaft Es war ein Paukenschlag. «Die Massnahmen taugen nichts», sagte Johann Schneider-Ammann im Januar im Interview mit unserer Zeitung. Die Kritik des Wirtschaftsministers bezog sich auf die Sanktionen, welche die EU 2014 als Reaktion auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim gegen Russland ausgesprochen hatte. Unter den Sanktionen und den von Russland ergriffenen Gegenmassnahmen litten viele Schweizer Firmen, unter anderem die Maschinen- und Uhrenindustrie, sagte der Wirtschaftsminister. «Das tut jemandem wie mir, der sich für Arbeitsplätze einsetzt, enorm weh.»

Noch im Januar 2014 bezeichnete die Eidgenössische Zollverwaltung die Schweizer Exporte nach Russland in einer Mitteilung als «bärenstark». Seit Anfang der 1990er-Jahre hätten diese dreimal so stark zugelegt wie die Schweizer Ausfuhren total. Inzwischen kann von einem florierenden Handel mit Russland aber keine Rede mehr sein. Betrug der Wert aller Güter, welche die Schweiz in das Riesenland exportierte, 2013 über drei Milliarden Franken, waren es 2015 noch 2,3 Milliarden Franken. Und im vergangenen Jahr ist das Volumen auf zwei Milliarden Franken geschrumpft. Gemäss Seco sind die internationalen Sanktionen aber nicht die Hauptursache für den Rückgang. Verantwortlich dafür sei in erster Linie die Wirtschaftskrise in Russland. Wegen des schwachen Rubels seien Schweizer Waren teuer geworden. Die internationalen Sanktionen gelten aber als einer der Auslöser dieser Wirtschaftskrise – neben dem Einbruch des Ölpreises. Die Sanktionen zielen unter anderem auf die russischen Banken. Ihr Zugang zum europäischen Kapitalmarkt ist eingeschränkt. So fällt es der russischen Wirtschaft schwer, an Kredite zu kommen. Und das spürt auch die Schweizer Exportbranche. Die Ausfuhr von Schweizer Maschinen nach Russland etwa ging im Jahr 2015 um fast 30 Prozent zurück, im vergangenen Jahr um 14 Prozent.

Politiker stören sich an den Sanktionen

Der Bundesrat verurteilte die Annexion der Krim durch Russland zwar als Verletzung des Völkerrechts, er verzichtete jedoch auf Sanktionen. Dafür hat die Regierung Massnahmen getroffen, damit die internationalen Sanktionen nicht über die Schweiz umgangen werden können. SVP-Aussenpolitikerin Yvette Estermann (LU) will den Bundesrat per Vorstoss dazu auffordern, die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit Russland zu «normalisieren». Zu den Mitunterzeichnenden gehört Nationalrat Hans-Peter Portmann. «Ich halte es grundsätzlich für kontraproduktiv, wenn Völkerrechtsverstösse mit Wirtschaftssanktionen geahndet werden, denn diese treffen immer die Bevölkerung», sagt der Zürcher FDP-Politiker. Ausserdem bauten viele EU-Länder ihre Handelsbeziehungen ungeachtet der Sanktionen aus, während die Schweiz peinlich genau darauf achte, dass die Sanktionen nicht umgangen würden. In den Augen Portmanns sollte der Gesamtbundesrat dem Beispiel von Schneider-Ammann folgen und deutlich machen, «dass er von den internationalen Sanktionen nicht viel hält». Die Schweiz solle zudem zusammen mit den Efta-Staaten die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Russland wieder aufnehmen.

Tobias Bär

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