AUSSTELLUNG: Schwyz gibt Bundesbrief nicht her

Das Kulturzentrum LAC in Lugano darf den Bundesbrief nicht ausstellen. Die Schwyzer Regierung will das historische Dokument nicht ausleihen – sie befürchtet einen Präzedenzfall.

Kari Kälin
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Für Siegel und Pergament des Bundesbriefs ist jede Erschütterung ein Problem. (Bild: Boris Bürgisser (Schwyz, 16. Juli 2016))

Für Siegel und Pergament des Bundesbriefs ist jede Erschütterung ein Problem. (Bild: Boris Bürgisser (Schwyz, 16. Juli 2016))

Kari Kälin

Die politische Unterstützung war gross. Mehr als die Hälfte des 60-köpfigen Luganeser Stadtparlaments setzte sich mittels Vorstoss dafür ein, den Bundesbrief von 1291 nach Lugano zu holen. Eine entsprechende Anfrage der Stadtregierung von Lugano hat der Kanton Schwyz, der Besitzer des historisch bedeutenden Dokumentes, nun aber abschlägig beantwortet, wie der Luganeser Kulturdirektor Roberto Bada­racco (FDP) am Montagabend im Parlament bekanntgab.

In einem Brief an die Stadtregierung schreibt der Schwyzer Regierungsrat Michael Stähli (CVP): «Die Ausleihe des Bundesbriefs an Museen oder Kulturzentren in der Schweiz erachten wir als wenig sinnvoll.» Der Kulturdirektor weist zum einen darauf hin, dass der Bundesbrief, der sich wohlbehütet in einer Vitrine im Bundesbriefmuseum Schwyz befindet, ein touristisches Schwergewicht darstelle. Im letzten Jahr zählte das Museum 14300 Besucher, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Zum andern befürchtet Stähli, dass ein Präjudiz geschaffen würde und danach weitere Landesteile, Kantone oder Museen den Bundesbrief begehren würden. «Damit würde das Dokument gehäuft äusseren Einflüssen ausgesetzt», so Stähli. In ­diesem Satz schwingt die Befürchtung mit, das mehr als 700-jährige Dokument, das einen Pakt zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden besiegelte, könnte Schaden nehmen. Dies sei bei jeder Ausleihe denkbar, so das Urteil des Schwyzer Staatsarchivars Valentin Kessler. Es ist zum Beispiel bei einem Transport immer mit kleineren Erschütterungen zu rechnen, was für Siegel und Pergament nicht ideal ist. Der Luganeser Stadtparlamentarier Tiziano Galeazzi (SVP), der Urheber des Vorstosses, zeigt sich enttäuscht. «Leider verwehrt uns der Kanton Schwyz die Ausleihe für eine einmalige Sache», so Galeazzi. «Man hätte sicher Lösungen für den Transport und mit den Versicherungen finden können.» Galeazzi sah in der temporären Ausleihe nicht nur eine Publikumsattraktion, sondern auch eine gute Möglichkeit, Geschichtsunterricht mit Staatskunde zu verbinden.

Die Schwyzer Regierung versüsst ihr Nein in den Süden mit einer Einladung. «Ich würde mich sehr freuen, eine Delegation der Stadt Lugano im Bundesbriefmuseum in Schwyz als unsere Gäste begrüssen zu dürfen», so Stähli.

Stadtrat Badaracco wird die Einladung «sehr gerne» annehmen, wie er auf Anfrage sagt. Auch er hätte sich gefreut, wenn Lugano den Bundesbrief im LAC einem breiten Publikum hätte präsentieren können. «Das wäre eine grossartige Sache gewesen. Viele Tessiner wissen nicht, dass der Bundesbrief in Schwyz aufbewahrt wird», sagt Badaracco. Doch er verstehe die Argumente der Schwyzer Regierung. «An ihrer Stelle hätten wir das Dokument wahrscheinlich auch nicht herausgerückt.»

Dokument war Attraktion in den USA

Galeazzi glaubt derweil, es fehle dem Kanton Schwyz am guten Willen. «Es wäre um eine Ausstellung im eigenen Land gegangen.» Der Politiker spielt damit auf die Tatsache an, dass der Kanton Schwyz den Bundesbrief im Sommer 2006 für drei Wochen ans Museum für amerikanische Verfassungsgeschichte in Philadelphia auslieh. Zahlreiche Schweizer Auswanderer bestaunten damals das Dokument. Die Schwyzer Regierung betrachtet die damalige Ausleihe als «einmalige Konstellation».

In der Tat hat der Bundesbrief das Bundesbriefmuseum seit seiner Eröffnung im Jahr 1936 nur für die US-Reise verlassen. Der Transport geschah unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.