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BADEN: Die Vertrauensfrage im Kampf ums Stadtpräsidium

Erstmals seit der Nackt-Selfie-Affäre stellt sich Geri Müller diesen Sonntag wieder einer Wahl: Der umstrittene ehemalige grüne Aargauer Nationalrat kämpft um sein Amt als Stadtammann von Baden. Es könnte eng werden für ihn.
Maja Briner, Baden
Die Wahl dürfte für Geri Müller kein Spaziergang werden. (Bild: Marcel Bieri/Photopress (Bern, 14. September 2015))

Die Wahl dürfte für Geri Müller kein Spaziergang werden. (Bild: Marcel Bieri/Photopress (Bern, 14. September 2015))

Maja Briner, Baden

Für einen eigentlichen Wahlkampf bleibt Geri Müller wenig Zeit. Seine Agenda ist voll: Von der Sitzung zur Regionalplanung in der Nachbargemeinde eilt er an diesem Abend zurück nach Baden an die Jungbürgerfeier. Am Tag darauf steht abends eine Versammlung des Vereins Kerzenziehen an, am nächsten Tag eine Theatersaisoneröffnung. «Als Stadtammann bin ich viel in Kontakt mit den Menschen», sagt Müller. Viel Zeit in den Wahlkampf investiere er nicht. «Man kennt mich ja», sagt er.

An Bekanntheit mangelt es dem ehemaligen Grünen-Nationalrat zweifellos nicht. In Bern fiel er vor allem als Aussenpolitiker auf – und eckte wegen seiner Nähe zu Vertretern der paläs­tinensischen Hamas an. Am meisten Wirbel aber verursachte die Selfie-Affäre: Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» machte vor drei Jahren publik, dass Müller am Arbeitsplatz pornografische Selfies an eine Chat-Bekannte verschickt hatte. Eigentlich eine private Angelegenheit, die nicht in die Öffentlichkeit gehörte, wie der Schweizer Presserat später rügte. Doch die Affäre hielt sich wochenlang in den Schlagzeilen, der «Blick» betitelte Müller als «Grüsel-Geri».

«Das Vertrauen hat gelitten»

In Baden führte die Selfie-Affäre dazu, dass Müller von der Stadtregierung vorübergehend entmachtet wurde: Seine Regierungskollegen entzogen ihm die Dossiers. Die bürgerlichen Parteien sahen den Ruf der Stadt gefährdet und forderten ihn zum Rücktritt auf. Doch Müller blieb. Nun muss sich der 56-Jährige am Sonntag erstmals wieder einer Volkswahl stellen. Gleich drei Herausforderer stellen sich ihm in den Weg. Gewichtigster Konkurrent ist der aktuelle Vizeammann Markus Schneider (CVP).

Alle drei Kandidaten fordern einen Neustart – und meinen damit in erster Linie nicht einen politischen Richtungswechsel, sondern vor allem: eine neue Person als Stadtpräsident, deren Ruf nicht angeschlagen ist. Die Selfie-Affäre hängt wie ein Schatten über dem Wahlkampf. In einer Diskussionsrunde des TV-Senders Tele M1 ist sie prominentes Thema, auch wenn Müllers Konkurren­ten sie nur indirekt ­ansprechen: «Das Vertrauen hat gelitten», sagt Schneider. Die parteilose Sandra Kohler fordert, es brauche «eine neue, unverbrauchte Person». Und Kandidat Erich Obrist, ehemals SP-Mitglied, sagt: «Die Stadt läuft sehr gut, auch ­wegen Geri. Aber die Vertrauensbasis ist nicht mehr da.»

Müller sieht darin eine politische Strategie: Die Vertrauensfrage werde nur gestellt, um ein Argument für den Machtwechsel zu haben. «Ich kenne die Politik seit 40 Jahren. Wenn man keine Argumente mehr hat, geht man halt zum privaten Angriff über», sagt er. Schmutzig ist der Wahlkampf jedoch nicht, auch linke Politiker bezeichnen ihn als fair.

Müller sagt, er spüre nach wie vor Vertrauen von den Bürgern. «Die Bevölkerung hat dieses ganze Brimborium nicht mitgemacht, nur die politische Ebene», sagt er über die Selfie-Affäre. Diese bezeichnet er als ein «ganz kleines Element in den letzten vier Jahren». Müller verweist auf seine politische Leistungsbilanz: Die rot-grüne Stadtregierung habe im bürgerlichen Parlament fast alle Geschäfte durchgebracht, auch die Volksabstimmungen habe sie gewonnen.

Und der Plan B?

Die Vertrauensfrage hatte Müller indes nach Bekanntwerden der Selfie-Affäre selbst aufgeworfen. Die Wahl wird nun zur Nagel­probe. Dabei wäre die Ausgangslage für Müller auch ohne die Geschichte um die Nacktbilder schwierig genug. Bei seiner Wahl vor vier Jahren gewann er mit nur 34 Stimmen Vorsprung. Damals hatte er davon profitiert, dass sich die Bürgerlichen nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Das ist diesmal anders. Müller hat offiziell nur die Grünen im Rücken sowie das «Team Baden», für das er auf lokaler Ebene politisiert. Die SP, die ihn vor vier Jahren noch unterstützte, hat hingegen Stimmfreigabe beschlossen.

Für Müller dürfte es daher eng werden bei der Wiederwahl als Stadtpräsident. Sollte er unterliegen, dürfte er dennoch im siebenköpfigen Stadtrat bleiben: Dass er auch dieses Mandat verliert, erscheint wenig wahrscheinlich. Doch was, wenn es anders kommt – und die Laufbahn des Berufspolitikers abrupt endet? Er habe sich keinen Plan B zurechtgelegt, sagt Müller. «Das mache ich schon lange nicht mehr. Ich investiere meine Energie lieber in die Arbeit.»

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