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BADEUNFÄLLE: Retter wollen weltweit wirken

Jährlich sterben weltweit fast gleich viele Personen durch Ertrinken wie an Malaria. Die Prävention stand bisher kaum im Fokus internationaler Hilfsorganisationen. Das soll sich ändern.
Stefan Welzel
Kinder lernen das Schwimmen. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) plant, auch international Prävention gegen das Ertrinken zu betreiben (Symbolbild). (Bild: Getty)

Kinder lernen das Schwimmen. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) plant, auch international Prävention gegen das Ertrinken zu betreiben (Symbolbild). (Bild: Getty)

Stefan Welzel

Die Zahl ist ernüchternd: 372 000 Tote. Der erste Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Prävention gegen das Ertrinken aus dem Jahr 2014 nennt die Anzahl Opfer, die jährlich in Gewässern aller Art weltweit ums Leben kommen. Das sind nur rund 100 000 Personen weniger, als an Malaria sterben. Der Bericht hat auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) mit Sitz in Sursee aufgeschreckt. «Deshalb haben wir vergangenen Herbst begonnen, uns mit internationalen Partnern zusammenzuschliessen, um die Koordination in Sachen Ertrinkungsprävention voranzutreiben», erklärt Reto Abächerli, Geschäftsführer der SLRG.

Unterschätzte Todesursache

Der 37-jährige Luzerner zählt Ertrinken zu den weltweit meistunterschätzten Todesursachen. Während der Grund für den Ertrinkungstod in der Schweiz und anderen Industrienationen oft im Leichtsinn und in der Selbstüberschätzung überwiegend junger Männer liegt, sind in den Entwicklungsländern vor allem Kinder betroffen, die gar nie schwimmen gelernt haben.

In der Schweiz sind die Zahlen seit Beginn der Aufzeichnungen der SLRG im Jahre 1931 insgesamt rückläufig, wobei sie sich in den letzten 40 Jahren auf relativ tiefem Niveau stabilisiert haben. Im Jahr 2015 starben 50 Menschen beim Gang ins kühle Nass. Ein Jahr davor waren es 27 Personen, im Jahr 2013 52 Personen. Auffallend ist der hohe Anteil an Männern, der hierzulande zuletzt meist bei deutlich über 70 Prozent lag.

Flächendeckende Prävention

«In unseren Breitengraden ist Ins-Wasser-Gehen ein Freizeitvergnügen», erklärt Abächerli. In Entwicklungsändern sieht das etwas anders aus. Unbeaufsichtigte Kinder und Jugendliche stellen in armen Staaten die grösste Opfergruppe dar. Die Hälfte aller weltweit Ertrunkenen ist unter 25 Jahre alt.

Und genau deshalb brauche es besonders in Entwicklungsländern eine flächendeckende Prävention unter Einbezug und Koordination aller beteiligten Institutionen: der nationalen Ableger des Roten Kreuzes, der Rettungsschwimmerverbände sowie der staatlichen Behörden vor Ort. Eine solche existierte bisher aber kaum.

«Es gibt Länder, da übernimmt das Rote Kreuz die Aufgabe der Prävention, anderswo sind es die Ableger der Internationalen Lebensretterföderation ILS», sagt Abächerli. Die SLRG ist eingebunden in beide Organisationen. Als Mitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) ist die SLRG quasi an der Schnittstelle. Und diese Position möchte sie nun nutzen, um Impulsgeber für eine bessere weltweite Vernetzung zu sein.

Projekte in El Salvador und Nepal

Urs Frieden vom Departement Gesundheit und Integration des SRK bestätigt, dass man von Seiten seiner Organisation offen ist für die verstärkte Zusammenarbeit. Das SRK ist bisher in drei Ländern in diesem Bereich der Prävention tätig. In El Salvador, Honduras und Nepal sorgen Schweizer Delegierte mit Know-how und Geld dafür, dass Einheimische vor Ort Schwimmunterricht erteilen und Lebensretter ausbilden. Grundsätzlich sind die Länderverbände des Roten Kreuzes überall auf der Welt für die Ausbildung im Bereich Erste Hilfe zuständig. Die Leitlinien hierfür werden alle fünf Jahre erneuert und von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften herausgegeben.

Sie werden sodann von den nationalen Rotkreuz-Organisationen in ihre Ausbildungsprogramme übernommen. «Unser Ziel ist es, dass die Prävention verbindlich in das nächste, 2020 veröffentlichte Manuskript der globalen Leitlinien eingearbeitet wird. Das wäre ein grosser und wichtiger Fortschritt», erklärt Abächerli.

Unterstützung aus Nordamerika

Zusammen mit dem US-amerikanischen und dem kanadischen Roten Kreuz ist die SLRG seit rund einem halben Jahr daran, Überzeugungsarbeit zu leisten. Ein erster Schritt ist der Aufbau einer entsprechenden Expertengruppe, die aus ILS-Experten sowie Rotkreuz-Fachleuten besteht und die Leitlinien konkret ausarbeitet. Für die SLRG ist es also noch ein weiter Weg bis zum Ziel.

Das nächste Eckdatum ist der Oktober 2017, dann findet der Weltkongress der Prävention gegen das Ertrinken im kanadischen Vancouver statt. «Bis dann soll sich die genannte Expertengruppe das erste Mal treffen», sagt Abächerli.

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