BAHN: SBB: Italienverkehr bleibt Sorgenkind

Die SBB erreichen ihre Zielvorgaben nicht. Ein Hauptgrund dafür: Ver­spätungen und Ausfälle zwischen Mailand und Zürich sind an der Tagesordnung.

Gerhard Lob
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Die SBB erreichen ihre Ziele nicht. Schuld daran ist aber das schlechte Material der Italiener auf der Strecke Zürich - Mailand. (Symbolbild Neue LZ)

Die SBB erreichen ihre Ziele nicht. Schuld daran ist aber das schlechte Material der Italiener auf der Strecke Zürich - Mailand. (Symbolbild Neue LZ)

Gerhard Lob

Trotz grossen Anstrengungen und dem Einsatz neuer Züge läuft der internationale Bahnverkehr zwischen Zürich und Mailand via Gotthard nicht nach Wunsch. In den letzten Wochen mussten häufig Verspätungen, aber auch Totalausfälle verzeichnet werden. «Der Verkehr Süd–Nord erreicht unsere Zielvorgaben betreffend die Pünktlichkeit und die Gewährung der Anschlüsse nicht», räumt Jeannine Pilloud, Leiterin SBB-Personenverkehr, in einer Mail an einen Kunden ein, der sich über einen ausgefallenen EC von Zürich nach Mailand am 15. Juli beklagt hatte.

Der EC war damals in Zürich mit 66 Minuten Verspätung aus Mailand eingetroffen und konnte dann wegen eines technischen Defekts nicht zurückfahren. Die Fahrgäste mussten auf einen IR ausweichen, in Arth-Goldau auf einen ICN und dann nochmals in Lugano sowie in Chiasso auf eine S-Bahn umsteigen. In Mailand verpassten einige Kunden den Anschluss für den gebuchten Zug nach Neapel. Dies ist umso ärgerlicher, weil in Italien eine Reservationspflicht in Fernverkehrszügen besteht.

Italien nutzt weiter alte Züge

Da Verspätungen und Zugsausfälle auf der Strecke Zürich–Mailand seit Jahren an der Tagesordnung sind, hatten die SBB zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni 2014 die Fahrzeiten verlängert, um eine Stabilisierung des Fahrplans zu erreichen und dank Fahrzeitreserven Verspätungen aufholen zu können. Zudem haben die SBB ihre pannenanfälligen ETR-470-Züge ausrangiert und mittlerweile durch die neuen ETR 610 ersetzt.

Trotzdem haben sich gerade in diesen Sommermonaten die Probleme wieder gehäuft. Ein Grund besteht darin, dass Trenitalia auf dieser Strecke weiterhin ETR 470 einsetzt, die unzuverlässigen Neigezüge der ersten Generation aus Cisalpino-Zeiten. «Die Fahrzeugverfügbarkeit der vier ETR 470 der Trenitalia ist leider unbefriedigend. In den letzten Wochen sind regelmässig Züge ausgefallen», teilt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer auf Anfrage mit. Teilweise versagte auch die Neigetechnik, die nötig ist, um Verspätungen auf der Gotthard-Strecke aufzuholen. Der überwiegende Teil aller EC-Züge aus dem Süden trifft nach wie vor mit einer Verspätung von 4 bis 8 Minuten in Chiasso ein. Dazu kam, dass die neuen ETR-610-Züge der SBB unter der Hitze litten. Mehrere ETR 610 hatten während der Hitzeperiode im Juli Störungen, konkret an der Brandmeldeanlage, an der Kupplung oder an der Neigetechnik. Schliesslich gibt es eine Reihe von Baustellen und Einspurabschnitten, auf denen die Züge nur langsam fahren können – zurzeit etwa zwischen Brunnen und Erstfeld mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde.

Verbesserungen nicht in Sicht

Wenig erfreut über die aktuelle Lage ist Pro Bahn Schweiz, zumal die Fahrzeiten in Folge des Fahrplanwechsels von 2014 bereits auf das Niveau der 1950er-Jahre zurückgekehrt sind. Pro-Bahn-Präsident Kurt Schreiber meint: «Baubedingte Einspurabschnitte sollten unbedingt verkürzt werden, und im Fall eines Totalausfalls sollten lokbespannte IC-Ersatzzüge bereitgestellt werden – mit Umsteigen im Tessin auf S-Bahnen nach Mailand.»

Auch wenn die SBB gemeinsam mit den italienischen Partnern versuchen, die Situation zu verbessern, sind die Aussichten nicht rosig. Baustellen auf der Gotthardstrecke bleiben bis zirka 2022 erhalten. «Mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels verbessert sich die Situation einerseits, weil die Bergstrecke unterfahren wird, andererseits verlagert sich das Risiko für Verspätungen auf die neue Grossbaustelle Zugersee Ost und dabei insbesondere auf den Abschnitt Zürich–Rotkreuz», hält Pilloud im Kundenmail fest. Konkrete Verbesserungen könne sie nicht in Aussicht stellen. Ihr wenig erbauliches Fazit: «Unsere Planung geht bei pünktlichem Verkehren der Züge auf.»