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BAHN: SBB streichen Abendzüge

Die SBB dünnen das Angebot im Fernverkehr abends aus. Mehrere Verbindungen werden gestrichen. Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr spricht von einem «Kahlschlag».
Maja Briner
Damit mehr Zeit für Bauarbeiten bleibt, sollen am späteren Abend weniger Züge fahren. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 17. Juni 2016))

Damit mehr Zeit für Bauarbeiten bleibt, sollen am späteren Abend weniger Züge fahren. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 17. Juni 2016))

Maja Briner

Die SBB nennen sie Randstunden: jene Zeit am späteren Abend, wenn die Hektik des Feierabendverkehrs vorbei ist und die Zahl der Passagiere zurückgeht. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen zu dieser Zeit weniger Züge verkehren. Die SBB planen, elf Verbindungen im Mittelland zu streichen – an allen Tagen ausser freitags und samstags. Es handelt sich vor allem um direkte, schnellere Züge nach 21.30 Uhr. Pro Tag werden laut SBB circa 1200 Personen vom geänderten Angebot betroffen sein. Auch für die Zentralschweiz bringt der neue Fahrplan Änderungen am Abend (siehe Kasten).

Harsche Kritik an den Plänen der SBB kommt von der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV). Sie spricht von einem «Kahlschlag im Abendverkehr». Der «teilweise massive Abbau» von Zügen und Anschlussverbindungen am Abend führe zu «riesigen Fahrzeitverlängerungen und Wartezeiten», warnte die IGöV diese Woche.

Umsteigen oder länger fahren

Die SBB sehen das ganz anders. «Da muss ein Missverständnis vorliegen», sagt Sprecher Daniele Pallecchi. Alle Reisenden kämen in der Regel mit Umsteigen zur gleichen Zeit ans Ziel. Die SBB würden sehr genau schauen, dass die Anschlüsse weiterhin funktionierten. Pallecchi gibt aber zu: «Möchten die Reisenden nicht umsteigen, gibt es teilweise Fahrzeitverlängerungen von rund 10 bis 15 Minuten.»

Was das konkret bedeutet, zeigt sich am Beispiel des 22-Uhr-Zugs von Zürich nach Basel, der gestrichen werden soll. Die Passagiere müssen entweder auf den langsameren Interregio ausweichen. Ihre Reise verlängert sich jedoch von 53 Minuten auf 1 Stunde und 4 Minuten. Alternativ können sie eine halbe Stunde später auf den Zug, müssen dann aber umsteigen – und sind erst noch etwas länger als üblich unterwegs. Die ÖV-Nutzer dürfte das nicht freuen. Für die SBB gibt es aber einen guten Grund für den geplanten Abbau: Die nächtlichen Zeitfenster für Bau- und Instandhaltungsarbeiten können so verlängert werden. Dadurch könne deutlich effizienter und damit kostensparender gearbeitet werden. Wie viel die SBB durch die Massnahmen sparen, geben sie nicht bekannt.

Für Bea Heim, Präsidentin der IGöV und SP-Nationalrätin, ist zwar verständlich, dass Verbindungen wegen Bauarbeiten vorübergehend gestrichen werden. Gegen einen definitiven Abbau wehre sich die IGöV aber. «Der Trend geht hin zu einer 24-Stunden-Gesellschaft, ob man das gut findet oder nicht – und das sollte die Bahn mit ihrem Angebot berücksichtigen», sagt die Solothurnerin. Hinzu komme, dass gerade der Freizeitverkehr stetig zulege. Dass nur 1200 Personen und damit weniger als 0,1 Prozent der täglichen Reisenden betroffen sind, ändert für Heim nichts an ihrer Kritik – im Gegenteil: «Für den Freizeitverkehr ist das eine recht hohe Zahl», sagt sie. Zudem seien attraktive Verbindungen in den Randstunden für den Erfolg des ÖV insgesamt von entscheidender Bedeutung. Heim befürchtet, dass wegen des Abbaus vermehrt aufs Auto umgestiegen wird.

Zurückhaltender gibt sich Pro Bahn Schweiz. Die Änderungen seien zwar aus Kundensicht nicht erfreulich, aber «noch knapp akzeptabel», sagt Bastian Bommer. Die Verbindungen seien mit Umsteigen noch immer halbstündlich gewährleistet. Pro Bahn will die Angelegenheit aber im Auge behalten. «Sollte sich herausstellen, dass das Umsteigen nicht funktioniert oder dass es den SBB nur ums Sparen geht, werden wir fordern, die Streichungen wieder rückgängig zu machen», sagt Bommer.

Zweite Abbaurunde möglich

Definitiv ist der Fahrplan 2018 zwar noch nicht. Dass die SBB ihre Pläne noch über den Haufen werfen, ist jedoch wenig wahrscheinlich.

Den Vorgaben des Bundes widersprechen die Pläne nicht, wie es beim Bundesamt für Verkehr heisst. Der Abbau könnte nur ein erster Schritt sein: Gemäss SBB ist es nicht ausgeschlossen, dass ab 2021 weitere Verbindungen am Abend gestrichen werden.

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