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Pionierin McClean verliert den Auftrag: Wie die SBB das Geschäft mit den Bahnhofs-WCs erfunden haben

Die Bezahl-WCs in grossen Bahnhöfen werden jetzt aus einer Hand betrieben. In den vergangenen Jahren wurden die Bahnhofstoiletten schrittweise privatisiert. Die Geschichte eines Geschäftsmodells.
Sven Altermatt
WC-Anlage im Zürcher Hauptbahnhof: Die Symbiose zwischen SBB und McClean erzählt ein Stück Bahnhofsgeschichte. (Bild: Severin Bigler (Zürich, 2. Oktober 2019))

WC-Anlage im Zürcher Hauptbahnhof: Die Symbiose zwischen SBB und McClean erzählt ein Stück Bahnhofsgeschichte. (Bild: Severin Bigler (Zürich, 2. Oktober 2019))

Die McClean AG übernahm einst eine Pionierrolle als Anbieterin von Bezahltoiletten in Bahnhöfen. Doch nach einer öffentlichen Ausschreibung der SBB kommt nun eine andere Firma zum Zug: Die Vebego AG, die ebenfalls schon heute für die SBB arbeitet, darf künftig die Hygienecenter an neun Grossbahnhöfen aus einer Hand betreiben. McClean verliert seine Hygienecenter in Zürich, Basel, Bern und Luzern.

Brisant: Die oberste Führungsgremium von Vebego ist mit den SBB eng verstrickt, wie diese Zeitung publik gemacht hat. Jürg Stöckli sitzt seit April 2019 im Verwaltungsrat der Firma. Bis Ende 2018 war er Mitglied der SBB-Konzernleitung und Chef der Immobiliendivision, die zuständig ist für die Toiletten. Verfügte Stöckli damit über einen Informationsvorsprung? Er sei nicht ins Vergabeverfahren involviert gewesen und habe keinen Einfluss auf dessen Ausgang gehabt, betonten die SBB gegenüber der Redaktion von CH Media. «Die Vebego AG hat den Zuschlag erhalten, weil sie das wirtschaftlichste Angebot unterbreitet hat.» Und auch bei Vebego hiess es: Verwaltungsrat Stöckli sei in keiner Art und Weise mit dem Geschäft «vorbefasst» gewesen.

Das erste Hygienecenter

Unabhängig davon erzählt die Symbiose zwischen SBB und McClean, die nun bröckelt, ein Stück Schweizer Bahnhofsgeschichte. Die SBB privatisierten die Toiletten an den Bahnhöfen in den vergangenen Jahren schrittweise. Nirgendwo sind öffentliche Toiletten als Erleichterungsorte für Notfälle so gefragt wie dort. Von hier aus entwickelte sich der Gang aufs WC auch zu einem Geschäftsmodell.

Bald ein Vierteljahrhundert ist es her, seit die Bundesbahnen den Wert einer sauberen Toilette erkannt haben. Im Frühjahr 1995 verwandelten die SBB die renovierte Toilettenanlage im Bahnhof Bern ins erste moderne Hygienecenter der Schweiz. Endlich sollte das Zeitalter übel riechender Toiletten vorbei sein. Das hatte seinen Preis: Der Zutritt zum Hygienecenter kostete 1,50 Franken, die Benutzung des Urinals einen Franken.

Den Betrieb der Anlage übernahm die McClean AG, eine damals neugegründete Tochterfirma der Keramik-Holding Laufen. Sie bezahlte den SBB eine Miete und übernahm den Bau der Einrichtung. Dafür durfte sie Gebühren kassieren. McClean versprach einen neuen Standard punkto Sauberkeit und Komfort, eine «Insel der Körperpflege» aus Granit und Chromstahl. Die gepflegten Kabinen wurden von Personal beaufsichtigt und laufend gereinigt. Kunden fanden Annehmlichkeiten wie Schminkplätze und konnten gegen einen Aufpreis sogar duschen.

«Kommerzialisierung mit Klobürste»

Trotzdem: Dass fortan in jedem Fall für die Benutzung der Bahnhofstoilette bezahlt werden musste, stiess anfänglich auf Proteste. Manche Männer wichen in die dunklen Ecken des Bahnhofs aus, um Wasser zu lösen. Und Konsumentenschützer schimpften über die «Kommerzialisierung mit Klobürste».

Davon unbeeindruckt wurde aus den vermeintlich öffentlichen Toiletten eine Geldquelle. Schrittweise privatisierten die SBB ab dem Jahr 1995 ihre Toilettenanlagen. Parallel dazu trieb McClean das WC-Business auf die Spitze. Auf die erste Anlage in Bern folgten weitere, heute betreibt das Unternehmen für die SBB auch Hygienecenter in weiteren grossen Bahnhöfen. Der Grossauftrag der SBB für den Betrieb von insgesamt neun solcher Center geht nun jedoch an die Vebego AG.

Zudem ist die Hygiene-Kette mit Sitz in Basel im europäischen Ausland tätig. Nach einem Management-Buyout befindet sich McClean heute im Besitz seines Gründerteams. Längst sind andere Firmen in das Geschäft eingestiegen.

Teile dieses Artikel aus aktuellem Anlass basieren auf dem Beitrag «So haben die SBB aus den Bahnhofstoiletten ein Business gemacht», veröffentlicht am 5. August.

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