BANKENDEAL: 6000 US-Kunden: Das Risiko der Postfinance

Die Post- finance hat noch nach dem Jahr 2009 Kunden der UBS angenommen. Das könnte zum Problem werden.

Sermîn Faki
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Ein Mann bezieht Geld vom Postomaten. Postfinance besitzt sehr viele Kunden, die in den USA steuerpflichtig sind. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Ein Mann bezieht Geld vom Postomaten. Postfinance besitzt sehr viele Kunden, die in den USA steuerpflichtig sind. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Unter den fast drei Millionen Kunden der Postfinance befinden sich aktuell 6000 so genannte US-Persons, also Kunden, die in den USA steuerpflichtig sind. Das erklärt die Posttochter auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag». Die 6000 könnten zum Problem werden, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Posttochter, die zu 100 Prozent dem Bund gehört, Steuerhinterziehern Unterschlupf gewährt hat. Zumal Postfinance auch bestätigt, noch nach 2009 Kunden von der UBS übernommen zu haben.

So kursieren in Bern denn auch Gerüchte, wonach die Postfinance in der Gruppe 2 des vom US-Justizministerium angebotenen Programms landen könnte. In diese Gruppe sollen jene Banken eingeteilt werden, die US-Kunden mit nicht deklarierten Konten betreut haben. In diesem Fall müsste die Postfinance Daten in die USA liefern und eine Busse zahlen.

Die Postfinance klärt nach Angaben von Sprecher Alex Josty bereits ab, wie sehr sie vom Bankendeal betroffen sei. Allerdings sei man dafür auf die Bekanntgabe des effektiven Angebots der Amerikaner angewiesen. Dies wird erst nach einem allfälligen Parlamentsentscheid der Fall sein.

Strenge Aufnahmekriterien

Josty verweist darauf, dass das Unternehmen strenge Auflagen für die Annahme von US-Kunden habe: So verlange man seit 2010 eine schriftliche Bestätigung von US-Persons, dass die bei Postfinance angelegten Gelder korrekt versteuert sind. Seit letztem Jahr müssen auf Anfrage auch aktuelle Steuerbelege eingereicht werden. «Bei Anzeichen auf Steuerhinterziehung oder -betrug beendet Postfinance die Beziehungen mit diesen Kunden», so Josty. Im Rahmen dieser Einschränkungen trennte sich die Postfinance im letzten Jahr von 1200 US-Kunden. Vielleicht war das zu spät. Zudem setzt die Postfinance bei der Vermeidung zur Beihilfe zu Steuerhinterziehung und -betrug auf Selbstdeklaration, ein Konzept, dessen Tauglichkeit angezweifelt wird: Wer Steuern hinterzieht, wird kein Problem haben, seine Bank anzulügen, lautet einer der Haupteinwände.

Uvek sieht keine Verantwortung

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation unter Bundesrätin Doris Leuthard, das gegenüber der Post die Eigentümerrolle des Bundes wahrnimmt, teilt auf Anfrage mit, es habe bislang «keine Kenntnis erhalten von unversteuerten Geldern von US-Personen, die Kunden von Postfinance sind». Zuständig für Einschätzungen zum Ausmass, in welchem die Postfinance betroffen sein könnte, sowie zu den Auswirkungen des US-Angebots auf das Unternehmen fielen ausserdem in den Zuständigkeitsbereich der Finanzmarktaufsicht und des Eidgenössischen Finanzdepartements, teilt Leuthards Sprecherin Annetta Bundi mit. Dass die Postfinance steuer- und finanzrechtliche Regeln einhalte, müsse wiederum der Verwaltungsrat der Post überwachen, so Bundi weiter.