BARGELD: Tausendernoten boomen wie noch nie

Im Unterschied zu früheren Jahren hat die Zahl der Tausendernoten heuer schon im Herbst einen Höhepunkt erreicht – vielleicht wegen der Furcht vor einer Überwälzung der Negativzinsen auf die Bankkunden.

Balz Bruppacher
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Ein Mitarbeiter der Zürcher Kantonalbank zeigt einen Packen Tausendernoten. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Ein Mitarbeiter der Zürcher Kantonalbank zeigt einen Packen Tausendernoten. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Balz Bruppacher

Üblicherweise macht der Umlauf der Tausendernoten im Dezember einen Sprung nach oben. Sei es, weil im Weihnachtsgeschäft mit ganz grossen Noten bezahlt wird. Oder weil die Tausendernote direkt als Geschenk und Gratifikation zum Einsatz gelangt. Hinzu kommen die Schlaumeier, die zum Jahresende ihre Bankkonten vorübergehend plündern, um bei der Vermögenssteuer zu sparen.

Die soeben veröffentlichte Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) über den Notenumlauf macht deutlich, dass Weihnachten dieses Jahr bereits im Oktober stattfand. Total 45 405 000 Tausendernoten waren im Umlauf. Das ist ein neuer Rekord und entspricht einer Zunahme von 6 Prozent innert Jahresfrist.

Quelle: SNB (Bild: Grafik: Janina Noser)

Quelle: SNB (Bild: Grafik: Janina Noser)

Negativzinsen fördern Bargeldhaltung

Noch eindrücklicher wird der Boom im Zweijahresvergleich. Seit Oktober 2014 erhöhte sich die Zahl der Tausendernoten um 19 Prozent. Vor allem nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und der Einführung von Negativzinsen Anfang 2015 durch die Nationalbank zog die Nachfrage nach Tausendernoten deutlich an. Die Nationalbank hat seither zwar verschiedentlich erklärt, die Einführung der Negativzinsen habe keine Flucht ins Bargeld ausgelöst. Dass die Negativzinsen die Bargeldhaltung gefördert haben, ist aber naheliegend.

Ein Zusammenhang mit den Negativzinsen könnte auch beim neuen Höchststand im Oktober bestehen. Denn in diesem Herbst begannen Bankenvertreter – unter anderem von der Migros-Bank – laut darüber nachzudenken, dass die Negativzinsen in absehbarer Zeit auch auf die Kunden überwälzt werden könnten – ein Schritt, den bisher einzig die Alternative Bank Schweiz vollzogen hat. Andere Gründe für die grosse Nachfrage nach Tausendernoten sind nicht auszumachen. In früheren Jahren hatte der Umlauf der Tausendernoten jeweils die Rolle eines Krisenbarometers. So stieg die Nachfrage zum Beispiel nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 sprunghaft an. Ereignisse wie der Entscheid der Briten für den Austritt aus der EU im vergangenen Juni haben demgegenüber keine sichtbaren Spuren beim Umlauf der Tausendernoten hinterlassen. Weil die Daten über den Notenumlauf mit zweimonatiger Verzögerung veröffentlicht werden, wird sich erst im kommenden Februar zeigen, wie stark die Tausendernoten zum Jahresende gefragt waren. Alles andere als ein neuer Rekordstand wäre eine grosse Überraschung.

Internationaler Druck auf das Bargeld

Der Boom der Tausendernoten ist Nährstoff für die internationale Diskussion über die Abschaffung der grossen Notenabschnitte. Sie ist mit dem Argument der Bekämpfung des organisierten Verbrechens und der Terrorismus­finanzierung seit langem im Gang. «Die Risiken bei der Verwendung von Bargeld für Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung scheinen nicht genügend beachtet zu werden», heisst es im kürzlich veröffentlichten Schweizer Länderexamen der internationalen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäscherei. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen hat als Reaktion darauf eine vertiefte Analyse des gesamten Bargeldkomplexes angekündigt. Prominente Ökonomen wie Kenneth Rogoff haben dem Bargeld den Kampf angesagt, weil sie den Notenbanken zusätzlichen Spielraum für Negativzinsen verschaffen möchten. Eine Abschaffung der Tausendernote ist für die Nationalbank aber kein Thema; 2019 soll die neue Banknotenserie mit dem grössten Abschnitt komplettiert werden.