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Wegen Hitzesommer: Bauern fordern Solidaritätsbeitrag für Milch

Zu wenig Futter, ausgetrocknete Felder - Landwirte fürchten wegen
der Trockenheit um ihre Ernte.
Maja Briner
Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverband, glaubt, dass der Konsument Verständnis für einen höheren Milchpreis hat. (Bild: KEYSTONE/Patrick Huerlimann/Keystone; Schalunen, 12. Juli 2018)

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverband, glaubt, dass der Konsument Verständnis für einen höheren Milchpreis hat. (Bild: KEYSTONE/Patrick Huerlimann/Keystone; Schalunen, 12. Juli 2018)

Die Sorgen um Ernteausfälle ist gross. Die Situation verschärfe sich mit jedem Tag ohne ausreichend Regen, warnte der Schweizer Bauernverband gestern. Er forderte deshalb verschiedene Sofortmassnahmen, verzichtet aber vorerst ­darauf, beim Bund die hohle Hand zu machen. Vielmehr sollen sich die Bauern selbst helfen: Der Verband appelliert unter anderem an Landwirte, die genügend Futter haben, dieses auf dem Markt oder an den Futterbörsen anzubieten.

Der Bauernverband hofft zudem auf Solidarität der Abnehmer: Er fordert die Detailhändler auf, für Industriemilch bis nächsten Frühling einen «Solidaritätsbeitrag» von fünf Rappen pro Liter Milch zu bezahlen. Der höhere Preis soll die Milchbauern dafür entschädigen, dass die Kosten für das Futter steigen, während gleichzeitig die Milchmenge sinkt. Ob Migros und Coop der Forderung nachkommen, konnten sie gestern nicht beantworten. Die Händler könnten die Preiserhöhung selbst tragen oder an die Kunden weitergeben. Bauernpräsident Markus Ritter (CVP/SG) sagt : «Wir glauben, dass die Kunden angesichts der extremen Situation Verständnis für diesen Solidaritätsbeitrag von fünf Rappen hätten.» Der Entscheid liege aber bei den Detailhändlern.

SVP-Bauern in der Kritik

Die Bauern sind vom Klimawandel stark betroffen. Ausgerechnet die bauernnahe SVP tritt im Kampf dagegen aber auf die Bremse. Sie stellte sich gegen das Pariser Klimaabkommen und bekämpft aktuell das neue CO2-Gesetz, mit dem der Bundesrat die Treibhausgasemissionen senken will. Manche SVP-Vertreter negieren den Klimawandel an sich.

Nicht zu ihnen gehört Markus Hausammann, SVP-Nationalrat und Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. «Ich stelle die Klimaveränderung nicht in Frage», sagt er. Dennoch lehnt er eine höhere CO2-Abgabe auf Benzin und andere Treibstoffe ab, wie sie das neue CO2-Gesetz vorsieht. Er bezweifelt den Nutzen der Massnahme: «Ich glaube nicht, dass die Konsumenten deswegen ihr Verhalten ändern würden.»

Dass sich die SVP gegen das CO2-Gesetz stellt und die Bauern gleichzeitig Massnahmen fordern, sorgt für Kritik. GLP-Präsident Jürg Grossen forderte im «Blick», die Bauernvertreter im Parlament sollten mithelfen, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen – statt nur zu jammern. Angesprochen auf diese Aussage gerät Andreas Aebi in Rage. Der Berner Nationalrat und Präsident des Rinderzüchterverbands sagt: «Es gibt immer mehr Verkehr, in den Büros ­laufen Klimaanlagen, viele füllen ihre Schwimmbecken – und nun macht man den Landwirten Vorwürfe?» Aebi sieht die SVP-Bauernvertreter zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zum CO2-Gesetz mag er sich aktuell nicht äussern. «Bei manchen Bauern geht es derzeit um die Existenz», sagt er. «Jetzt müssen wir diese Probleme lösen.»

«Wir müssen jetzt etwas tun»

Nicht alle SVP-Bauern sind in Klimafragen auf Parteilinie, wie sich bei der Abstimmung über das Pariser Abkommen zeigte: Aebi, Hausammann und zwei weitere Landwirte enthielten sich; der ehemalige Bauernpräsident Hansjörg Walter (TG) stimmte sogar zu, ebenso die Waadtländer Bäuerin Alice Glauser. Für sie ist klar: «Man muss jetzt etwas gegen den Klimawandel tun, sonst wird es immer schwieriger.» Viele Bauern, egal ob in der SVP oder nicht, seien dieser Ansicht, ist sie überzeugt.

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