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Bauernverband gelobt Besserung

Unter dem Druck der Trinkwasser-Initiative verspricht der Bauernverband, die Pestizid-Belastung zu reduzieren. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel müsse konsequent umgesetzt werden, fordert Präsident Markus Ritter. Den Umweltverbänden genügt das jedoch nicht.
Maja Briner
Eine Drohne wirft über einem Maisfeld Kugeln mit Schlupfwespen ab, um den Maiszünsler, einen bedeutenden Schädling, zu bekämpfen. (Bild: Patrick Huerlimann, Keystone (Schalunen, 12. Juli 2018))

Eine Drohne wirft über einem Maisfeld Kugeln mit Schlupfwespen ab, um den Maiszünsler, einen bedeutenden Schädling, zu bekämpfen. (Bild: Patrick Huerlimann, Keystone (Schalunen, 12. Juli 2018))

Es sind ungewohnte Bilder, die der Schweizer Bauernverband in seiner neusten Broschüre präsentiert. Statt makellosem Gemüse und Obst zeigt er Kirschen, die von einem Pilz befallen sind, Kartoffeln mit Knollenfäule und von Larven zerfressene Äpfel. Die Botschaft ist klar: Bauern müssen ihre Pflanzen vor Schädlingen und Krankheiten schützen – und dazu braucht es auch Pflanzenschutzmittel.

Doch diese töten nicht nur Schädlinge, sondern setzen auch anderen Insekten zu, und ein Teil der Substanzen gelangt in Bäche und Flüsse. Gleich zwei Volksbegehren gegen Pestizide wurden deswegen vor kurzem eingereicht: Die Trinkwasser-Initiative fordert, dass Bauern, die Pflanzenschutzmittel einsetzen, keine Subventionen erhalten. Die zweite Initiative will synthetische Pestizide ganz verbieten.

«Ja, es gibt Handlungsbedarf»

Die Anliegen stossen in der Bevölkerung auf viel Sympathie. Das beunruhigt den Bauernverband sichtlich. Er versucht, den Initiativen bereits jetzt den Wind aus den Segeln nehmen. Wie er das anpackt, zeigte sich diese Woche: Der Verband lud zur Medienkonferenz auf einen Bauernhof in Schalunen, einem Dorf zwischen Bern und Solothurn. Der Anlass findet in der Scheune statt, neben Heuballen stehen ein paar Tische gedeckt mit Edelweiss-Tüchern, darauf Kirschen, Apfelsaft – Bauernhof-Idylle wie aus dem Werbeprospekt.

Dass es auch die unschönen Seiten gibt, die Pestizidbelastung in Gewässern etwa, verschweigt der Bauernverband nicht. «Ja, es gibt Handlungsbedarf», gibt Präsident Markus Ritter (CVP/SG) zu. Die Landwirtschaft wolle zu einer Lösung der Probleme beitragen, versichert er: «Wir wollen den Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes konsequent umsetzen.» Mit diesem will der Bund die heutigen Risiken von Pestiziden halbieren. Die beiden Volksinitiativen gehen nach Ansicht des Bauernverbands hingegen zu weit. Der Schaluner Landwirt Markus Lüscher betont:

«Wir spritzen nicht einfach aus Freude. Es geht uns darum, Qualität und Quantität zu sichern.»

Lüscher hat aufgerüstet, um die Belastung für die Umwelt zu verkleinern: Dank GPS kann er Pestizide genauer als früher spritzen. Den Maiszünsler, einen bedeutenden Schädling, bekämpft er aus der Luft: Eine Drohne wirft Schlupfwespen über dem Feld ab. Diese zerstören die Eier des Maiszünslers.

Der Bauernverband betont, die Landwirte hätten ein Interesse daran, den Verbrauch von Pestizide zu reduzieren. Gleichzeitig müssten Gemüse und andere Produkte aber gewissen Anforderungen genügen. «Die Toleranz der Kunden für mangelhafte Qualität ist klein», sagt Martin Rufer vom Bauernverband.

Die Bauern als Sündenbock?

Ein Stück weit fühlen sich die Bauern auch als Sündenbock abgestempelt. Rufer kritisiert, es würden bewusst Falschaussagen gemacht: So werde etwa behauptet, die Schweizer Landwirtschaft brauche mehr Pestizide als im umliegenden Ausland. Das aber stimme nicht.

Tatsächlich kamen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Es sei schwierig einzuschätzen, wie gut die Schweizer Landwirtschaft im Vergleich zum Ausland dastehe, sagt Daniela Hoffmann, Landwirtschaftsexpertin bei der Umweltschutzorganisation WWF. «Das spielt letztlich aber auch keine Rolle: Wenn wir die Auswirkungen des Pestizid-Einsatzes anschauen, sehen wir, dass nicht alles rosig ist.»

Hoffmann verweist auf Studien des Wasserforschungsinstituts Eawag und des Bundes, wonach viele Bäche und Flüsse mit Pestiziden belastet sind. «Wenn der Bauernverband das Problem jetzt anerkennt, ist das gut», sagt Hoffmann. «Nun braucht es aber auch die Bereitschaft, Lösungen zu erarbeiten – und nicht nur PR-Veranstaltungen abzuhalten.»

WWF fordert Verbot von besonders gefährlichen Substanzen

Umweltverbände pochen schon lange auf Massnahmen. Den 2017 lancierten Aktionsplan des Bundes bezeichnet Hoffmann als ersten Schritt. Allerdings werde darin teilweise nur gefordert, dass eingehalten werde, was rechtlich bereits vorgegeben sei. «Das ist noch keine besondere Leistung», kritisiert sie. Der WWF verlangt, dass der Bund die umweltfreundliche Produktion nach Bio- oder IP-Richtlinien stärker fördert. Zudem müssten besonders gefährliche Substanzen sofort aus dem Verkehr gezogen werden.

Ob die Trinkwasser- und die Anti-Pestizid-Initiativen in einem Abstimmungskampf von den grossen Umweltschutzorganisationen unterstützt würden, ist offen. Beim WWF heisst es, man begrüsse die Volksbegehren. Die Parolen würden aber erst gefasst, wenn die Initiativen zur Abstimmung kämen. Das dürfte frühestens 2020 der Fall sein. Der Bauernverband hat also noch eine Weile Zeit, um seinen guten Willen zu beweisen.

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