Bekannte Schweizer Epidemiologen appellieren an die Universitäten weltweit: Ergreift Massnahmen, um das Corona-Virus einzudämmen

Wissenschafter aus der Schweiz rufen die Universitäten rund um den Globus dazu auf, den Lehrbetrieb einzuschränken oder online durchzuführen. Es müsse dringend jetzt gehandelt werden, schreiben sie in einem offenen Brief an die Uni-Leitungen.

Maja Briner
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In den grossen Hörsälen treffen viele Studierende aufeinander - wie hier an der Hochschule St. Gallen (Symbolbild).

In den grossen Hörsälen treffen viele Studierende aufeinander - wie hier an der Hochschule St. Gallen (Symbolbild).

Keystone/Christian Beutler

Es sind deutliche, warnende Worte von bekannten Epidemiologen: In einem offenen Brief rufen Christian Althaus von der Uni Bern, Marcel Salathé von der ETH Lausanne und drei weitere Wissenschafter die Universitäten weltweit dazu auf, das Corona-Virus ernst zu nehmen - und Massnahmen zu ergreifen.

Im auf Englisch abgefassten Brief an die Adresse der Unileitungen heisst es: «We thus urge you to take action now, and limit or prevent dense assembly on your campuses.» Auf Deutsch: «Wir fordern Sie dringend auf, jetzt Massnahmen zu ergreifen, und dichte Ansammlungen auf Ihrem Campus zu begrenzen oder zu verhindern.»

Die fünf Wissenschafter warnen: Aufgrund epidemiologischer Modelle und Erfahrungen mit früheren Pandemien müsse man stark davon ausgehen, dass «grosse Teile der Bevölkerung» sich infizieren könnten - sofern keine scharfen Massnahmen ergriffen würden. Und: Es sei besser, früh zu handeln als spät, «weil die Situation mit jedem Tag besorgniserregender wird». 

Uni als Virus-Schleuder

Die meisten Studierenden sind jung und gesund, für sie ist das Virus in der Regel nicht gefährlich. Doch sie könnten es weiterverbreiten. Die Wissenschafter schreiben, Universitäten seien normalerweise ein «wunderbarer Ort für viele enge Interaktionen», entlang derer sich Wissen und Ideen verbreiten. Nur: Dadurch könne auch das Virus weiter übertragen werden.

Das gelte es zu verhindern. Die Ausbreitung des Virus müsse so lange wie möglich und so stark wie möglich gebremst werden. Dadurch könne das Gesundheitssystem geschont und Zeit gewonnen werden, um Behandlungen und Impfungen zu entwickeln.

Unterschrieben ist der Brief von Marcel Salathé, Christian Althaus, Jacques Fellay, Richard Neher und Emma Hodcroft.

Das Ziel: Leben retten

Auf konkrete Empfehlungen verzichten sie. Sie verweisen stattdessen darauf, dass weltbekannte Universitäten bereits Massnahmen ergriffen haben. An diesen könne man sich orientieren, heisst es sinngemäss im offenen Brief.

Und sie erwähnen die Möglichkeit von Online-Vorlesungen. Das bringe zwar gewisse Unannehmlichkeiten mit sich, insgesamt seien die Kosten aber relativ tief. Gleichzeitig könne der Entscheid, nicht Hunderte oder Tausende Leute zu versammeln, potenziell Transmissionen verhindern - und so Leben retten.

Einzelne Schweizer Unis haben Einschränkungen erlassen. Die Uni Bern beispielsweise führt Lehrveranstaltungen und Vorlesungen in Hörsälen mit über 250 Plätzen nicht mehr durch. An der EPFL in Lausanne finden Vorlesungen mit mehr als 150 Studierenden nur noch online statt.

Noch weiter geht die renommierte US-Universität Harvard: Sie hat entschieden, dass alle Vorlesungen online durchgeführt werden. Die Studenten wurden aufgefordert, nach der Semesterpause nicht mehr auf den Campus zurückzukehren. 

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