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Bereit für einen Ausrutscher von Karin Keller-Sutter: Zwei FDP-Bundesratskandidaten in Lauerstellung

Christian Amsler und Hans Wicki wollen Bundesrat werden – Kronfavoritin ist aber Karin Keller-Sutter. Weshalb sie trotzdem kandidieren: eine Geschichte über Türen und Züge, Roosevelt und Konfuzius.
Doris Kleck
Karin Keller-Sutter mit Christian Amsler und Hans Wicki anlässlich der FDP-Roadshow in Muttenz. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Karin Keller-Sutter mit Christian Amsler und Hans Wicki anlässlich der FDP-Roadshow in Muttenz. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ausgerechnet ein Bundesrat sprach es besonders deutlich aus. «Liebe Karin, meine Ambition ist es, dir einen geordneten Stall zu übergeben», sagte Johann Schneider-Ammann vor Monatsfrist an der Olma-Eröffnung in St. Gallen. Gemeint war FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter, die im Publikum sass. Der abtretende Bundesrat sprach so, als sei seine Parteikollegin «KKS» bereits als seine Nachfolgerin gewählt. Zu reden gab die Aussage nicht. Weshalb auch? Heute kann sich kaum jemand vorstellen, dass Keller-Sutter am 5. Dezember nicht in die Landesregierung gewählt wird. Sie gilt als ideale Kandidatin. Seit der Wahl von Doris Leuthard 2006 gab es keine Kandidatur mehr, die derart unbestritten war. Leuthard war damals die einzige offizielle Kandidatin der CVP. Die Wahl also eher eine Krönung denn eine Ausmarchung. Bei KKS wird dies aller Voraussicht nach anders sein: Am Freitag legt die FDP-Fraktion ihre Wahlstrategie fest. Es ist davon auszugehen, dass sie mindestens zwei Kandidaten auf das Ticket hieven wird.

Der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler und der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki sind so gesehen Glücksfälle für die FDP. Sie sorgen dafür, dass die Partei der Bundesversammlung eine Auswahl präsentieren kann. Neben Keller-Sutter können sie aber nur verlieren. Weshalb machen die Mitbewerber bei dieser Alibiübung überhaupt mit?

Ein Brett so dick wie eine Eiche

Falsche Frage, finden beide. Wer so frage, muss ein «Brett vor dem Kopf haben, das dicker ist, als ein Eichenstamm im Randenwald», sagt Amsler. Der Randen ist ein Juraausläufer und gehört zu Schaffhausen wie der Rhein und der Munot. In das Büro des Erziehungsdirektors in der Schaffhauser Altstadt kann jeder reinspazieren: kein Empfang, kein Vorzimmerherr. Die Türe des Regierungsrats ist meist offen (ausser das Schild an der Türe weist auf Dreharbeiten von Fernsehteams hin). Offene Türen sind ihm wichtig. Er will greifbar sein für Mitarbeiter und Bürger. Und Amsler will Bundesrat werden. Diese Idee verfolgt er schon lange, wenn auch nicht «fanatisch», wie er sagt. Konkret seit seinem 18. Lebensjahr, als er an einer Gemeindeversammlung ein flammendes Votum gegen eine Glasfabrik gehalten hat. Die Leute hätten «Bauklötze gestaunt», erzählt Amsler. Sie hätten ihm gesagt: «Du wirst einmal Bundesrat.»

«Bundesrat», sagt der 54-Jährige, «ist ein super Job. Was gibt es Besseres, als an Lösungen für das Land mitzuarbeiten?» Die Frage ist natürlich rhetorisch. Amsler gibt unumwunden zu: Er wäre gerne ein «Landesvater» à la Willi Ritschard. Er sei gerne bei den Menschen, gehe auf sie zu. Und mit einer Grösse von 1,96 Meter nehme er Raum ein: «So lange Politiker gibt es nicht viele.» Amsler war Gemeindepräsident, Kantonsrat und ist nun seit neun Jahren Regierungsrat.

Als Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren machte er sich wegen der Diskussionen um den Lehrplan 21 auch national einen Namen. Amsler ist überzeugt, dass er den richtigen Rucksack für die Landesregierung mitbringt. Erschwerend sei, dass er nicht im Bundeshaus politisiere. Vor allem aber «stimmt bei Karin Keller-Sutter alles», sagt er. «Zu 100 Prozent.» Trotzdem seien Bundesratswahlen unberechenbar. Entscheidend sei der Tag der Wahl und nicht die Wochen zuvor: «Eine Person wird dann von der Bundesversammlung durch die Türe gestossen», sinniert Amsler. Und wenn nicht er es sein werde, dann nehme er es sportlich und richte seinen Blick wieder nach Schaffhausen.

Der einstige US-Präsident Theodore Roosevelt wird ihm dabei helfen: «Tu was du kannst, mit dem was du hast, dort wo du bist», heisst es auf einem Bild in seinem Büro. «Andere Männer in meinem Alter kaufen sich eine Harley Davidson», sagte Amsler im Interview mit den «Schaffhauser Nachrichten». «Ich stelle mich der Bundesratskandidatur.» Alles nur ein Spiel? Mitnichten. Amsler will mindestens Zweiter werden; den Sprung aufs Kandidatenticket schaffen. Seine Taktik: Er will mit seinem politischen Profil punkten. Böse Zungen lästern, der Schaffhauser habe ein typisches CVP-Profil. Er sagt: «Ich vertrete konsensfähige Mittepositionen und hebe mich deutlich von Karin und Hans ab.» Finanz- und Steuerpolitik seien wichtig, doch auch Engagement für Bildung, Familie, Jugend, Umwelt und Kultur gehöre zum Freisinn: «Das Ticket soll die Breite der Partei zeigen», sagt er.

«Wettbewerb bringt uns Wohlstand»

Eine Stunde später im «Au Premier» am Zürcher Hauptbahnhof sitzt Hans Wicki. Er repräsentiere andere Anspruchsgruppen als Karin Keller-Sutter, sagt der Ständerat: die Männer und die Zentralschweiz. Die Bundesversammlung habe eine Auswahl verdient: «Wettbewerb bringt uns Wohlstand.» Und weiter: «Aufgrund meiner Führungs- und Lebenserfahrung darf ich nicht als Alibikandidat taxiert werden.» Auch Hans Wicki war Gemeindepräsident, Regierungsrat und ist nun seit drei Jahren Ständerat. Zwar ist er bis anhin in Bern nicht aufgefallen, doch gegenüber Amsler ist er im Vorteil. Zudem hat er Führungserfahrung in der Privatwirtschaft gesammelt. In anderen Jahren wäre das ein aussichtsreiches Kandidatenprofil. Doch eben, die Konkurrenz ist die Über-Politikerin Karin Keller-Sutter. «Mich reizt die Herausforderung, Unmögliches möglich zu machen. Nur wer etwas riskiert, kommt auch weiter», sagt der 54-jährige Familienvater. Er unterschätzte die Ausgangslage nicht: «Aber meine Zeit kommt noch!»

Wicki hält sich wie Amsler an das Naturgesetz, dass es bei Bundesratswahlen eben kein Naturgesetz gibt. Sie sprechen beide von einer «Dynamik», die plötzlich entstehen könnte. Zum Beispiel, wenn bei der Ersatzwahl für Doris Leuthard bereits eine Frau gewählt würde – und die Bundesversammlung in der Folge für die Nachfolge von Schneider-Ammann doch lieber einen Mann hätte. Oder dass etwas «losgetreten» wird. Das ist die schöne Beschreibung für das Risiko, dass im Keller von Karin Keller-Sutter noch eine Leiche gefunden werden könnte. Es gibt die Geschichte vom mittlerweile verstorbenen Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger. Er war 2011 Kronfavorit, ehe kurz vor der Bundesratswahl publik wurde, dass er ein Erbe erschlichen hat. Die SVP-Spitze musste einen neuen Kandidaten hervorzaubern, die Rückeroberung des zweiten Bundesratssitzes scheiterte kläglich.

Für Wicki wäre es ein unerträgliches Szenario, dass er aus Angst vor einer übermächtigen Kandidatin auf eine Kandidatur verzichtet und dann mitansehen muss, wie einfach der Bundesratssitz zu ergattern gewesen wäre. «Mutlosigkeit ist schlimmer, als bei der Bundesratswahl Zweiter zu werden.»

Nur nicht in eine Sackgasse

Und ja, mutig sei er, das habe er mehrfach bewiesen. Etwa als er seinen Topjob in der Wirtschaft aufgab, um Regierungsrat zu werden. «Ich habe mein Leben nicht geplant. Jedes Mal, wenn ein Zug vor mir hält, schaue ich, ob ich einsteigen soll oder nicht.» Und jetzt hält der Bundesratszug. Wichtig sei es, offen zu sein. Und sicher zu sein, dass der Zug nicht in eine Sackgasse führe.

Zweiter zu werden wäre für Wicki so gesehen kein Problem: «Ich habe nichts zu verlieren. Aber ich kann mein Profil schärfen, bekannter werden und so können sich neue Türen öffnen.» Er erinnert mit diesen Aussagen an Jean-François Rime. Der Freiburger SVP-Nationalrat kandidierte zweimal in aussichtsloser Situation für den Bundesrat. Zweimal scheiterte er. Von Alibikandidaturen mag aber auch er nicht reden. Gegenüber Radio SRF betonte Rime, ohne die Kandidatur wäre er heute nicht Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Als erster Romand überhaupt. Die Möglichkeit einer Niederlage gegen KKS hat Wicki analysiert. Tragisch wäre das nicht. Denn der Nidwaldner sagt auch Sätze wie: «Ich bin glücklich und habe einen coolen Job.» Er hält es mit Konfuzius: «Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.» Etwas könnte Wicki aber nur schwer verdauen: «Wenn mich die Fraktion nicht auf das Ticket setzt, wäre ich enttäuscht. Ich wäre sehr gespannt auf die Begründung der Fraktion.»

Der Nidwaldner Standesvertreter will mindestens Zweiter werden – wie der Schaffhauser Regierungsrat.

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