BERGE: Hitze erhöht Gefahr von Steinschlägen

Bei heissem Wetter ist das Wandern in der Höhe besonders attraktiv. Doch weil wegen der Hitze der Permafrost auftaut, steigt die Gefahr von Steinschlägen.

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Leser der Neuen Luzerner Zeitung wandern ebenfalls gerne und senden Bilder von Ihren Ausflügen: «Welch ein herrlicher Spätsommertag! Erlebt auf dem Weg von der Engstlenalp zur Tannalp. Im Hintergrund der Titlis» (Bild: Leserbild Niklaus Rohrer)

Leser der Neuen Luzerner Zeitung wandern ebenfalls gerne und senden Bilder von Ihren Ausflügen: «Welch ein herrlicher Spätsommertag! Erlebt auf dem Weg von der Engstlenalp zur Tannalp. Im Hintergrund der Titlis» (Bild: Leserbild Niklaus Rohrer)

Permafrost ist Boden, welcher das ganze Jahr über gefroren ist. Er ist relativ stabil - solange er nicht auftaut. «Schmilzt der Permafrost, gibt es meist grössere Felsabbrüche», sagte Ueli Mosimann von der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) am Montag auf Anfrage.

Seit Juni habe es in der Schweiz sechs grössere Abgänge gegeben - meist an abgelegenen Orten . «Es kann aber auch Routen tangieren», sagte Mosimann.

Am vergangenen Freitag kam ein Ehepaar aus Genf beim Bergsteigen wegen eines Steinschlags am Col des Planeureuses oberhalb von Orsières VS ums Leben. Die Walliser Kantonspolizei warnte daraufhin in ihrer Medienmitteilung, wegen der Hitze könne es vermehrt zu Steinschlägen kommen.

Mosimann empfiehlt Bergsteigern und -wanderern, sich vor einer Tour vor Ort über die Steinschlaggefahr zu erkundigen, etwa bei lokalen Tourismusorganisationen. Offizielle Berg- und Wanderwege würden gesperrt, wenn Steinschlaggefahr besteht, sagt Mosimann. «An diese Anordnungen sollte man sich halten.»

Kühlt es während ein oder zwei Tagen ab, sei die Gefahr noch nicht gebannt, warnt Mosimann. Auch am frühen Morgen, wenn es noch kühler ist, sei das Risiko zwar etwas kleiner, aber es bestehe dennoch.

Absturz ist die grösste Gefahr

Die Gefahr, beim Wandern von abbröckelnden Steinen oder Felsen erschlagen zu werden, ist vergleichsweise klein. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) verunglückten in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 243 Menschen in der Schweiz beim Wandern oder Bergwandern tödlich; die grosse Mehrheit (206 Menschen) war abgestürzt. Zehn Personen kamen durch Steinschlag ums Leben.

Dieses Jahr gab es bisher 22 tödliche Unfälle beim Bergwandern und Wandern, keiner davon wurde durch Steinschlag verursacht, wie es bei der bfu auf Anfrage hiess. 14 Menschen starben beim Bergsteigen, davon drei durch Steinschlag.

Noch mehr Menschen verletzen sich jährlich bei Unfällen. «Ein Grossteil dieser Unfälle liesse sich vermeiden, wenn Planung, Einschätzung, Ausrüstung und Kontrolle mehr Beachtung erhielten, heisst es auf der Webseite der Kampagne »Bergwandern - aber sicher«. Diese zeigt auf, worauf man achten muss, bevor man loswandert.

Hinweis: Tipps für eine sichere Wanderung »

Die Wanderwege in der Schweiz in Zahlen und Farben

Gelbe Raute, weiss-rot-weisse oder weiss-blau-weisse Markierung: Diese Farben und Zeichen kennzeichnen die Wander- und Bergwege in der Schweiz und in Liechtenstein. Von den rund 65'000 Kilometern Wanderwegen im Land befinden sich rund 45'000 in der Deutschschweiz und 20'840 in der Romandie und im Tessin.

Die Farben entsprechen den Schwierigkeitsgraden. Gelb markierte Wege sind oft breit. Wird es steil, werden Stufen angelegt, und besteht ein Absturzrisiko, wird ein Geländer montiert, wie es beim Dachverband Schweizer Wanderwege heisst.

Bergwanderwege sind mit weiss-rot-weissen Markierungen versehen. Sie führen teilweise durch schwieriges Gelände und sind in einigen Fällen steil, eng oder ausgesetzt. Besonders schwierige Passagen sind mit Ketten oder Halteseilen versehen.

Wer auf diesen Wegen unterwegs ist, muss trittsicher, schwindelfrei und in guter physischer Verfassung sein. Bergschuhe sind unverzichtbar, ebenso wie eine der Witterung angepasste Ausrüstung und Landkarten für die Orientierung.

Weiss-blau-weiss markiert schliesslich sind Alpinwanderwege. Sie können über wegloses Gelände, Schneefelder, Gletscher oder auch über Geröll führen. Wer sie benutzt, muss auch auf kurze Klettereien gefasst sein. Hilfskonstruktionen wie Seile oder Stufen sind nicht garantiert. Dieser Gefahren müssen sich die Benutzer bewusst sein.

Wer einen Alpinwanderweg benutzen will, sollte sich erkundigen, ob Hilfsmittel wie Kompass, Pickel, Seil oder Steigeisen nötig sind.

In der Schweiz und in Liechtenstein gibt es insgesamt rund 65'000 Kilometer Wanderwege. Graubünden alleine hat mit 11'109 die meisten Wegkilometer vor Bern mit 9876 und dem Wallis mit 8481 Kilometern.

Die Berner Wanderwege ist von der Zahl der Mitglieder her gesehen die grösste Kantonalorganisation. 12'304 Personen unterstützen sie. Den zweiten Platz belegt Zürcher Wanderwege mit 6684 Mitgliedern.

sda