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BERGSTRECKE: Erobern Ostschweizer den Gotthard?

Die Südostbahn hat beim Bundesamt für Verkehr ein Betriebskonzept für die alte Gotthardstrecke eingereicht. Dieses kommt gut an – besonders im Kanton Uri.
Christian Peter Meier
Das Highlight der Bergstrecke: der Blick aus dem Zug auf die Kirche von Wassen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Das Highlight der Bergstrecke: der Blick aus dem Zug auf die Kirche von Wassen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Christian Peter Meier

Geht es nach den Plänen der SBB, soll die historische Gotthard-Bergstrecke künftig eine Art Anhängsel der Neuen Alpentransversale (Neat) sein: Wer sie als Passagier nutzen will, um etwa nos­talgisch via Kehrtunnel vom Norden in den Süden zu reisen, muss nicht nur mehr Zeit investieren, sondern auch einen logistischen Extraaufwand in Kauf nehmen – und in Erstfeld umsteigen. Bei Tourismusexperten und auch bei Vertretern der betroffenen Kantone kommen diese Pläne nicht sonderlich gut an.

Eine in diesem Kontext attraktiv wirkende Alternative zu den SBB-Plänen bietet nun die Schweizerische Südostbahn AG (SOB). Wie dieser Tage bereits vermeldet (Ausgabe vom Montag), hat die SOB dem Bundesamt für Verkehr Alternativkonzepte für den wirtschaft­lichen Betrieb zweier sogenannter Korridore vorgelegt. Eines davon betrifft eben die Gotthard-Bergstrecke, das andere sieht vor, den sogenannten Rheintal- Express aufzuwerten. Die Initiative der SOB steht im Zusammenhang mit der auf Ende 2017 anstehenden Erneuerung der Fernverkehrskonzession.

Betrieb soll rentieren

Gestern nun hat die Südostbahn ihre Pläne im Rahmen einer Medienorientierung konkretisiert.

Jener für den Gotthard sieht vor, Direktzüge von den urbanen Zentren Basel, Luzern, Zürich und Lugano auf die Bergstrecke zu schicken. Damit eliminiert die SOB den Mangel einer früheren Bewerbung, die 2014 vom Bundesamt für Verkehr abgelehnt worden war. Damals sah die SOB stündliche Verbindungen lediglich zwischen Arth-Goldau und Lugano vor. Und noch in einem Punkt wurde nachgebessert: Nun soll der Betrieb eigenwirtschaftlich sein. SOB-Chef Thomas Küchler versicherte gestern, dass sein Unternehmen von vielen Seiten – namentlich aus der Tourismusbranche – ermuntert worden sei, die Konzepte weiterzuentwickeln. «Wir haben ein kundenorientiertes und effizientes Angebot, eine touristische Lokomotive für die Gotthardregion», warb Küchler für das Konzept.

Projektleiter Andreas Meyer präzisierte die Idee und versicherte: «Wir erfinden eigentlich nichts Neues, sondern verknüpfen bestehende Produkte.» Damit bleibe die Gotthard-Bergstrecke in das nationale und das internationale Fernverkehrsnetz eingebettet.

Konkret umfasst der sogenannte Korridor Gotthard die eigentliche Bergstrecke Lugano–Arth-Goldau sowie die beiden Zulaufstrecken nach Zug–Zürich und nach Luzern–Olten–Basel. Das Konzept sieht letztlich – im Gegensatz zu den Plänen der SBB – die Weiterführung der heutigen Praxis vor: Alle zwei Stunden fährt ein direkter Zug von Basel via Luzern und Arth-Goldau nach Lugano. Fahrgäste aus Zürich können in Arth-Goldau zusteigen. In den Stunden dazwischen fährt der Zug von Zürich aus direkt ins Tessin. «Dies schafft wieder Direktverbindungen zum Beispiel von Basel in die Leventina oder vom Flughafen in Kloten nach Göschenen», illustrierte Meyer. Die SOB will Triebzüge der neusten Generation (wie man sie von S-Bahnen kennt) verkehren lassen – zu touristischen Stosszeiten bewusst mit Zugbegleitern.

Meyer versäumte es nicht, die SOB bei der touristischen Vermarktung von Zugstrecken als Expertin darzustellen: «Dank unseres Voralpen-Expresses haben wir in diesem Bereich langjährige Erfahrung.»

Aus dem Rheintal nach Zürich

Das zweite eingereichte Dossier betrifft den heutigen Rheintal-Express, der heute zwischen Chur und St. Gallen verkehrt. Die SOB möchte auch dieses Angebot von den SBB übernehmen und via Winterthur bis nach Zürich führen, was ebenfalls eigenwirtschaftlich funktionieren soll. Thomas Küchler: «Direkte und umsteigefreie Verbindungen zwischen der Agglomeration Zürich und dem St. Galler Rheintal bieten das Potenzial dazu.» Küchler ist optimistisch, dass die SOB den Rheintal-Express klar effizienter betreiben könne als die SBB, etwa weil sie für den Voralpen-Express, die Gotthardstrecke und das Rheintal Züge aus dem gleichen Fahrzeugpool einsetzen könne.

Begeisterung in Uri

Zurück zum Gotthard: Vor Ort kommen die SOB-Pläne gut an. So sagt Urban Camenzind, der Urner Volkswirtschaftsdirektor: «Das Konzept der SOB überzeugt mich. Es kommt unseren Vorstellungen, wie die Bergstrecke künftig zu nutzen ist, sehr nahe.» Nicht abschätzen könne er die Auswirkungen der SOB-Pläne auf das gesamte Fernnetz. «Für Uri sind sie auf alle Fälle gut – wer auch immer sie umsetzen sollte.» Camenzinds Begeisterung hat nicht zuletzt finanzielle Gründe: Denn die SOB positioniert den alten Bahnverlauf am Gotthard weiterhin als Fernverkehrstrecke, wodurch sich die Kantone Uri und Tessin auch künftig nicht finanziell daran beteiligen müssten.

Auch die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Schweiz ist «hoch erfreut über die von der SOB präsen­tierten kundenfreundlichen Konzepte für das Rheintal und insbesondere für die Gotthard-Bergstrecke». Ähnliches gilt für mehrere unabhängige Bahnexperten. So unterstützt zum Beispiel der Verkehrsplaner Paul Stopper, der geistige Vater der Zürcher Durchmesserlinie, das SOB-Konzept. Er lobt na­mentlich die geplante Anbindung der Bergstrecke an die urbanen Zentren. «Das ist essenziell, denn kaum ein Transitpassagier wird die Bergstrecke nutzen, wenn er dafür in Arth-Goldau und in Erstfeld umsteigen muss – so wie das die SBB vorsehen.» Ausserdem betont Stopper, dass der künftige Betreiber der Bergstrecke auch für die Bevölkerung vor Ort ein attraktives Angebot bereithalten müsse. «Ich empfehle darum, einige der stillgelegten Bahnhöfe entlang der Strecke zu reaktivieren – vor allem denjenigen von Wassen und jenen von Gurtnellen. Die dortige Infrastruktur steht noch, man müsste nur die Perrons erhöhen und behindertengerecht einrichten. Das ist mit einfachen Mitteln zu erreichen.» Genügend Haltemöglichkeiten brauche es im Übrigen nicht nur für die Bevölkerung vor Ort, sondern auch für die Touristen, wenn für sie die Bergstrecke als Monument erlebbar werden soll.

Hoher Kundennutzen als Ziel

Mit Blick auf die SBB werde Stopper das Gefühl nicht los, dass diese die Bergstrecke mit ihrem unattraktiven Betriebskonzept «abmurksen» wollen. «Das ist für mich umso unverständlicher, als die Bergstrecke auch als Überlauflinie weiter funktionieren sollte.» So sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Basistunnel wegen irgendeines Vorfalls ausfalle und die Bergstrecke wieder benötigt werde.

Und das Bundesamt für Verkehr (BAV)? Materiell nimmt es erwartungsgemäss keine Stellung zu den SOB-Plänen. Doch glaubt man zwischen den Zeilen ein gewisses Wohlwollen zu spüren, wenn das Amt schreibt: «Das BAV ist daran, die Neuvergabe der SBB-Fernverkehrskonzessionen zu planen. Im Rahmen dieser Arbeiten wird das BAV auch die Eingabe der SOB prüfen. Ziele sind ein möglichst hoher Kundennutzen und eine einvernehmliche Lösung mit allen interessierten und beteiligten Bahnen. Wenn es zum Erreichen dieses Ziels nötig sein sollte, werden wir prüfen, ob die Neuvergabe der Konzessionen um ein bis zwei Jahre verschoben werden soll.»

SBB nehmen Kampfansage der SOB zur Kenntnis

Gotthard Die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) will künftig die Gotthard-Bergstrecke und den Rheintal-Express betreiben. Im Hinblick auf die Ende 2017 anstehende Erneuerung der Fernverkehrskonzession hat sie neue Konzepte vorgelegt. Diese sind als direkte Kampfansage an die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zu werten.

Wie reagieren die SBB auf diesen Vorstoss der SOB? «Die Initiative der Schweizerischen Südostbahn nehmen wir zur Kenntnis. Die SBB kommentieren diese aber nicht», beantwortet Christian Ginsig, der stellvertretende Leiter Medienstelle, eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.

Die SBB ihrerseits planten für die Kundinnen und Kunden sowie für die Kantone auf der Gotthard-Bergstrecke ein attraktives Angebot, so Ginsig weiter. Zusätzlich zum Basisangebot mit dem Interregio (IR) Zürich/Basel–Erstfeld und dem Regioexpress (RE) Erstfeld–Lugano würden die SBB für einen attraktiven Freizeitverkehr in der Gotthardregion gezielt Verbindungen von Zürich bis nach Göschenen verlängern. «Ausserdem wird an Wochenenden in der Sommersaison ein Ausflugszug Wanderer und Velofahrer aus dem Raum Zürich/Zug in die Gotthard­region bis nach Bellinzona bringen», so Ginsig weiter.

SBB beantragen Verlängerung

Die touristischen Highlights der Gotthard-Bergstrecke werden ab 2017 mit dem neuen Gotthard-Panoramaexpress weltweit vermarktet.

Die SBB beantragen laut Ginsig eine Konzessionsverlängerung für das gesamte Fernverkehrsnetz inklusive Gotthard und Ostschweiz/Rheintal.

Roger Rüegger

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