Bericht zur Energiepolitik: Instrumente reichen nicht aus, um Klimavertrag einzuhalten

Die vorhandenen Instrumente der europäischen und schweizerischen Energiepolitik im Bereich der Mobilität reichen gemäss einem neuen Bericht bei weitem nicht aus, um die Ziele des Pariser Übereinkommens zu erreichen. Unter anderem seien massive Investitionen in den öffentlichen Verkehr notwendig.

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Demonstration gegen den Klimawandel in der Stadt Luzern

Demonstration gegen den Klimawandel in der Stadt Luzern

(sda)

Der am Mittwoch veröffentlichte Bericht «Dekarbonisierung der Mobilität» des europäischen Akademien-Verbundes (EASAC) wurde von 18 Forschenden unter der Leitung von Konstantinos Boulouchos, Professor für Energietechnik an der ETH Zürich und Präsident der Energiekommission der Akademien der Wissenschaften Schweiz, verfasst. Er fokussiert auf den Strassentransport, der in Europa 72 Prozent des Treibhausgas-Ausstosses des Verkehrs ausmacht.

Im Bericht werden Massnahmen auf drei Ebenen vorgeschlagen: Die Mobilität im Personen- und Güterbereich, die aktuell laufend zunimmt, soll auf die notwendigen Transporte eingeschränkt werden. Der konventionelle motorisierte Verkehr müsse auf effizientere Transportmittel wie den Schienen- oder den öffentlichen Verkehr umgelagert werden. Vor allem aber müsse das Design von Fahrzeugen energetisch optimiert, Antriebstechnologien müssten effizienter und fossile durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden.

Damit der Umbau des Verkehrssystems gelinge, müssten eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. So sei etwa der Umstieg auf effiziente Transportmodi ohne massive Investitionen in den öffentlichen Verkehr, insbesondere auf der Schiene, nicht denkbar. Parallel zur Elektrifizierung werde die Effizienzerhöhung konventioneller Antriebe in einer Übergangszeit von gut 20 Jahren einen wichtigen Beitrag leisten müssen.

Mehr Strom mit wenig CO2 nötig

Die Förderung der Elektromobilität müsse von einem schnellen Aufbau neuer Stromerzeugungskapazitäten mit sehr niedrigem CO2-Ausstoss begleitet werden.

Die Dekarbonisierung der Langstreckenmobilität werde die wichtigste Herausforderung in den nächsten 20 bis 30 Jahren sein und setze den Einsatz von synthetischen Treibstoffen wie Wasserstoff, Methan und Kerosin, mehrheitlich produziert aus erneuerbarer Elektrizität, voraus.

Die Nettowirkung der Digitalisierung zum Beispiel in Form selbstfahrender Autos auf umweltrelevante Indikatoren der Mobilität sei noch ungewiss und müsse kontinuierlich überprüft werden. Für die Beibehaltung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Mobilitätsindustrie würden geeignete Rahmenbedingungen und die frühe Förderung der Innovation seitens der Politik massgebend sein.

Chancen für die Schweiz

Durch eine gute Förderung von Innovationen ergäben sich für die Schweiz in diesem Wandel durchaus Chancen, heisst es weiter. Dies gelte insbesondere im Bereich der erneuerbaren synthetischen Treibstoffe, da die Schweizer Bevölkerung viel und weit fliege und in der Schweiz führende Technologieanbieter für die internationale Schifffahrt beherbergt seien.

Der Bericht zur «Dekarbonisierung der Mobilität» wurde von einer Arbeitsgruppe des EASAC Energie-Programms ausgearbeitet und von einem Begutachtungs-Prozess durch alle europäischen Akademien begleitet. Das Projekt wurde von den Akademien der Wissenschaften Schweiz finanziell mitunterstützt. Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien bei der Erarbeitung federführend gewesen. Der Bericht wird am Mittwoch in Brüssel und am 5. April in Bern vorgestellt.