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BERN: Auch Ueli Maurer vertraut ihm

Jörg Gasser (46) wird neuer Staatssekretär für internationale Finanzfragen. Nach langjährigen Einsätzen für das Rote Kreuz im Irak und in Pakistan bringt der Obwaldner viel Auslanderfahrung mit.
Jörg Gasser kommt aus einem «traditionellen, sehr politischen CVP-Milieu». (Bild: Roger Grütter/ Neue LZ)

Jörg Gasser kommt aus einem «traditionellen, sehr politischen CVP-Milieu». (Bild: Roger Grütter/ Neue LZ)

Dominik Weingartner

Wenn die Rede auf Eveline Widmer-Schlumpf kommt, gerät Jörg Gasser ins Schwärmen. Die ehemalige BDP-Bundesrätin ist eine langjährige Wegbegleiterin des 46-jährigen Bundesangestellten. Ab 2008 und bis zu ihrem Rücktritt im letzten Herbst hat er mit Widmer-Schlumpf sehr eng zusammengearbeitet. Gasser war unter ihr zunächst Generalsekretär im Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und ab 2012 in gleicher Funktion im Finanzdepartement (EFD) tätig. «Es war eine sehr intensive und sehr gute Beziehung», sagt er über seine Zeit an der Seite von Widmer-Schlumpf. Eine «ganz aussergewöhnliche Person» sei die Bündnerin. «Man findet in der Position Bundesrat wohl selten Personen, die inhaltlich so sattelfest und gleichzeitig auch sehr führungsstark sind wie Eveline Widmer-Schlumpf.»

Pikanter Chefwechsel

Dieses enge Verhältnis ist insofern pikant, als dass Gassers Chef seit Anfang Jahr Ueli Maurer heisst. Maurer war SVP-Präsident, als Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember 2007 anstelle von Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt wurde – was mit dem Parteiausschluss Widmer-Schlumpfs und der Gründung der BDP endete. Fürchtete Jörg Gasser also um seinen Job, als er erfuhr, dass Maurer das Finanzdepartement übernehmen würde? «Ich habe mir schon die Frage gestellt, inwiefern Bundesrat Maurer ein Interesse daran hat, mit mir weiterzuarbeiten», sagt er. Doch Maurer habe ihm schnell signalisiert, dass er keinen Grund sehe, die Zusammenarbeit zu beenden. Und so blieb Gasser Generalsekretär im EFD.

Diesen Job wird er allerdings nur noch bis Ende Juni behalten. Dann wird er Staatssekretär für internationale Finanzfragen (SIF). Es stellt sich die Frage, ob dies eher eine Beförderung ist oder doch eine Versetzung. «Eine Versetzung ist es sicher nicht», stellt Jörg Gasser klar. Wenn Maurer ihn loswerden möchte, würde er ihn nicht zum Staatssekretär machen, sagt er. Aber: «Eine Beförderung ist es insofern nicht, als dass es völlig verschiedene Aufgaben sind.» Der Generalsekretär wirke nach innen, der Staatssekretär nach aussen. Gesamthaft betrachtet sei der Generalsekretär aber wichtiger für den Bundesrat als ein Staatssekretär, so Gasser. Er bezeichnet die Zusammenarbeit mit Maurer aber ebenfalls als «sehr gut und harmonisch».

Wurzeln in Lungern

Jörg Gasser stammt aus Lungern im Kanton Obwalden. Sein Vater, ein Architekt, führt zusammen mit Gassers Mutter ein KMU, dass sich auf die Restaurierung von alten Gebäuden, vor allem Kirchen, spezialisiert hat. «Es war ein traditionelles CVP-Milieu, sehr politisch», sagt Gasser. Aber gleichzeitig auch sehr weltoffen. Von den Kindern habe man erwartet, dass sie die Zeitung lesen.

Als Jörg Gasser noch ein Kind war, zog seine Familie nach Luzern. Die Primarschule besuchte er in Emmen. Die Matura schloss er wiederum in der Obwaldner Exklave Engelberg ab. Bis 1996 studierte Gasser an der Universität Zürich Volkswirtschaft und internationale Beziehungen.

Direkt nach dem Studium heuerte er beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an. «Schon während des Gymnasiums habe ich mich für den Nahen Osten interessiert», sagt Gasser. Und so habe er während des Studiums Arabisch gelernt. Die Semesterferien nutzte er, um diese Sprachkenntnisse im arabischen Raum zu vertiefen. Er reiste unter anderem nach Ägypten und Syrien. Die Arabischkenntnisse seien für seine Tätigkeit beim IKRK wichtig gewesen, weil er in seiner Funktion Gespräche mit Gefangenen führen musste.

Heikle Einsätze

Die Arbeit beim IKRK führte ihn unter anderem nach Pakistan, von wo aus er für die IKRK-Delegation in Afghanistan tätig war. Seit 1979 sei das IKRK in Afghanistan präsent gewesen und habe auch gute Kontakte zur Bevölkerung gepflegt. «Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und der darauffolgenden Invasion der Amerikaner in Afghanistan waren diese Kontakte weg», erzählt Gasser. Die Taliban hätten sich in die Berge im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zurückgezogen. Seine Aufgabe war es, die Kontakte zu diesen Menschen wiederherzustellen. «Das sind Leute, die man nicht jeden Tag trifft», so Gasser. Er erzählt, wie er einmal mit seinem Chef, einem Urner, ein Dorf besucht habe. Dort seien die Stammesältesten in der Runde gesessen und hätten den IKRK-Leuten ihren Ehrenkodex erklärt. «Dann sagte mein Chef, dass wir auch Stammesleute, auch Bergler seien wie sie. Wir verstünden sie sehr gut. Damit war das Eis gebrochen.»

Eine sehr intensive Zeit hat Jörg Gasser auch im Irak erlebt. Dort war er nach der Invasion der Amerikaner im Jahr 2003 ab 2005 stationiert. «2003 gab es einen Anschlag auf die IKRK-Delegation in Bagdad», sagt er. Da habe die Organisation realisiert, dass sie die Zugänge zu den vielen verschiedenen Rebellengruppen verloren hatte, die sich nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein gebildet hatten. «Einer unserer Aufträge war es, das Netzwerk wieder aufzubauen», so Gasser. Zu seinen Aufgaben zählte auch, die 30 000 zivil Internierten zu betreuen. «Das waren riesige Internierungslager in der Wüste.»

Angst habe er während seiner Zeit beim IKRK nicht gehabt. Seine Familie hingegen schon. «Das Risiko war kalkuliert, die Einsätze jeweils minutiös geplant», sagt Gasser. Doch: «Eine Situation wie im Sommer 2005 in Bagdad möchte ich nicht noch mal erleben. Damals wurden Ausländer entführt und umgebracht. Das war schon sehr heikel.»

Gasser ist Vater einer 14-jährigen Tochter. Mit seiner Frau habe er abgemacht, dass er seine Tätigkeit beim IKRK aufgebe, sobald die Tochter eingeschult wird. 2008 war es so weit. Und sogleich hat er eine Anstellung beim Bund gefunden.

Anpassung an EU-Gesetze

«Der internationale Bezug, den ich beim IKRK hatte, hat mir als Generalsekretär etwas gefehlt», sagt Gasser. Als Staatssekretär habe er den jetzt wieder. Ihn reizt an der neuen Aufgabe, dass er die verschiedensten Anspruchsgruppen unter einen Hut bringen muss. «Da sind die Öffentlichkeit, das Parlament, die Banken und die Versicherungen sowie das internationale Umfeld.» Man habe im Finanzbereich in den letzten Jahren schon viel erreicht, so Gasser. «Wir haben eine Basis gelegt, auf der sich der Finanzplatz entwickeln kann.»

Lange sei man in einer reaktiven Phase gewesen. «Es gab Druck aus dem Ausland, und wir mussten rasch Gesetzesänderungen vornehmen», sagt er. Das Bankgeheimnis ist schliesslich gefallen. «Jetzt müssen wir in die proaktive Phase wechseln», findet Gasser. Dabei sieht er vor allem zwei Hauptfelder: die Umsetzung des automatischen Informationsaustausches und der Marktzugang für Banken und Versicherungen zum EU-Markt. «Das ist die logische Fortsetzung der bisherigen Politik», so Gasser. Beim Marktzugang in die EU geht es in erster Linie darum, die Gesetze so anzupassen, dass dies auch möglich sein wird. «Wenn wir das erreicht haben, ist ein grosser Schritt getan», glaubt Gasser.

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