BERN: Buchautor zweifelt Bindung von Gurlitt zu Bern an

Der deutsche Journalist und Buchautor Maurice Philip Remy zweifelt daran, dass es Cornelius Gurlitts Idee war, sein Erbe dem Berner Kunstmuseum zu vermachen.

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Ein Autor zweifelt an der Verbindung von Gurlitt zum Kunstmuseum in Bern. Im Bild: Die deutsche Kulturministerin Monika Grütters und Berns Kunstmuseumspräsident Christoph Schäublin (Zweiter von rechts). (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

Ein Autor zweifelt an der Verbindung von Gurlitt zum Kunstmuseum in Bern. Im Bild: Die deutsche Kulturministerin Monika Grütters und Berns Kunstmuseumspräsident Christoph Schäublin (Zweiter von rechts). (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

«Irgendwer muss ihm das gesteckt haben», sagte Remy in einem am Samstag erschienenen Interview mit der Zeitung «Der Bund». Remy ist Autor des Buchs «Gurlitt - die wahre Geschichte», das im Juni 2016 erscheinen soll. Bis dahin sollte gerichtlich geklärt sein, ob die wertvolle Sammlung tatsächlich dem Kunstmuseum gehört, wie Gurlitt es im Testament verfügte oder seinen Verwandten, wie dies seine Cousine einfordert.
 
Das Buch sei fertig, aber er wolle nicht, dass es herauskomme, bevor der Erbstreit entschieden sei. «Es soll nicht als Teil einer Prozessstrategie diffamiert werden.» Remy geht davon aus, dass Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentsabfassung keinen freien Willen mehr gehabt habe.
 
«Das haben offensichtlich ein paar Leute für ihre Interessen ausgenutzt.» Als Gurlitt schwer krank im Spital gelegen sei, habe ihn Ingeborg Berggreen-Merkel, die Leiterin der Taskforce, besucht und ihm nahegelegt, sein Erbe einer Stiftung zu vermachen.«Aber woher wusste Gurlitt, dass das Kunstmuseum eine Stiftung ist?» fragt sich Remy.
 
Dies wüssten nur Insider, weil das Museum in der Öffentlichkeit nicht als Stiftung auftrete. Aus Gurlitts hinterlassenen Papieren gehe nicht hervor, dass er zu Bern eine spezielle Bindung gehabt habe.
 
Zum letzten Mal sei Gurlitt wohl 1988 in Bern gewesen. Dann habe er den Kunsthändler Eberhard Kornfeld getroffen. «In Gurlitts Agenda stand, dass er im Münster und in der Altstadt war. Von einem Besuch im Kunstmuseum kein Wort.»
 
Dass das Berner Kunstmuseum von Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war, war auch für die Museumsverantwortlichen eine Überraschung. Gurlitt und das Museum hätten vorher nie irgendwelche Beziehungen gepflegt, hielt das Kunstmuseum bereits im Mai 2014 fest. Die Nachricht über das Erbe sei «wie ein Blitz aus heiterem Himmel» gekommen.

Gurlitt-Taskforce mit bescheidener Bilanz

Nach monatelangen Abklärungen entschied sich das Museum im November 2014, das Erbe anzunehmen. Der Entscheid des Oberlandesgerichts München zum Testament wird in den nächsten Wochen erwartet.
 
Im Januar hatte in Deutschland die Gurlitt-Taskforce ihre Arbeit beendet. Sie hatte während zweier Jahre das heikle Erbe des Münchner Eigenbrötlers unter die Lupe genommen.
 
Sie sollte klären, ob die rund 1500 Kunstwerke, die Gurlitt jahrelang in München und Salzburg geheim hielt, tatsächlich ihm gehörten oder teilweise aus einstigem jüdischen Besitz stammten. Die Bilanz der Taskforce fiel aber bescheiden aus.
 
Nur bei 11 von 499 raubkunstverdächtigen Werken konnte die Herkunft lückenlos geklärt werden. Lediglich in fünf Fällen liess sich eindeutig NS-Unrecht nachweisen. Zwei der Bilder - Max Liebermanns «Zwei Reiter am Strand» und die «Sitzende Frau» von Henri Matisse - wurden inzwischen an die rechtmässigen Erben zurückerstattet.

sda