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BERN: Der Mythos von der «Nacht der langen Messer»

Die damaligen Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP), Philipp Müller (FDP), Christophe Darbellay (CVP) und Christian Levrat (SP) vor der Bundesratswahl 2015 in der Eingangshalle des Hotels Bellevue Palace. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 15. Dezember 2015))

Die damaligen Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP), Philipp Müller (FDP), Christophe Darbellay (CVP) und Christian Levrat (SP) vor der Bundesratswahl 2015 in der Eingangshalle des Hotels Bellevue Palace. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 15. Dezember 2015))

Heute Abend strömen sie wieder ins Bellevue Palace, in dieses 5-Fünf-Sterne-Luxushotel neben dem Bundeshaus Ost: Politiker, Journalisten und alle anderen, die das Gefühl haben, bei der «Nacht der langen Messer» dabei sein zu müssen. Dabei dürfte die Nacht ihrem Mythos erneut nicht gerecht werden. Gemäss diesem treffen sich im schummrigen Licht der «Bellevue»-Bar Parlamentarier zu konspirativen Gesprächen, bei denen Geheimpläne für die Bundesratswahl am Folgetag gesponnen werden. In der Realität bilden das Gedränge in der Lobby und die Fernsehscheinwerfer keinen günstigen Rahmen für solche Treffen. Zudem deutet wenig bis nichts darauf hin, dass Ignazio Cassis noch abgefangen oder gar eine wilde Kandidatur lanciert werden könnte.

Die Geschehnisse von 1983, mit denen die Bezeichnung «Nacht der langen Messer» Eingang in die hiesige Politberichterstattung fand, dürften sich also nicht wiederholen. Es ging damals um die Nachfolge des verstorbenen SP-Bundesrats Willi Ritschard. Offizielle Kandidatin der Sozialdemokraten war die Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen. Gewählt wurde dann aber bereits im ersten Wahlgang der Solothurner Otto Stich, der am Vortag aus den Reihen der FDP kontaktiert worden war.

«Meist geht es ganz einfach darum, gesehen zu werden»

Der Ursprung des Begriffs liegt in England, wo ein Massaker an keltischen Adeligen im fünften Jahrhundert als «Verrat der langen Messer» in die Geschichte einging. In Deutschland wird die Bezeichnung mit dem «Röhm-Putsch» von 1934 in Verbindung gebracht, als Adolf Hitler die Führungsriege der Sturmabteilung (SA) ermorden liess. In jüngerer Zeit stand sie für gänzlich unblutige, politische Ereignisse.

In der Schweiz stieg die letzte «Nacht der langen Messer», die diesen Namen verdient, im Dezember 2007. In den Tagen vor der Gesamterneuerungswahl der Landesregierung hatte die SP mit den Mitteparteien eine Geheimoperation zur Nicht-Wiederwahl von SVP-Bundesrat Christoph Blocher aufgegleist. «In der Nacht vor der Wahl ging es dann noch darum, einzelne unentschlossene Parlamentarier, etwa welsche Freisinnige, gezielt anzusprechen», erinnert sich einer der Drahtzieher, der damalige SP-Nationalrat Andrea Hämmerle. Der Bündner lag in besagter Nacht gesundheitlich angeschlagen im Bett, im «Bellevue» mussten die Mitstreiter Überzeugungsarbeit leisten. Schliesslich gelang der Coup mit der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf.

Absprachen habe es auch im Jahr darauf gegeben, so Hämmerle. Es ging um die Nachfolge von Samuel Schmid. Um ein Haar wäre statt Ueli Maurer der Sprengkandidat Hansjörg Walter zum SVP-Bundesrat gewählt worden. Dem Thurgauer fehlte nur eine Stimme. Ansonsten habe er die «Nacht der langen Messer» in seinen 20 Jahren als Parlamentarier eher als «Folklore» wahrgenommen, sagt Hämmerle: «Meist geht es nicht um viel, sondern ganz einfach darum, gesehen zu werden.»

Tobias Bär

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