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BERN: Diese Kandidaten kommen für die Nachfolge von Schneider-Ammann und Leuthard in Frage

Parteipräsident Gerhard Pfister, der aussichtsreichste Nachfolger von Bundesrätin Doris Leuthard, hat sich selber aus dem Rennen genommen. Umso mehr dürfen nun andere Kandidaten hoffen.
Eva Novak und Fabian Fellmann
Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard werden von der Vereinigten Bundesversammlung zu ihrer Wahl zum Bundespräsidenten respektive zur Vizepräsidentin des Bundesrats für das Jahr 2016 geehrt. (Bild: Lukas Lehmann/Keystone (Bern, 9. Dezember 2015))

Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard werden von der Vereinigten Bundesversammlung zu ihrer Wahl zum Bundespräsidenten respektive zur Vizepräsidentin des Bundesrats für das Jahr 2016 geehrt. (Bild: Lukas Lehmann/Keystone (Bern, 9. Dezember 2015))

Eva Novak und Fabian Fellmann

Wenn Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard dem Bundesrat den Rücken kehren, treten Karin Keller-Sutter und Gerhard Pfister ihr Erbe an: Monatelang nannten Politauguren die Variante mit der St. Galler FDP-Ständerats­präsidentin und dem Zuger CVP-Präsidenten als die wahrscheinlichste. Nun werden die Karten neu gemischt, nachdem sich Pfister überraschend aus dem Rennen genommen hat. «Ich werde mich nicht als Kandidat zur Verfügung stellen», erklärte Pfister am Samstag der «Neuen Zürcher Zeitung».

Das freut die übrigen CVP-Papabili, schliesslich sind damit ihre Chancen auf das höchste Regierungsamt im Land signifikant gestiegen. Konkret zu eigenen Ambitionen äussern wollte sich am Samstag niemand unter den zahlreichen möglichen Anwärterinnen und Anwärtern. Zu gross sind die Unwägbarkeiten, zu sehr hängen ihre Aussichten vom Zeitpunkt ab, in dem Leuthard und Schneider-­Ammann aus der Landesregierung ausscheiden – beziehungsweise ob sie dies gleichzeitig oder nacheinander tun. Bei einer Doppelvakanz können die Ansprüche all jener, die derzeit untervertreten sind, besser berücksichtigt werden. Konkret jene der Regionen – und vor ­allem der Frauen.

CVP-Frauen streben zwei Kandidaturen an

Diese hatten zwar 2010/11 kurzzeitig sogar die Mehrheit im Bundesrat, doch nach Leuthards Ausscheiden verbliebe nur noch Justizministerin Simonetta Sommaruga, um die Frauenfahne hochzuhalten. Entsprechend gross wird der Druck der Frauen sein. Tritt die Verkehrsministerin zuerst und alleine zurück, wird dies vor allem die CVP spüren, was im Endeffekt die Chancen der freisinnigen Favoritin Karin Keller-Sutter schmälert. Umgekehrt hat sie die Nase vorn, wenn der Wirtschaftsminister als Erster geht.

Die CVP-Frauen jedenfalls haben bereits vor einem Jahr von Pfister den Auftrag gefasst, nach einer Nachfolgerin für Doris Leuthard Ausschau zu halten. Man sei daran, es gebe mehrere Kandidatinnen, versichert Präsidentin Babette Sigg Frank, will aber keine Namen nennen, um «Doris Leuthard nicht unter Druck zu setzen». Immerhin verrät sie die Strategie, die ein rein weibliches Zweierticket zum Ziel habe: «Wir wollen zwei Kandidatinnen und eine Bundesrätin.»

Eine heisse Anwärterin für ein solches Ticket ist Vize-Fraktionspräsidentin Viola Amherd. Die 55-jährige Juristin stammt allerdings weder aus der Zentral- noch aus der Ostschweiz, sondern aus dem Wallis. Anders Andrea Gmür: Die Luzernerin hat mit 54 Jahren nicht nur das richtige Alter, sondern auch die richtige Herkunft. Ihr grösstes Handicap ist, dass sie erst seit zweieinhalb Jahren in Bern politisiert. Das ist immerhin länger als die Zürcher Baudirektorin Silvia Steiner, deren Name ebenfalls hie und da genannt wird und die mit 60 Jahren ein Jahr älter ist als die einzige potenzielle Kandidatin aus der Ostschweiz, die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli-Koller.

Nimmt man die Herkunft zum Massstab und sucht nach Männern, kommt eine noch längere Liste zusammen. In der Zentralschweiz führt diese der Luzerner Ständerat Konrad Graber (59) an, der zusammen mit seinem gleichaltrigen Solothurner Ratskollegen Pirmin Bischof seit Jahren als möglicher Nachfolger von Doris Leuthard gehandelt wird. Allerdings hat sich Graber mit seinem Einsatz für die Altersreform 2020 erbitterte Feinde in der rechten Ratshälfte geschaffen – und er verärgerte unlängst die Frauen, indem er ver­hinderte, dass der Ständerat den ­Unternehmen Analysen zum Thema Lohngleichheit vorschrieb.

Exekutiverfahrung vorzuweisen hat der ehemalige Zuger Finanzdirektor und heutige Ständerat Peter Hegglin. Der 57-jährige Meisterlandwirt sitzt jedoch erst seit den letzten Wahlen im eidgenössischen Parlament. Nicht minder va­lable Kandidaten finden sich in der Ostschweiz. Am häufigsten genannt wird der frühere Bündner Regierungsrat und heutige Ständerat Stefan Engler. Wegen seiner ungeklärten Rolle im Bündner Bauskandal ist der 57-Jährige allerdings zurzeit angeschlagen.

Gleiches gilt für Bauernpräsident und St. Galler Nationalrat Markus Ritter: Der 51-Jährige hat sich wegen des Freihandelsabkommens mit südamerikanischen Staaten mit dem Wirtschaftsminister angelegt, was nicht überall gleich gut angekommen ist. Gute Chancen werden schliesslich dem St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth eingeräumt. Der 50-Jährige ist zwar nicht Mitglied des eidgenössischen Parlaments, aber als Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen auch über die Grenzen seines Kantons hinaus aus­nehmend gut vernetzt.

Ständerat Filippo Lombardi, der jahrelang als heisser Kandidat gehandelt worden war, dürfte dies mit gemischten Gefühlen beobachten. Seit der Wahl von Ignazio Cassis sind die Chancen des mittlerweile 61-jährigen Tessiners, als zweiter Vertreter des Südkantons in den Bundesrat einzuziehen, gegen null gesunken. Statt sich selber um das Amt zu bewerben, wird er sich als CVP-Fraktionschef auf die Rolle des «Tätschmeisters» beschränken müssen.

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