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BERN: Ein Teamplayer bringt Ruhe in die Armee

Der neue Schweizer Armeechef, seit 100 Tagen im Amt, ist kein Freund grosser Worte und Gesten. Soldaten und Politiker danken es ihm.
Archivbild: Chef der Schweizer Armee, Philippe Rebord. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Archivbild: Chef der Schweizer Armee, Philippe Rebord. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ruhe in die Armee

«Der Chef ist derjenige, der die anderen braucht»: So umreisst Philippe Rebord, was er unter Führung versteht. Es ist kein Zufall, dass der Chef der Armee dieses Zitat des französischen Dichters und Lyrikers Paul Valéry gewählt hat, um sich gestern nach 100 Amtstagen den Medien zu präsentieren. Denn es zeigt: Der Gebieter über zurzeit 160000 und künftig immerhin noch 100000 Soldaten ist ein ­Teamplayer. Damit grenzt er sich von Vorgänger André Blattmann ab, der als ausgeprägter Selbstdarsteller galt.

Die Unterschiede sind auch sonst augenfällig. Während sich Blattmann gerne mit Ja-Sagern umgab, und Kritiker entweder links liegen liess oder in die Wüste schickte, kann Rebord offensichtlich besser mit abweichenden Meinungen umgehen. Er bekundet auch nicht die Absicht, von den Untergebenen Kadavergehorsam einzufordern. Das wird deutlich, als ihn ein Journalist darauf anspricht, dass Blattmann einst sämt- liche höheren Stabsoffiziere dazu drängte, sich per Unterschrift zur Armeereform zu bekennen. «Übungen dieser Art» werde er nicht inszenieren, erklärt Rebord trocken.

Man muss gut hinschauen, um zu merken, wie für den Bruchteil einer Sekunde der Schalk in seinen Augen aufblitzt. Doch geändert hat der Stil, nicht der Inhalt. Als sein wichtigstes Ziel bezeichnet der oberste Soldat die Umsetzung der «Weiterentwicklung der Armee» – der vom Vorgänger entworfenen und gegen linken, rechten und internen Widerstand verteidigten Reform. Dazu brauche er ausreichend Rekruten und ab 2020 mehr Geld, sagt Rebord, womit er kein Geheimnis verrät. Doch wie viel Geld genau? Das will er genauso wenig preisgeben wie sein Rezept, mit dem er die Abwanderung der Jungen in den Zivildienst stoppen will.

Die Antworten auf solch heikle Fragen überlässt der Mann, der einst Geschichte, Geografie und Französisch studierte, der Politik. Was deren Vertreter selbstverständlich goutieren: Sicherheitspolitiker erteilen dem neuen Chef der Armee durchwegs gute Noten – sofern sie sich überhaupt in der Lage fühlen, ein Urteil abzugeben. Denn Rebord hält es mit den Parlamentariern wie mit den Journalisten: Er zeigt sich nicht als Freund grosser Worte und Gesten. Entsprechend wird er als fachlich sattelfest, aber zurückhaltend wahrgenommen.

Zum Wohl der Armee, wie jene sagen, die dem Neuen zutrauen, zur Entspannung innerhalb der Truppen beizutragen. Nach drei Monaten unter neuer Führung wirkt die Stimmung da tatsächlich deutlich gelöster als auch schon. Als sei nach bewegten Jahren endlich Ruhe eingekehrt, wie es ein altgedienter Sicherheitspolitiker formuliert.

Die Medienschaffenden hingegen vermag er mit der frohen Botschaft nicht zu begeistern. Die Westschweizer tragen ihrem Compatriote nach, dass er den grössten Teil der Medienkonferenz auf Deutsch radebrecht. Die Deutschweizer wissen diese Bemühungen nicht zu schätzen und hätten es gerne konkreter. Und alle bedauern, dass der neue Armeechef keine News zu bieten hat. Sondern nur Ruhe, gewürzt mit einer Prise Humor.

Eva Novak

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