BERN: Erneut sehr hohe Stimmbeteiligung

Rund 56 Prozent der Stimmberechtigten haben sich am Wochenende zu den vier eidgenössischen Vorlagen geäussert. Das sind etwa so viele wie bei der Abstimmung über die Zuwanderungsinitiative im Februar.

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56 Prozent der Schweizer gingen am Sonntag an die Urne. (Bild: Keystone)

56 Prozent der Schweizer gingen am Sonntag an die Urne. (Bild: Keystone)

Vermochte im Februar die SVP-Initiative zu mobilisieren, so war dieses Mal «das Gemisch aus verschiedenen Vorlagen verantwortlich für die überdurchschnittliche Mobilisierung», erklärte Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern im Schweizer Fernsehen SRF. Bei den Umfragen Ende April hatten lediglich 50 Prozent der Befragten angegeben, abstimmen gehen zu wollen.

Im Schlussspurt vor der Abstimmung vermochte das rechte Lager mehr zu mobilisieren als das linke. Dies zeigt laut Longchamp das Ja zur Pädophilen-Initiative, das etwas höher als erwartet ausgefallen ist, und das deutliche Nein zur Mindestlohn-Initiative. Für einen Mehrheitenwechsel beim Gripen habe es aber nicht ausgereicht.

Die Stimmbeteiligung ist wiederum ein Top-Wert und etwa so hoch wie bei der ersten Kampfflugzeug-Abstimmung «Stop F/A18» im Jahr 1993. Damals lag die Stimmbeteiligung bei 55,6 Prozent.

Die durchschnittliche Stimmbeteiligung liegt seit Einführung des Frauenstimmrechts 1971 bei knapp 43 Prozent. Für dessen Einführung stimmten 58 Prozent der stimmberechtigten Männer.

Die Abstimmung vom Wochenende ist die dritte in Folge mit einer überdurchschnittlich hohen Stimmbeteiligung. Im vergangenen November äusserten sich rund 53 Prozent der Stimmberechtigten zur 1:12-Initiative der JUSO, der Familieninitiative der SVP und zur Erhöhung des Preises der Autobahnvignette. Im Februar mobilisierte die Zuwanderungsinitiative der SVP knapp 56 Prozent.

Die bislang höchste Stimmbeteiligung von 79 Prozent wurde im Jahr 1992 errechnet, als es um den EWR-Beitritt der Schweiz ging. Im Juni 2005 beteiligten sich 57 Prozent an der Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum. Gleichzeitig wurde damals über eingetragene Partnerschaften abgestimmt.

Eine historisch tiefe Beteiligung von rund 27 Prozent gab es im November 2012 beim Referendum gegen das Tierseuchengesetz.

Unter den Kantonen schwang wie immer Schaffhausen obenaus, wo ein faktischer Stimmzwang herrscht. Dort beteiligten sich am Wochenende rund 70 Prozent am eidgenössischen Urnengang. In den Kantonen Zug und Nidwalden gingen je rund 63 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne. Die tiefste Beteiligung registrierten Appenzell Innerrhoden und Glarus mit je rund 51 Prozent.

sda