BERN: Im Stöckli steigt die Temperatur

Im Ständeratssaal sei es zu kalt, kritisieren mehrere Kantonsvertreterinnen. Jetzt versprechen die Parlamentsdienste Verbesserungen.

Kari Kälin
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Im Ständerat ist es oft zu kalt (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Im Ständerat ist es oft zu kalt (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Sie komme sich vor wie ein Pferd in einem Stall. «Sobald ich mich hinsetze, lege ich eine kleine Decke über meine Beine», sagte Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP) gegenüber der Zeitung «Le matin dimanche». Keller-Sutter ist nicht die einzige Standesherrin, die in der Herbstsession im Stöckli fror. «Es zieht, alle spüren das. Wir haben kalt», ärgert sich Géraldine Savary (SP, Waadt). Einige Ständerätinnen seien sogar krank geworden. «Die Klage über die Temperatur ist nicht neu, ich habe dafür vollstes Verständnis», sagt Anita Fetz (SP, Basel-Stadt), die seit zehn Jahren in der Kleinen Kammer politisiert. Sie selber leidet derzeit nicht unter dem Durchzug – weil sie vor einer schützenden Säule sitzt.

Im Winter wird es wärmer

Mehrere Ständerätinnen haben ihre Kritik über die klimatischen Bedingungen bei den Parlamentsdiensten deponiert. Und diese versprechen im Hinblick auf die Wintersession Verbesserungen. Die Heizung wird rechtzeitig so justiert, «damit die Innentemperatur bereits am ersten Sessionstag eine angemessene Höhe erreicht», sagt Martina Buol, Sekretärin des Ständerats und stellvertretende Sekretärin der Bundesversammlung. Diesen Beschluss hätten die Parlamentsdienste am Montag gefasst. Konkret könnte das bedeuten, dass die Temperatur auf 23 Grad steigt. Buol zeigt Verständnis für die Kritik der Standesvertreterinnen. «Selbstverständlich muss das Klima im Saals so sein, dass die politische Arbeit nicht beeinträchtigt wird.»

Auf welchen Wert das Quecksilber während der Herbstsession jeweils stieg, kann Buol nicht genau sagen. Klar ist, dass die Heizung, die zwei Etagen unter dem Ratssaal liegt, auf 23 Grad eingestellt ist. Da die Wärme noch oben transportiert werden muss, geht ein Teil davon verloren. Und auch die unterschiedlichen Aussentemperaturen sorgten während der Herbstsession im Saal für klimatische Schwankungen. Zudem, so Buol, sei es nicht einfach, die Temperatur in diesem historischen Gebäude zu regulieren.

Im 46-köpfigen Ständerat bilden die Frauen mit neun Vertreterinnen eine Minderheit. Zum Teil haben sie ihre männlichen Kollegen im Bemühen um einen wärmeren Ratssaal unterstützt. Er selber habe zwar nicht gefroren, sagt Joachim Eder (FDP, Zug). In der Herbstsession sei es aber merklich kühler gewesen als in der Sommersession. Das habe er dem Ständeratsweibel gemeldet, damit nicht nur Frauen auf das Problem hinweisen würden.

Graber kurierte Erkältung aus

Konrad Graber (CVP, Luzern) nahm die zweite Sessionswoche derweil verschnupft in Angriff. «Der Grund lag aber nicht im Klima des Stöckli.» Graber empfindet die Temperatur im Saal eher als zu warm – «vor allem, wenn hitzige Debatten geführt werden», fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Dass die Ständerätinnen auf Wolldecken zurückgreifen müssen, könnte womöglich am Ständeratsleuchter liegen. Früher dienten die mehr als 200 Glühbirnen als veritable Wärmequelle. Inzwischen sind sie durch Sparlampen ersetzt worden – die Energiewende kennt ihre ersten schlotternden Opfer.