BERN: Risiken von Pflanzenschutzmitteln sollen halbiert werden

Zum Schutz von Mensch und Umwelt sollen Bauern künftig weniger Pflanzenschutzmittel (PSM) einsetzen. Um dies zu erreichen, hat der Bundesrat am Mittwoch einen Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pestiziden verabschiedet.

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Symbolbild (Bild: Regina Kühne/Keystone)

Symbolbild (Bild: Regina Kühne/Keystone)

Die Risiken von Herbiziden und Fungiziden sollen halbiert und Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz gefördert werden. Konkret soll in den nächsten zehn Jahren die Anwendung von PSM mit besonderem Risikopotenzial um 30 Prozent reduziert werden. Die geplante Reduktion der PSM-Emissionen beträgt im selben Zeitraum 25 Prozent.

Insbesondere sollen weniger Pestizide in Gewässer und Böden gelangen. Hierzu werden rund 50 bereits bestehende Massnahmen ausgebaut und gleichzeitig neue eingeführt. "Wir sind auf gutem Weg, müssen aber noch weiter gehen", sagte Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), vor den Medien in Bern.

Ein vollständiger Verzicht auf PSM sei heute nicht möglich. Ohne Pflanzenschutz würde die schweizerische Landwirtschaft wesentlich weniger Lebensmittel produzieren. Auch die Qualität würde Einbussen erleiden.

Anreize und Information

Zu den bestehenden Massnahmen gehört die Förderung alternativer Pflanzenschutzmethoden wie die mechanische Unkrautbekämpfung. Mit den neuen Vorschriften soll nun etwa die Auswaschung von Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer reduziert werden.

Geplant sind zudem Begleitmassnahmen im Bereich der Bildung und Beratung. Landwirte sollen in Weiterbildungskursen regelmässig über den neusten Wissensstand zur Risikominderung informiert werden. Hinzu kommen Tools zur Datenanalyse vor Ort.

Gefordert sind aber nicht einzig die Bauern. "Alle Akteure stehen in der Pflicht", sagte Christian Leu, Leiter der Sektion Wasserqualität beim Bundesamts für Umwelt (BAFU). Verantwortung trügen auch die Hersteller von Pestiziden sowie die Detailhändler und Konsumenten.

Keine Lenkungsabgabe

Nicht im Aktionsplan enthalten ist die ursprünglich vom Bund vorgeschlagene Lenkungsabgabe für PSM, die im Vorfeld von der Industrie kritisiert worden war. Lenkungsabgaben würden in einem grösseren Zusammenhang bei der Diskussion zur Agrarpolitik 2022 wieder Thema sein, sagte BLW-Direktor Lehmann.

Auch keine direkte Erwähnung im Aktionsplan findet der umstrittene, aber in der Schweiz zugelassene Unkrautvernichter Glyphosat. "Mit den Direktzahlungen an Bauern, die einen herbizidarmen Einsatz von PSM verfolgen, wird das Mittel aber indirekt angesprochen", sagte BLW-Vizedirektorin Eva Reinhard. Die EU werde wohl im Oktober über den weiteren Umgang mit Glyphosat entscheiden.

Der Aktionsplan soll laufend an neue Erkenntnisse angepasst werden, hiess es weiter. Ausgebautes Monitoring werde die Wirksamkeit der umgesetzten Massnahmen aufzeigen. Ein erster Bericht ist in sechs Jahren geplant. (sda)