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BERN: Viele Flugreisende kennen ihre Rechte nicht

Technische Probleme, Naturkatastrophen oder Streik: Die Gründe für Flugverspätungen oder Annullierungen sind vielfältig. In nicht wenigen Fällen haben Passagiere von der Airline eine Entschädigung zugute.
Gestrandete Fluggäste am Flughafen: Ihre Flüge wurden gestrichen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Gestrandete Fluggäste am Flughafen: Ihre Flüge wurden gestrichen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Christian Hunkeler / sda

Allerdings sind unzufriedene Kunden mit ihren Forderungen nicht immer erfolgreich, weil Fluggesellschaften sich querstellen. So weigert sich manche Airline zu zahlen. Oder sie bietet nur eine viel kleinere Entschädigung an, als dem Passagier eigentlich zustehen würde.

Die Ansprüche der Passagiere bei Überbuchung, Annullation oder grosser Verspätung eines Fluges sind in der EU-Fluggastrechteverordnung festgehalten. Seit 2006 gilt diese auch in der Schweiz.

«Das Problem ist, dass viele Flugpassagiere gar keine Kenntnis von ihren Rechten haben», sagt Reto Ineichen, Rechtsanwalt und Dozent für Reiserecht an der Hochschule Luzern, der Nachrichtenagentur sda.

Fehler muss bei Airline liegen

Ist die Airline schuld an der Streichung eines Fluges, dann haben die Passagiere die Wahl zwischen einer anderweitigen Beförderung zum Reiseziel und der Vergütung des Ticketpreises. Zudem hat der Reisende Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten und Unterkunft.

Weiter ist bei gestrichenen Flügen eine Ausgleichszahlung vorgesehen. Das ist eine von der Distanz des Fluges abhängige Pauschale. Bei Kurzstrecken beispielsweise beträgt sie 250 Euro.

Wer wegen einer Überbuchung nicht mitfliegen kann, hat die gleichen Rechte wie bei der kurzfristigen Flugannullierung. Voraussetzung ist, dass der Passagier rechtzeitig am Flughafen erscheint und eincheckt.

Beträgt eine Verspätung mehr als fünf Stunden, so muss die Fluggesellschaft den Ticketpreises rückerstatten und gegebenenfalls einen kostenlosen Rückflug zum Abflugort anbieten. Zudem kann der Passagier eine Ausgleichsentschädigung verlangen, wenn die Verspätung mindestens drei Stunden beträgt.

Was gilt bei Streiks?

«Bezahlen muss die Fluggesellschaft aber nur, wenn sie für die Unregelmässigkeiten im Flugablauf verantwortlich ist», sagt Ineichen. Dies könne bei technischen Defekten der Fall sein. Auf Umstände wie Naturkatastrophen, schlechtes Wetter und je nachdem auch Streiks haben die Airlines keinen Einfluss. Deshalb sind sie in diesen Fällen auch nicht zu einer Zahlung von Entschädigungsleistungen verpflichtet.

Bei Streiks müsse jedoch differenziert werden, sagt Ineichen. Im konkreten Einzelfall müsse die Fluggesellschaft beweisen können, dass sie alle möglichen Massnahmen ergriffen hat, um einen Ausfall des Fluges zu verhindern. Bei einem Fluglotsenstreik sei dies aber kaum möglich, weil dieser nicht im Einflussbereich der Airline liegt.

Die EU-Verordnung gilt, wenn der Passagier von einem Flughafen in der EU oder der Schweiz abfliegt oder einer Airline aus der EU oder der Schweiz in der EU ankommt. Für die internationale Flugreisen ausserhalb Europas gilt das Montrealer Abkommen, das in den Detailbestimmungen vom EU-Recht abweicht.

Airlines ignorieren Kunden

«Viele Airlines sind nicht sehr kulant sind, wenn Kunden Entschädigungen fordern», sagt Ineichen. Reklamationen von zahlreichen Kundinnen und Kunden in der Sendung «Kassensturz» auf SRF und in Internetforen hätten gezeigt, dass viele Fluggesellschaften solche Forderungen schlichtweg ignorierten.

Wegen des Kostenvorschusses reiche auch kaum ein Passagier Klage beim Friedensgericht ein, besonders dann wenn er über keine Rechtsschutzversicherung verfüge. Sollte die Fluggesellschaft nach zweimaliger Reklamation nicht antworten, solle sich der Kunde beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) beschweren, schlägt Ineichen vor. Das BAZL ist die Aufsichtsbehörde und kann Airlines büssen, wenn diese sich nicht an die EU-Verordnung halten.

Gelange der Kunde dann noch immer nicht an sein Ziel, solle er den Rechtsweg beschreiten. «Die meisten Fluggesellschaften reagieren ziemlich schnell, wenn sie wissen, dass ein Kunde eine Klage eingereicht hat», sagt Ineichen.

Das sind die Rechte von Passagieren

Die Rechte von Passagieren bei Flugverspätung, Flugannullierung und Nichtbeförderung sind in der EU-Fluggastrechteverordnung festgehalten. Darin wird definiert und europaweit festgelegt, wann und in welcher Form Passagieren Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen durch die Fluggesellschaften zustehen. Seit 2006 gilt sie auch in der Schweiz.

Annullierung

Muss die Airline den Flug annullieren und liegt der Grund dafür in deren Verantwortungsbereich, haben die Passagiere die Wahl zwischen einer anderweitigen Beförderung zum Reiseziel und der Erstattung des Ticketpreises.

Hat die Airline die Annullierung zu verantworten, muss sie auch Mahlzeiten, Unterkunft (mit Transfer) und Telekommunikation zahlen. Nichts zu Gute haben Passagiere, wenn die Annullierung auf ausserordentliche Umstände zurückzuführen ist, die trotz zumutbarer Massnahmen nicht zu vermeiden waren (Wetter, Bombendrohung, technische Probleme aufgrund versteckter Fabrikationsmängel).

Wer das Ticket erstattet haben möchte und bereits auf einem Umsteigeflughafen ist, hat Anspruch auf einen Gratisrückflug.

Werden Betroffene weniger als zwei Wochen vor Abreise über die Flugannullierung informiert, haben sie zudem folgende Ausgleichszahlung zugute:

  • Bei einer Flugdistanz unter 1500 km: 125 Euro, falls die Ankunftszeit des neuen Flugs weniger als zwei Stunden hinter der planmässigen Ankunftszeit des ursprünglich gebuchten Fluges liegt, sonst 250 Euro.

  • Bei einer Flugdistanz von 1500 bis 3500 km: 200 Euro, falls die Ankunftszeit des neuen Kurses nicht mehr als drei Stunden hinter der planmässigen Ankunftszeit des ursprünglich gebuchten Fluges liegt, sonst 400 Euro.

  • Bei einer Flugdistanz ab 3500 km: 300 Euro, falls die Ankunftszeit des Alternativfluges nicht mehr als vier Stunden hinter der planmässigen Ankunftszeit des ursprünglich gebuchten Fluges liegt, sonst 600 Euro.

Überbuchung

Wer trotz Flugticket, rechtzeitigen Eincheckens und Erscheinens am Flughafen nicht mitfliegen kann, hat die gleichen Rechte wie bei der kurzfristigen Flugannullierung.

Verspätung

Die Fluggesellschaft muss bei einem Flug bis 1500 Kilometer für Mahlzeiten, Getränke und Telekommunikation sorgen sowie - wenn eine Übernachtung erforderlich ist - eine Unterkunft bereitstellen, falls die Verspätung zwei Stunden oder mehr dauert. Bei Strecken über 1500 km innerhalb der EU oder solchen zwischen 1500 und 3500 km ausserhalb der EU gilt die Regelung ab drei Stunden Verspätung, bei Flügen über 3500 km ausserhalb der EU ab vier Stunden.

Beträgt die Verspätung fünf Stunden oder mehr, dürfen Fluggäste den Ticketpreis zurückfordern. Wer schon auf einem Umsteigeflughafen ist, hat Anspruch auf einen kostenlosen Rückflug. Zudem kann man eine Ausgleichsentschädigung verlangen, wenn die Verspätung mindestens drei Stunden beträgt.

sda

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