BERN: Weniger direkte Züge ins Tessin: Bundesrätin Leuthard spottet über Luzerner Klagen

Kürzere Reisezeit ins Tessin, aber mehr Umsteigen: Luzerner Politiker kritisieren den neuen Fahrplan. Bundesrätin Doris Leuthard kontert mit Humor.

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Doris Leuthard spottet über Luzerner Klagen. (Bild: Screenshot Video)

Doris Leuthard spottet über Luzerner Klagen. (Bild: Screenshot Video)

Kari Kälin

kari.kaelin@luzernerzeitung.ch

Die Reisedauer hat sich zwar um eine halbe Stunde verkürzt. Doch seit dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember gibt es nur noch 7 anstatt 16 direkte Zugverbindungen von Luzern in den Kanton Tessin.

Luzerner Bundesparlamentarier haben gegen diesen Abbau protestiert, unter anderem Ständerat Damian Müller (FDP). Er wähnt Luzern auf dem Abstellgleis, für den Tourismus befürchtet Müller verheerende Folgen.

In der letzten Sessionswoche verlangte er eine Diskussion in der Kleinen Kammer. Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) nahm den Ball auf, schoss subtil zurück und nahm die Luzerner Beschwerden ziemlich aufs Korn. «Wir klagen schon auf hohem Niveau», meinte sie, als sie kurz vor Mittag auf ihrem iPhone feststellte, dass noch 16 Verbindungen von Luzern ins Tessin führen. Dass die Reise von Luzern nach Bellinzona eineinhalb Stunden daure, sei schon «eine Katastrophe».

Und das Umsteigen in Arth-Goldau? Hält die Bundespräsidentin für eine überwindbare Hürde. «Aber also, sorry, Sie steigen aus dem Zug aus, Sie laufen etwa zehn Meter über das Perron und steigen dann wieder ein. Oh!». Das sei keine wahnsinnige Zumutung.

Vielleicht befand sich Leuthard im Satire-Modus. Schliesslich war sie kurz vor dem Votum in der «chambre de réfléxion» zu Gast bei der letzten Sendung von Giaccobo/Müller. Bei den Standesvertretern sorgte die Aargauer Magistratin für Heiterkeit. Auch Damian Müller kann Leuthards Comedy-Einlage verkraften. Erstens liefen deren Worte nicht ohne Charme über die Lippen. Zweitens erhält Müller von der Bevölkerung massenhaft Zuspruch für sein Engagement. Und drittens kam Leuthard dem Luzerner FDP-Mann auch ein bisschen entgegen. Dass der erste Zug erst um 10.18 Uhr direkt ins Tessin fährt, findet auch Leuthard zu spät. «Das ist eine berechtigte Klage.»

Am gleichen Abend fand in Merenschwand die Feier für die frisch gekürte Bundespräsidenten statt. Prompt fädelte Leuthard ein kurzes Gespräch zwischen Damian Müller und dem dort ebenfalls anwesenden SBB-Chef Andreas Meyer ein. Meyer habe ein offenes Ohr für die Luzerner Anliegen gezeigt, sagt Müller. Anfang Jahr empfängt Meyer den Luzerner Ständerat zu einem weiteren Treffen. Müller wird für mehr direkte Züge kämpfen und hofft, dass die SBB diesen Wunsch mit dem Fahrplanwechsel 2018 umsetzen. Auch soll wenn möglich wieder ein Eurocity-Zug direkt von Luzern bis nach Mailand fahren.