BERN: Wo unser Volksvermögen liegt

Wo die Schweizerische Nationalbank ihr Geld investiert, will sie nicht verraten. Doch jetzt liegt eine Liste mit 2500 Firmen vor.

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So variantenreich ausgestaltet wie ihr Torbogen sind auch die Investitionen der Schweizerischen Nationalbank in Aktien. (Bild: Keystone / Gaetan Bally (Archiv))

So variantenreich ausgestaltet wie ihr Torbogen sind auch die Investitionen der Schweizerischen Nationalbank in Aktien. (Bild: Keystone / Gaetan Bally (Archiv))

bbp. 70 Milliarden Franken hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) weltweit in Aktien von mehreren tausend Firmen angelegt. Wo genau das Geld investiert ist, wird von den Währungshütern geheim gehalten. Doch jetzt wird bekannt, in welchen rund 2500 Firmen in Nordamerika Volksvermögen aus der Schweiz liegt.

Die von der US-Börsenaufsicht SEC im Internet veröffentlichte Liste liest sich wie ein Who is Who der amerikanischen Unternehmenswelt. Die grössten Konzerne General Electric, Exxon Mobil, AT&T, Wal-Mart und Chevron gehören ebenso zum Aktien-Portefeuille der Nationalbank wie die Pharmariesen Pfizer und Johnson & Johnson, oder die Technologie- und Internetfirmen Apple, Microsoft, Google, Facebook und Yahoo.

Die Nationalbank ist auch an den führenden Rüstungskonzernen Lockheed Martin, Boeing und General Dynamics beteiligt. Im Medienbereich hält die Nationalbank Aktien am Murdoch-Konzern News Corp, am Finanzinformationskonzern Thomson Reuters sowie an den Herausgebern von «New York Times» und «Washington Post». Im Finanzsektor sind zwar die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard unter den SNB-Beteiligungen, nicht aber die führenden Banken. Sie wurden von der Nationalbank bewusst ausgeschlossen, um Interessenkonflikte zu vermeiden, wie es bei der Notenbank hiess.

Nicht klar ist, wie die Nationalbank die Reputationsrisiken bei den Aktiengeschäften handhabt, und ob bei der Anlage auch ethische Kriterien zur Anwendung kommen. Auf Anfrage erinnert die SNB bloss an ihre Strategie, die Aktienanlagen passiv zu bewirtschaften, indem eine Kombination von Börsenindizes abgebildet werde. Das führt dazu, dass die SNB an zahlreichen Firmen beteiligt ist, die hierzulande kaum bekannt sind. So zum Beispiel Unternehmen, die Spielcasinos betreiben oder Wrestling-Schaukämpfe im Fernsehen vermarkten.