Berset, der Vielflieger

Es war der SP-Aktivist und ehemalige Berner SP-Grossrat Res Hofmann, der die Initiative ergriff. Er wollte wissen, welche Bundesräte noch heute wie oft per Helikopter von der Kaserne Bern abheben. Und bat einen SP-Kollegen, beim VBS die Zahlen für die Jahre 2017 und 2018 erheben zu lassen.

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Alain Berset spricht während einer Debatte im Ständerat. Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 12. Dezember 2018))

Alain Berset spricht während einer Debatte im Ständerat. Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 12. Dezember 2018))

Die Kaserne Bern liegt mitten im Breitenrain, einem rot-grünen In-Wohnquartier, aus dem Steff La Cheffe stammt und in dem besonders viele YB-Fans und Sozialdemokraten leben. Wie etwa die Berner SP-Regierungsrätin Evi Allemann. Sie hatte 2010 noch als Nationalrätin eine Interpellation eingereicht mit kritischen Fragen zu den Heliflügen mitten im Wohnquartier.

Kommission forderte weniger Flüge

2015 hatte die Quartierkommission «Dialog Nordquartier», dem auch der Breitenrain angehört, die Nase voll. Sie wandte sich mit einer schriftlichen Klage über den Fluglärm bei der Kaserne an die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (SP). Die bis zu 80 Flüge pro Jahr müssten drastisch reduziert werden, forderte die Kommission.

Sommaruga und mit ihr der damalige VBS-Vorsteher Ueli Maurer griffen dann durch. Maurer untersagte den Mitgliedern der VBS-Departementsleitung und der Armeespitze Start und Landung auf der Kasernenwiese. «Seit der Praxisänderung von 2015 fliegen keine VBS-Vertreter mehr von der Kaserne Bern, auch VBS-Chef Guy Parmelin nicht», sagt VBS-Sprecher Renato Kalbermatten. «Wir nehmen die Anliegen der Bevölkerung so weit möglich ernst.»

Dass das stimmt, wurde mit der Anfrage von SP-Aktivist Res Hofmann transparent. Das VBS stellte eine Liste jener Bundesräte zusammen, die 2017 und 2018 die Berner Kasernenwiese als Start- und Landeplatz für Heliflüge benutzt hatten. Dabei zeigte sich: Die drei Bundes­räte Sommaruga (SP), Maurer und Guy Parmelin (beide SVP) flogen gar nie ab Kasernenwiese. Doris Leuthard nutzte sie einmal 2017, Ignazio Cassis je einmal 2017 und 2018, Johann Schneider-Ammann 5-mal 2017 und 6-mal 2018. Als mit Abstand häufigster Heliflieger ab Kaserne Bern stellte sich SP-Bundesrat Alain Berset heraus. 8-mal flog er 2017, 11-mal bis zum 15. November 2018 als Bundespräsident. SP-Aktivist Hofmann gesteht ein, dass er sich das Resultat der Anfrage «nicht gerade so gewünscht» hätte. «Für Alain Berset sieht die Liste tatsächlich ein wenig ungünstig aus», sagt er. «Ich habe über die Partei verschiedene Kanäle in Gang gesetzt, damit man mit Bundesrat Berset spricht. Dann dürfte sich die Situation wieder einrenken.»

Berset sei «sehr häufig im In- und Ausland unterwegs»

Bei der Quartierkommission «Dialog Nordquartier» selbst legt man Wert auf die Feststellung, dass die aktuelle Anfrage beim VBS wegen der Heliflüge nicht von ihr ausgelöst wurde. «Simonetta Sommaruga und Ueli Maurer lösten 2015 unser Problem mit den Heliflügen», sagt Präsident Urs Frieden. «Die hundert Flüge pro Jahr wurden mehr als halbiert. Seither ist das Thema für uns vom Tisch und das Dossier geschlossen.» Bundesrat Alain Berset sei «sehr häufig im In- und Ausland unterwegs», sagt dazu sein Sprecher Peter Lauener. «Für seine Reisen wählt er jeweils das Verkehrsmittel, das am besten geeignet ist. Unter anderem auch den Helikopter.»