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BETREUUNG: Noch teurer als «Carlos»

Ein 12-jähriger Bub landet in einer psychiatrischen Klinik. Die Kosten sind enorm. Jetzt kritisiert die Mutter die Kesb.
Symbolbild (KESB). (Bild: LZ)

Symbolbild (KESB). (Bild: LZ)

Schon der Start ins Leben war schwierig. Seinen leiblichen Vater kennt der heute 12-jährige Bub aus Wettswil ZH nicht. Als Kleinkind zog er mit seiner Mutter von Weissrussland in die Schweiz. Er bekundete Mühe im Kindergarten, landete später in einer Sonderschule, einer Klinik und in einem Internat. Heute befindet sich der Bub in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Kliniken Basel. Seine Therapie kostet monatlich 43000 Franken – 14000 Franken mehr als das Sondersetting für den schweizweit bekannten Problemjugendlichen «Carlos».

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) setzte vor eineinhalb Jahren eine Beiständin ein. In der Zeitung «Schweiz am Wochenende» erhob die Mutter des 12-Jährigen gestern schwere Vorwürfe an die Adresse der Kesb. Ihr Kind sei eigentlich ganz normal, einfach sehr lebendig, sagt sie. Die verfügten Massnahmen seien schlecht für sie, ihr Kind und die Gesellschaft. Die Situation sei erst nach dem Scheitern der Sondersettings eskaliert. Die Mutter kämpft deshalb dafür, wieder selber über das Schicksal ihres Sohnes bestimmen zu können.

Die Kesb äussert sich nicht zur Kritik der Mutter. Die hohen Kosten bezeichnet die zuständige Kesb-Präsidentin Alexandra Zürcher als absolute Ausnahme. Das komme nur in Extremfällen vor, die jedoch im Promillebereich liegen würden.

Die Beiständin bemühte sich um eine günstigere Lösung. Dutzende Institutionen lehnten es aber ab, das Problemkind aufzunehmen. Dass es bald wieder mit seiner Mutter wohnen darf, ist unwahrscheinlich. Die Ärzte haben eine psychische Störung, ein gestörtes Sozialverhalten und eine gestörte Schulentwicklung festgestellt. Als der Bub noch die reguläre Schule besuchte, lief er jeden Tag aus der Klasse und bedrohte Jugendliche und Erwachsene. Der 12-Jährige ist überdies traumatisiert, unter anderem ­wegen Gewalterfahrungen. Der Partner der Mutter zum Beispiel glaubte, Schläge seien ein taugliches pädagogisches Rezept.

«Wenn ein Kind davonrennt und gar keine Bezugsperson mehr findet, die sein Verhalten steuern kann, hat man ein riesiges Problem», sagt der bekannte Jugendpsychologe Allan Guggenbühl. Als letztes Auffangbecken bleibe eine psychiatrische Klinik – mit entsprechenden Kosten . In vielen Ländern würden Kinder mit derartigen Problemen auf der Strasse oder im Gefängnis landen. In der Schweiz versuche man, diese Kinder wieder auf die richtige Bahn zu bringen. «Im Fall des 12-Jährigen herrscht aber offenbar die totale Ohnmacht», so Guggenbühl.

Kari Kälin

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