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BILDUNG: Google sucht in der Schweiz Testklassen

Der Technologiekonzern will Virtual Reality in den Schulalltag bringen. Er sucht in der Schweiz nach Probanden.
Dominik Buholzer
Google Cardboard: Die Brille besteht hauptsächlich aus Karton und macht sie deshalb für den Einsatz an Schulen interessant. (Bild Pius Amrein)

Google Cardboard: Die Brille besteht hauptsächlich aus Karton und macht sie deshalb für den Einsatz an Schulen interessant. (Bild Pius Amrein)

Dominik Buholzer

Es braucht nicht viel: Ein Tablet und eine App für den Lehrer sowie einige Kartonbrillen und Smartphones für die Schülerinnen und Schüler genügen, schon kann die Reise beginnen. Zum Beispiel zum Kernforschungszentrum Cern in Genf, in den Krüger-Nationalpark in Südafrika, auf die Galapagos-Inseln oder gar in den Weltraum – und dies, ohne dass die Kinder das Schulzimmer verlassen müssen. Möglich wird das mit einer Technologie namens «Virtual Reality»: Die Schüler tragen eine aus Karton gefertigte Brille, in die sie ihr Smartphone legen. Die Brille verdeckt den Blick auf die Aussenwelt und konzentriert ihn auf ein Smartphone, das als Bildschirm für Google Expedi­tions dient. Damit tauchen die Schüler in eine neue, virtuelle Welt ein.

Seit September 2015 testet Google den Einsatz von «Virtual Reality» an Schulen. Google Expeditions heisst das Projekt, und die Tests laufen vorerst an einzelnen Schulen in Nord- und Mittelamerika (USA, Kanada, Alaska, Hawaii und Mexiko) sowie Europa (Schweden, Irland). Nun soll die neue Unterrichtsmethode auch in der Schweiz Einzug halten. «Auch in der Schweiz können sich interessierte Schulklassen melden», sagt Programm-Manager Sven Tresp. Er ist jedoch sehr zuversichtlich, dass es schon bald losgehen kann: «Ich wüsste nicht, was den Tests im Wege stehen könnte», betont der Google-Manager.

Bilder von Street View

Google Expeditions funktioniert nach dem Motto «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte». Grundlage für die interaktiven Reisen bilden die Aufnahmen, die Google mit seinem Projekt Street View gewonnen hat. Street View ist ein Online-Dienst, der Strassen, Orte und Landschaften in einer 360-Grad-Ansicht darstellt. Für Google Expeditions werden die Bilder mit Informationen versehen und zu fünf- bis maximal zehnminütigen Unterrichtseinheiten zusammengestellt. Der Lehrer behält im Unterricht jederzeit die Kontrolle, darüber, wohin die Schüler sich in der virtuellen Welt bewegen. So kann er über sein Tablet die Schüler auf einen bestimmten Punkt lenken. Das System funktioniert auch ohne Internet-Anschluss.

Tablets steigern Spass am Lernen

Google versucht mit dem Projekt, einen Trend weiterzuführen: Mobile Computer erobern zunehmend die Schweizer Schulzimmer. Während viele Schulen bislang vorwiegend mit festen Computern oder Laptops arbeiteten, steigen mittlerweile immer mehr auf Tablets um. Eine breit angelegte Studie der Pädagogischen Hochschule Schwyz zeigt nun, dass Kinder deswegen nicht zu Gamern werden, wie vielfach befürchtet. Im Gegenteil: Tablets erhöhen laut ersten Ergebnissen über alle Klassenstufen hinweg den Spass am Lernen und die Motivation der Schüler sowie das selbstständige Lernen. So sind beispielsweise rund 69 Prozent der Schülerinnen und Schüler der 3./4. sowie der 5./6. Klasse der Ansicht, dass sie sich beim Arbeiten am Tablet oder Computer besser konzentrieren können. Und die Studie zeigt auch: Schüler, die Tablets im Unterricht benutzen, gamen zu Hause weniger oft als andere.

Neue Lernformen gesucht

Die Herausforderung besteht vor allem darin, didaktisch gut aufbereitete Inhalte für den Unterricht mit neuen Technologien zu kreieren, sagt Beat Zemp, Präsident des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. «13- bis 16-Jährige können sie heute nicht mehr mit einem Lückentext-Blatt zum Lernen motivieren», betont er. Aus diesem Grund begrüsst Zemp, wenn neue Lehr- und Lernformen getestet werden. «Ich will heute nicht ausschliessen, dass auch eine solche Datenbrille irgendwann mal im Schulunterricht eingesetzt wird. Entscheidend ist immer der didaktische Mehrwert gegenüber den heutigen Unterrichtsmitteln», betont er.

Ob Google Cardboard und Expedi­tions Schule machen wird, werden die Tests weltweit zeigen. Sven Tresp: «Wir wollen Feedbacks von 5000 Schulen. Dann entscheiden wir, ob wir das Projekt weiterverfolgen.»

«Heute sind die Voraussetzungen deutlich besser»

Marktpotenzial bu. VR oder Virtual Reality heisst das neue Zauberwort. Oder anders ausgedrückt: Wenn es nach dem Willen unzähliger Technologieunternehmen geht, wird VR das nächste grosse Ding, das unseren Alltag verändern wird. Die US-Bank Goldman Sachs geht davon aus, dass Virtual Reality spätestens 2025 grösser sein wird als der Fernsehmarkt. Laut den Analysten von Goldman Sachs wird die neue Technologie nicht nur bei den Videospielen ein ganz grosses Thema sein, sondern auch Unternehmen im Gesundheits-, Immobilien- und Maschinenbereich verändern.

Doch ist dem wirklich so? VR-Konzepte wurden in den vergangenen Jahren immer wieder als das grosse Ding der Zukunft angepriesen. Klappt es dieses Mal? «Am Ende wetten wir darauf, dass Virtual Reality eine wichtige Technologie wird. Ich bin ziemlich sicher, dass ich diese Wette gewinne. Was ich ehrlich nicht weiss, wie lang es dauern wird, bis dieses Ökosystem aufgebaut ist», meinte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im vergangenen März an einer Veranstaltung in Berlin.

Kostengünstiger, kompatibler

Zuckerberg liegt laut Luca Giuriato vom Forschungsinstitut GfK mit seiner Einschätzung nicht grundsätzlich falsch. «Heute sind die Voraussetzungen deutlich besser», sagt er. Die Technik werde zum einen immer besser und kostengünstiger und zum anderen immer kompatibler, weshalb sie vor allem für die Game-Industrie interessant werde. Aber nicht nur: So gebe es mittlerweile gute Softwarelösungen für Innenarchitekten.

Nichtsdestotrotz handelt es sich heute bei VR noch immer um einen Nischenmarkt. Dessen ist man sich auch bei Google bewusst. «Wir stehen mit der VR heute dort, wo das Handy 1980 war», sagt Isa Sonnenfeld, die Leiterin von Google News Lab für Deutschland, Österreich und die Schweiz. «Es ist die beste Zeit, mit der neuen Technologie zu experimentieren», betont Isa Sonnenfeld.

Hinweis

Weitere Informationen zum Google-Projekt gibt es auf www.google.com/edu/expeditions/

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