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BILDUNG: Ist die Matura zu einfach?

Viele Gymnasiasten schneiden in Mathematik und Deutsch schlecht ab. Lehrer monieren, dass sich ungenügende Noten allzu leicht kompensieren liessen. Sie fordern strengere Regeln.
Maturanden freuen sich über ihr Zeugnis in der Mehrzweckhalle in Sarnen. (Symbolbild Neue LZ)

Maturanden freuen sich über ihr Zeugnis in der Mehrzweckhalle in Sarnen. (Symbolbild Neue LZ)

Lukas Leuzinger

Klarere Vorgaben, was verlangt wird: Damit will die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) erreichen, dass die Gymnasiasten besser aufs Studium vorbereitet sind. Sie hat eine entsprechende Ergänzung des Rahmenlehrplans beschlossen (Ausgabe von gestern).

Darin sind die grundlegenden Kompetenzen aufgelistet, die Maturanden in Mathematik sowie in der Erstsprache (Deutsch in der Deutschschweiz, Französisch in der Westschweiz) beherrschen sollten. Hintergrund des Beschlusses sind die schlechten Leistungen vieler Schüler in diesen Fächern. In Mathematik etwa hat ein Viertel von ihnen eine Note unter 4 im Maturazeugnis stehen.

Zweifel an den Massnahmen

Hilft der Beschluss der EDK, diesen Anteil zu senken? Die Mathematiklehrer haben Zweifel. «Ich glaube nicht, dass diese Massnahme alleine zielführend ist», sagt Daniela Grawehr, Lehrerin an der Kantonsschule Kollegium Schwyz und Präsidentin der Deutschschwei­zerischen Mathematik-Kommission (DMK). Sie bezweifelt, dass die angestrebten Ziele von ausnahmslos allen Schülern erreicht werden können.

Daniela Grawehr sieht das Problem an einem anderen Ort: Dass angehende Studenten in Fächern wie Mathematik nicht einmal Grundkenntnisse mitbringen, liegt aus ihrer Sicht auch daran, dass sich ungenügende Noten an der Matura relativ leicht kompensieren lassen.

Doppelte Kompensation

Ähnlich sieht es Marc König, Präsident der Konferenz der Schweizerischen Gymnasialrektoren (KSGR). Er steht zwar hinter der Ergänzung des Rahmenlehrplans, den die EDK beschlossen hat. Doch auch er findet: «Es ist zu einfach, bei der Matura ungenügende Noten zu kompensieren.» Gemäss dem seit 1995 geltenden Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) muss eine ungenügende Note im Maturazeugnis in einem Fach mit Noten über 4 in anderen Fächern doppelt kompensiert werden (siehe Box).

Mathematik als Opfer der Effizienz

Bei den 13 Fächern, die für die Gesamtnote zählen, lässt sich aber selbst eine deutlich ungenügende Note ohne Probleme kompensieren, wenn man in den anderen Fächern einigermassen passable Leistungen erbringt. Genau das machen einige Gymnasiasten, sagt Daniela Grawehr von der DMK. «Die Schüler sind effizient geworden: Sie setzen ihre Energie in jenen Fächern ein, wo sie mit dem geringsten Aufwand eine gute Note erreichen.» Das sei meist nicht die Mathematik – diese werde entsprechend vernachlässigt.

19-Punkte-Regel

Um dies zu ändern, fordert die Deutschschweizerische Mathematik-Kommission zusätzlich zu den bestehenden Regeln die Einführung der sogenannten 19-Punkte-Regel: Um die Matura zu bestehen, müssen die Schüler in den fünf schwächsten Fächern zusammengezählt auf mindestens 19 Notenpunkte kommen. Damit wird es schwieriger, stark ungenügende Noten aufzufangen.

Die Kantone können in ihren Reglementen über das MAR hinausgehen, und einige tun das bereits.

Freiburg kennt weitere Regel

So kannte der Kanton Solothurn eine Zeit lang die 19-Punkte-Regel, schaffte sie dann allerdings wieder ab. Der Kanton Freiburg verlangt von den Gymnasiasten bei der Maturaprüfung, dass sie sowohl in der Erst- wie auch in der Zweitsprache und der Mathematik sowie im Schwerpunktfach zusammen auf einen Notenschnitt von mindestens 4 kommen.

Arbeitsgruppe prüft Änderung

Die Erziehungsdirektorenkonferenz kommt der Forderung der Mathelehrer nun entgegen: Sie lässt bis Ende Jahr eine Auslegeordnung erstellen, welche Regeln es in den Kantonen gibt. Darauf aufbauend soll eine Arbeitsgruppe prüfen, ob das heutige Reglement verschärft werden soll.

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