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BILDUNG: Kantone ziehen Schraube bei Matur an

Viele Gymnasiasten haben Mühe mit Mathematik oder der Sprache – zu viele, finden die Erziehungsdirektoren: Sie schreiben nun genauer fest, was Maturanden können müssen.
Lukas Leuzinger
Mathematik ist eines der Sorgenkinder unter den Schulfächern. (Symbolbild Getty)

Mathematik ist eines der Sorgenkinder unter den Schulfächern. (Symbolbild Getty)

Lukas Leuzinger

Wer die Matura bestanden hat, der darf an einer Schweizer Universität oder ETH studieren. Dieser Grundsatz gilt heute im Schweizer Hochschulbildungssystem. Eine Aufnahmeprüfung gibt es – ausser beim Medizinstudium – nicht.

Allerdings wurde in jüngerer Zeit vor allem von Seiten der Hochschulen Kritik laut, das Niveau der Matura sei zu tief. Tatsächlich gab eine landesweite Evaluation aus dem Jahr 2007 (neuere Erhebungen gibt es nicht) Anlass zu Bedenken. Demnach hatte knapp ein Viertel der Gymnasiasten eine ungenügende Mathematiknote in im Maturazeugnis. Betrachtet man nur die schriftliche Abschlussprüfung, waren sogar 41 Prozent der Maturanden ungenügend. Bei der Erstsprache (Deutsch in der Deutschschweiz, Französisch in der Westschweiz) schrieb jeder fünfte Schüler eine ungenügende Note. Durch die Matura fällt deswegen kaum jemand, weil ungenügende Noten durch genügende in anderen Fächern ausgeglichen werden können (sie müssen allerdings doppelt kompensiert werden). Doch reichen diese Mathematik- und Sprachkenntnisse für ein Studium an einer Hochschule?

Bruchrechnen und Text schreiben

Auch der Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) macht das Niveau der Maturanden in manchen Fächern Sorgen. Sie hat deshalb den seit 1994 bestehenden Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen ergänzt, wie sie gestern mitteilte. Das Papier, das als Grundlage für die kantonalen Lehrpläne dient, listet nun die Kompetenzen in Mathematik und Erstsprache genauer auf, die Maturanden bis zum Ende ihrer Mittelschulzeit erlangen sollen. Die Schüler sollen beispielsweise bruchrechnen können, den Satz des Pythagoras beherrschen oder «argumentativ schlüssige und angemessen verknüpfte Texte formulieren können».

Grundlage für die Ergänzungen ist eine Untersuchung des Erziehungswissenschaftlers Franz Eberle von der Universität Zürich. Eberle und sein Team befragten Studenten verschiedener Fachrichtungen und Universitäten dazu, welche Fähigkeiten in Mathematik und in der Erstsprache sie im ersten Studienjahr häufig brauchten. Darauf aufbauend erarbeiteten die Wissenschaftler einen Katalog von Kompetenzen, die «in vielen Studienrichtungen» vonnöten sind.

Im Gespräch mit unserer Zeitung betont Eberle, es gehe nicht darum, mehr Mathematiker und Germanisten hervorzubringen. «Wer eine ungenügende Note in Mathematik hat, wird wahrscheinlich nicht Mathematik studieren. Aber auch wenn er Psychologie studiert, braucht er gewisse mathematische Grundkenntnisse.» Das Gleiche gelte für die Sprache. Der Erziehungswissenschaftler ergänzt, dass die mathematischen Anforderungen in Studien der Sozialwissenschaften, aber auch in den Wirtschaftswissenschaften tendenziell zugenommen hätten. Eberle, der auch die Evaluation der gymnasialen Ausbildung durchgeführt hat, betont aber, dass das Niveau der Matura grundsätzlich zufrieden stellend sei.

Harmonisierung der Prüfungen

Neben der Ergänzung des Rahmenlehrplans haben die Erziehungsdirektoren eine Reihe von Empfehlungen an die Kantone beschlossen. Beispielsweise sollen sie die Maturaprüfungen zwischen den einzelnen Kantonsschulen harmonisieren. Weiter soll der Dialog zwischen Gymnasien und Hochschulen verstärkt und die Studien- und Laufbahnberatung an den Mittelschulen verbessert werden.

Ob diese Massnahmen fruchten, wird sich schon bald zeigen: Die EDK und der Bund planen eine neuerliche landesweite Evaluation der Matura. Der genaue Zeitpunkt ist aber noch offen.

Bei den Gymnasien stösst die Ergänzung des Rahmenlehrplans auf positives Echo. «Dieses Vorgehen ist sinnvoll – und gut schweizerisch», sagte Marc König gegenüber unserer Zeitung. Er ist Rektor der St. Galler Kantonsschule am Burggraben und Präsident der Konferenz der Schweizerischen Gymnasialrektoren (KSGR). Die Kantone müssen nun ihre Lehrpläne an den Rahmenlehrplan anpassen. Die Schulen seien in der Lage, sicherzustellen, dass die Gymnasiasten die geforderten Kompetenzen erwerben, ist er überzeugt. Zentral ist für König, dass der prüfungsfreie Zugang zu den Hochschulen gewährleistet bleibt.

Nicht alleine massgebend

Auch bei den Hochschulen ist man zufrieden. Man begrüsse die Klärung der Kompetenzen in Mathematik und Erstsprache, erklärte Martina Weiss vom Verband Swissuniversities, in dem sich die Universitäten, die Fachhochschulen und die pädagogischen Hochschulen zusammengeschlossen haben. Allerdings seien sie nicht die einzigen massgeblichen Kompetenzen für die Studierfähigkeit. Ihr Erwerb dürfe «nicht auf Kosten anderer im Rahmen der Allgemeinbildung zu erwerbender Kompetenzen erfolgen».

«Wir müssen einen Zacken zulegen»

Christoph Eymann, mit welchen Fächern hatten Sie an der Maturaprüfung die grösste Mühe?
Christoph Eymann*: Die schlechtesten Noten hatte ich in Mathematik und Physik. Ich hatte noch Glück, dass man damals ungenügende Noten nicht doppelt kompensieren musste, wie das heute der Fall ist ...

Den heutigen Maturanden geht es ähnlich wie Ihnen: 40 Prozent von ihnen schneiden bei der schriftlichen Matura in Mathematik ungenügend ab. Auch in der Erstsprache lassen die Leistungen oft zu wünschen übrig. Sind die Maturanden heute zu wenig auf ein Studium vorbereitet?
Eymann: Punktuell leider ja. Ich höre das auch von vielen Hochschuldozenten.

Nun hat die EDK einen Anhang zum Rahmenlehrplan beschlossen, der die Kompetenzen in Mathematik und Erstsprache präzisiert, welche Maturanden beherrschen sollen. Was bezwecken Sie damit?
Eymann: Dieser Beschluss, das möchte ich betonen, ist keine Reform. Er ist vielmehr eine Reaktion auf die Ergebnisse der Evaluation der Matura aus dem Jahr 2007. Es geht nun darum, einen Zacken zuzulegen, um die Mathematik- und Erstsprachkompetenzen der Maturanden zu verbessern. Das Oberziel ist es, dass wir den prüfungsfreien Zugang zu den Hochschulen erhalten können.

Wie geht es nun konkret weiter?
Eymann: Die Kantone sind gefordert, in ihren Stundentafeln der Mathematik die nötige Priorität zu geben, damit wir eine Verbesserung erreichen. Die EDK empfiehlt den Kantonen ausserdem, dass sie die Maturaprüfungen zwischen den einzelnen Kantonsschulen harmonisieren. Es geht nicht darum, eine «Zentralmatur» einzuführen, aber eine gewisse Vereinheitlichung fördert die Qualität.

Glauben Sie, dass die nun getroffenen Beschlüsse zu besseren Resultaten bei der nächsten Evaluation führen werden?
Eymann: Ich bin davon überzeugt, dass die Änderungen Auswirkungen haben werden.

Interview Lukas Leuzinger

Hinweis
* Christoph Eymann (65) ist seit 2001 Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt.
Er ist Präsident der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK).

So rechnen die Maturanden – wenn sie es können. (Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ)

So rechnen die Maturanden – wenn sie es können. (Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ)

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