BILDUNG: Lehrerpensionierungen gehen erst 2017 zurück

An den Schweizer Schulen werden in den kommenden Jahren zahlreiche neue Lehrerinnen und Lehrer benötigt. Neue Modellrechnungen des Bundesamtes für Statistik bestätigen den hohen Bedarf. 2017 dürften die Massenpensionierungen in der obligatorischen Schule ihren Höhepunkt erreichen.

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In den kommenden Jahren ist ein Lehrermangel vorherzusehen. (Symbolbild Manuela Jans / Neue LZ)

In den kommenden Jahren ist ein Lehrermangel vorherzusehen. (Symbolbild Manuela Jans / Neue LZ)

In einem neuen 10-Jahre-Szenario zum Bildungssystem hat das Bundesamt für Statistik (BFS) die Entwicklungen bei den Schülern und Lehrern errechnet. Der seit längerem bekannte Bedarf an neuen Lehrkräften in der obligatorischen Schule wird in der am Dienstag veröffentlichten Studie bestätigt.

Im Vergleich zu 2006 wurden 2012 insgesamt 65 Prozent mehr Lehrerinnen und Lehrer pensioniert. 2013 dürften es schweizweit ungefähr 2800 Personen sein. Der Höchststand bei den Pensionierungen in der obligatorischen Schule dürfte 2016 (Primarschule) und 2017 (Sekundarstufe I) erreicht sein, hält das BFS fest.

Von Kanton zu Kanton unterscheiden sich die Pensionierungen stark: In Nidwalden, Zug, Thurgau und Freiburg werden in den nächsten fünf Jahren im Schnitt 2,5 Prozent der Primarlehrer pensioniert. Deutlich höher, über 4 Prozent, liegt dieser Anteil in den Kantonen Neuenburg, Glarus, Wallis, Tessin und Jura.

Mehr Geburten, mehr Schüler

Bei den Schülern erwartet das BFS, dass die seit 2003 abnehmenden Schülerzahlen in der obligatorischen Schule bald wieder wachsen - und zwar deutlich. 2022 dürften 48'000 mehr Kinder die Schule besuchen als 2012. Das entspricht fast dem Rückgang zwischen 2003 und 2012, als die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 50'000 abnahm.

Der Grund für den Zuwachs liegt in der höheren Geburtenrate der vergangenen Jahre. So kamen im vergangenen Jahr 13 Prozent mehr Babys auf die Welt als 2003. Das Harmos-Konkordat mit einheitlichem Schuleintrittsalter trägt ebenfalls zum Anstieg bei, wenn es denn in den nächsten Jahren umgesetzt wird.

In der Primarstufe macht sich die höhere Geburtenzahl schon in diesem Jahr bemerkbar: Mit 460'000 Schülerinnen und Schülern dürfte 2012 das Minimum erreicht worden sein. In der Sekundarstufe setzt der Anstieg voraussichtlich erst 2017 ein.

Die Pensionierungen und andere Austritte einerseits und die steigenden Schülerzahlen andererseits führen zu einem hohen Bedarf an neuen Lehrkräften. Je nach Szenario werden 2022 insgesamt zwischen 4000 und 5150 Lehrkräfte in der Primarschule und zwischen 3700 und 4750 in der Sekundarstufe I benötigt. Das sind einige hundert mehr als heute pro Jahr neu rekrutiert werden müssen.

Sekundarstufe II: Anstieg ab 2019

Keine solchen Probleme sind auf der Sekundarstufe II zu erwarten. Dort dürfte die Zahl der Pensionierungen und auch der Bedarf an neuen Lehrkräften stabil bleiben. Bei den Lehrlingen und Schülern auf dieser Stufe setzt sich laut BFS der Rückgang noch bis 2018 fort, bevor es ab 2019 zu einem Anstieg kommt wie zuvor in der obligatorischen Schule.

Für die Universitäten errechnete das BFS eine leichte Zunahme der Studentinnen und Studenten von durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr bis 2022. Das ist deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, als die Zunahme 3 Prozent pro Jahr betragen hat.

Da es immer mehr Berufsmaturitäts-Abschlüsse gibt, dürften stattdessen die Studierendenzahlen bei den Fachhochschulen bis 2022 um jährlich 1 bis 3 Prozent steigen. Nach der Berufsmaturität wird immer häufiger der Weg zu einer Fachhochschule eingeschlagen.

Diese Entwicklung führt dazu, dass deutlich mehr Personen zwischen 25 und 64 Jahren im Jahr 2022 über einen Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsbildung verfügen werden. Der Anteil soll laut BFS von 37 (2012) auf 45 Prozent steigen. Jeder Zehnte wird wohl ohne nachobligatorische Ausbildung sein. Heute sind es 14 Prozent.

sda