BILDUNG: Lehrplan 21: Die Petition zeigt Wirkung

Der Begriff «Gender» ist nicht mehr im Lehrplan 21. Kritiker sind aber keineswegs besänftigt.

Marina Winder
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Der Lehrplan 21 erfährt Veränderungen, die sich auch in den Dokumenten in der Schulstube zeigen werden. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Der Lehrplan 21 erfährt Veränderungen, die sich auch in den Dokumenten in der Schulstube zeigen werden. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

«Ihr Suchbegriff ‹gender› führte zu keinem Treffer.» Die Suchfunktion auf der Online-Plattform des Lehrplans 21 spuckt dieses Ergebnis aus. Noch vor einem halben Jahr hätte es anders ausgesehen. In der Zwischenzeit aber haben die Lehrplan-Macher, gedrängt durch die Petition «Kein Gender im Lehrplan 21», die den Initianten zufolge von 33 000 Personen unterschrieben wurde, den Begriff aus dem Werk gestrichen.

Statt «Gender und Gleichstellung» heisst das fächerübergreifende Thema – so werden Themen genannt, die im Lehrplan nicht in einem eigenen Fach, sondern in verschiedenen Fächern unterrichtet werden – nun «Geschlechter und Gleichstellung». Der Begriff «Gender» wurde durchwegs ersetzt, und einige Formulierungen im Lehrplan wurden abgeschwächt. So ist in der einleitenden Beschreibung des fächerübergreifenden Themenbereichs «Geschlechter und Gleichstellung» nicht mehr von der «prägenden und lenkenden Kraft von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern» die Rede. Stattdessen sprechen die Lehrplan-Autoren jetzt von der «Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, Stereotypen, Vorurteilen und Klischees in Alltag und Arbeitswelt».

«Das ist Etikettenschwindel»

Der Stiftung Zukunft CH, sie ist die Initiantin der Petition «Kein Gender im Lehrplan 21», reicht das bei weitem nicht. Sie wirft der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) «Etikettenschwindel» vor. Die «genderistisch eingefärbten Inhalte» seien nicht entfernt worden, schreibt Dominik Lusser von Zukunft CH in einer Stellungnahme. Zukunft CH ist nach eigenen Angaben eine Stiftung, die sich für «zukunftstragende Werte, eine Aufwertung der Familie und gegen die schleichende Einführung der Scharia» einsetzt. Sie hat zum Beispiel die gerichtliche Beschwerde gegen die «Love Life»-Kampagne gegen HIV des Bundesamts für Gesundheit unterstützt.

Einmischung ins Familienleben

Der Lehrplan 21 sei nach wie vor gespickt mit Kompetenzen, welche den natürlichen Geschlechtsunterschied relativierten und die «heterosexuelle Norm» in Frage stellten, kritisiert Lusser. Die Schule masse sich an, sich in die Aufteilung von Berufs- und Familienleben aktiv einzumischen.

Mit anderen Worten, aber nicht weniger deutlich wehrte sich auch die SVP gegen die Gender-Thematik im Lehrplan 21. Auch sie wollte das Thema «Gender und Gleichstellung» sowie sämtliche lebens- und sexualkundliche Themen komplett streichen. «Auch dort, wo sie in andere Bereiche wie Gesundheit, Natur, Gesellschaft, Wirtschaft, Arbeit oder Ethik und Religion verwoben sind», sagt die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär. Die erzieherische Hauptverantwortung liege bei den Eltern. Die D-EDK lässt sich durch diese geballte Kritik nicht irritieren. «Die Schule hat nach unserer klaren Meinung den Auftrag, hierzu einen Beitrag zu leisten», sagt Christian Amsler, Präsident der D-EDK.