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BILDUNG: Neolehrer scheitern an Fremdsprachen

Viele angehende Lehrer bekunden grosse Mühe mit Fremdsprachen und beenden ihre Ausbildung ohne Diplom. Nun wollen Pädagogische Hochschulen in der Zentralschweiz Gegensteuer geben.
Kari Kälin
Zahlreiche Studenten der Pädagogischen Hochschulen Luzern und Schwyz haben vor kurzem ihre Ausbildung zum Primarlehrer abgeschlossen (Symbolbild). Ein beträchtlicher Anteil erhielt dennoch kein Diplom, der Grund sind ungenügende Fremdsprachenkenntnisse. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Zahlreiche Studenten der Pädagogischen Hochschulen Luzern und Schwyz haben vor kurzem ihre Ausbildung zum Primarlehrer abgeschlossen (Symbolbild). Ein beträchtlicher Anteil erhielt dennoch kein Diplom, der Grund sind ungenügende Fremdsprachenkenntnisse. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Für 43 Studenten der Pädagogischen Hochschule Schwyz war der 12. Juni ein Jubeltag: Sie erhielten an der Abschlussfeier im Mythen-Forum Schwyz das Primarlehrerdiplom und haben damit den Bachelor in der Tasche. 26 Studenten, mehr als ein Drittel des Jahrgangs (knapp 38 Prozent), hat indes trotz abgeschlossener Ausbildung kein Diplom in der Tasche. Der Grund dafür sind ihre ungenügenden Fremdsprachenkenntnisse. 18 Studenten erreichten in Englisch nicht das erforderliche Niveau (C1 gemäss dem europäischen Sprachenportfolio, siehe Box), 8 scheiterten an Französisch. Dass mehr Studenten in Englisch durchfallen, hat einen einfachen Grund: Die meisten Studenten wählen als Fremdsprache Englisch, nur ein relativ geringer Teil – im nächsten Studienjahr sind es 27 Prozent – setzt auf beide Sprachen.

Nul en français, bad in English: Dass nicht alle künftigen Pädagogen Sprachentalente sind, ist ein bekanntes Phänomen. Neu ist die hohe «Sans diplômes»-Quote aber zu einem Politikum geworden. Zwei kantonale CVP-Parlamentarier, Adrian Dummermuth und Marianne Betschart-Kaelin, wollen unter anderem wissen, was die Schwyzer Regierung angesichts dieser unerfreulichen Zahlen zu tun gedenkt.

Oft fehlt es am Rüstzeug

Bereits Gedanken darüber macht sich Silvio Herzog, Rektor der PH Schwyz: «Wir müssen über die Bücher gehen», sagt er. Und: «Es ist unschön, wenn die Studenten ihre Ausbildung abschliessen, aber den Bachelor wegen der ungenügenden Fremdsprachenkenntnisse erst später erhalten.» Eine Ursache für die dürftigen Resultate liegt auf der Hand: Oft bringen Gymiabgänger, Absolventen einer Fachmatura und Quereinsteiger für die Fremdsprachen schlicht und einfach nicht genügend Rüstzeug mit. «Wir müssen uns überlegen, ob wir allenfalls strengere Vorschriften schon bei Studienbeginn erlassen müssen», sagt Herzog. Um gute Strategien zur Bekämpfung der Fremdsprachendefizite zu erarbeiten, will Herzog auch die PH Luzern und die PH Zug kontaktieren. Sie seien mit ähnlichen Problemen konfrontiert, sagt er.

Weniger Lohn

Die meisten Neo-Primarlehrer, die den Bachelor verpasst haben, sind laut Herzog während ihrer Ausbildung ein- oder auch zweimal durch die Sprachtests gerasselt. Die PH Schwyz bietet den Studenten zwar Kurse zur Verbesserung ihrer Fremdsprachenkenntnisse an. Zudem müssen die Studenten ein dreiwöchiges Assistenzpraktikum im französischen und/oder englischen Sprachraum leisten, auch ein Sprachaufenthalt ist obligatorisch. Dennoch erreichen viele das erforderliche Niveau nicht.

Immerhin: Laut Herzog haben bis jetzt sämtliche Studenten mit den Sprachdefiziten die erforderlichen Prüfungen früher oder später erfolgreich nachgeholt. Das kommt nicht von ungefähr. Wer kein C1-Niveau aufweisen kann, erhält im Kanton Schwyz bloss eine auf drei Jahre befristete Lehrberechtigung und muss in der Regel eine Lohneinbusse in Kauf nehmen.

«Problem nicht verharmlosen»

Bei der PH Luzern müssen ab dem nächsten Semester alle, die bei Studienbeginn kein B2-Zertifikat vorweisen können, möglichst rasch dieses Niveau erreichen. Für das Erlangen des Lehrerdiploms sind Sprachaufenthalte obligatorisch. Und viele Studenten nutzen auch die Möglichkeit, ein Praktikum im französischen oder englischen Sprachraum zu absolvieren. Dennoch haben bei den letzten Prüfungen auf der Primarstufe 38 von 219 Studenten (17 Prozent) das Bachelordiplom verpasst – aus dem gleichen Grund wie ihre Leidensgenossen in Schwyz: Sie rasselten entweder in Französisch oder in Englisch durch die Prüfungen, die ihnen ein C1-Niveau bescheinigt hätten. Auch sie müssen später die Prüfungen nachholen, um ein vollwertiges Lehrerdiplom zu erlangen.

Beherrschen die Gymiabgänger und PH-Absolventen die Fremdsprachen generell zu schlecht? «Wir dürfen dieses Problem nicht verharmlosen, das ist schon ein Thema», sagt Michael Zutavern, stellvertretender Rektor der PH Luzern. «Aber guter Unterricht auf allen Stufen und unsere ergänzenden Massnahmen werden greifen», sagt er.

Viel Zeit und Energie für C1

An der Pädagogischen Hochschule Zug müssen alle angehenden Fremdsprachenlehrer einen Einstufungstest ablegen. Niveau B2 ist Pflicht. Wer diese Hürde nicht nimmt, muss seine Französisch- und/oder Englischkenntnisse in den ersten drei Semestern mindestens auf diesen Stand bringen. Selbstverständlich wird am Ende der Primarlehrerausbildung auch in Zug ein C1-Zertifikat verlangt. Bei der Diplomfeier im Juni erhielten 2 von 19 Studenten, die das Fach Französisch belegt haben, wegen schwacher Fremdsprachenkenntnisse kein Diplom. Auch im Kanton Zug kann man das Versäumte nachholen, muss aber beim Unterrichten vorerst eine Lohneinbusse akzeptieren.

Weshalb scheitern generell viele Studenten an den Fremdsprachen? Klar ist: Das Niveau C1 erreicht man nicht im Schlafwagen. «Für dieses Ziel muss man viel Zeit und Energie investieren», sagt Silvia Nadig, Fachleiterin Fremdsprachen an der PH Zug. Oft würden die Studierenden mehrmals zu internationalen Prüfungen antreten, was immer auch mit Kosten verbunden sei, ergänzt sie. «Daher schieben sie die Prüfung oft auch hinaus.»

Hürden senken?

Keine Konzessionen machen will man an den Pädagogischen Hochschulen in der Zentralschweiz bei den Anforderungen. Das heisst: Primarlehrer sollen auch künftig C1-Niveau haben. «Eine hohe Sprachkompetenz ist zentral für einen lernwirksamen Fremdsprachenunterricht», sagt etwa Silvia Nadig. Die Lehrperson müsse sich in der Fremdsprache wohlfühlen und jederzeit sprachlich und flexibel reagieren können. Das Erlernen einer Fremdsprache geschehe nicht nur, aber sehr stark durch Imitation. «Die Kinder sprechen der Lehrperson eins zu eins nach, im Stil von Papageien, und auch Fehler sowie eine mangelhafte Aussprache werden eins zu eins kopiert», sagt Nadig.

Übrigens: Nicht nur in der Zentralschweiz haben die Pädagogischen Hochschulen mit mässig begabten Fremdsprachenstudenten zu kämpfen. In der «Sonntagszeitung» beklagten sich Vertreter der Pädagogischen Hochschulen Zürich und Bern über mangelnde Fremdsprachenkenntnisse der Studenten. In Zürich fielen im letzten Jahr 15 Prozent der Studenten durch den Einstufungstest. Sie mussten ihre Defizite durch Extrasprachkurse wettmachen.

Gymilehrer kontern Kritik von Pädagogischen Hochschulen

Die Pädagogische Hochschule Bern bemängelt die Französischkenntnisse der angehenden Lehrer. «Es kann nicht sein, dass man die Studierenden während mehrerer Semester nachschulen muss, statt von Beginn weg auf das sprachliche und didaktische Niveau hinzuarbeiten, das die Primarlehrer für den Unterricht brauchen», sagte Daniel Steiner, Leiter des Instituts Vorschul- und Primarstufe der PH Bern gegenüber der «Sonntagszeitung». Die Mehrheit der Studierenden verfüge bei Ausbildungsbeginn nicht über das erforderliche Niveau B2 (siehe Box). Steiner verlangt nun, dass man den Unterricht am Gymnasium unter die Lupe nimmt. Auch Christoph Suter von der PH Zürich fordert, der Französischunterricht müsse an den Mittelschulen mehr Gewicht bekommen. Sein Appell erstaunt nicht. Schliesslich segelten im letzten Jahr im Kanton Zürich 15 Prozent der Studenten durch den Eignungstest der PH und mussten ihr Französisch in Extrakursen auf Vordermann bringen.

Schlechte Noten kein Hindernis

Sind also die Gymnasien schuld an der Misere? Gisela Meyer Stüssi ist Vizepräsidentin des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG). Sie kontert die Kritik und sagt: «An den Gymnasien schenken wir dem Französischunterricht genügend Beachtung.» Die Französischkenntnisse seien für die Maturanden kein Kriterium für oder gegen einen Eintritt an die PH. In der Tat sind mässige Fremdsprachentalente kein Studienhindernis, der Zugang zu den PH ist frei. Es ist also gut möglich, dass sich teilweise auch Gymiabgänger an der PH einschreiben, die in Französisch schlechte Noten haben – und dann bei Beginn des PH-Studiums erst recht ins Schwimmen kommen.
Für Meyer ist klar: «Jede Ausbildungsstufe ist für die Kenntnisse ihrer Absolventen am Ende der Ausbildung selber verantwortlich und kann einen Mangel nicht auf die vorangehende Stufe schieben, also die Pädagogischen Hochschulen nicht auf die Gymnasien und die Gymnasien nicht auf die Sekundarschulen.»

Silvio Herzog, Rektor der PH Schwyz, unterstützt Meyer Stüssi: «Es wäre falsch, einseitig gegen die Gymnasien zu polemisieren», sagt er. Es brauche auf allen Ebenen, also bereits auf der Primar- und Sekundarstufe, Anstrengungen, den Fremdsprachenunterricht zu verbessern. Für Silvia Nadig, Fachleiterin Fremdsprachen an der PH Zug, wäre es derweil ein Gewinn, «wenn die Gymnasien auch in Französisch ihre Schüler noch vermehrt dazu animieren könnten, bereits in ihrer Gymnasiumzeit ein internationales Sprachzertifikat zu erlangen».

Französischzwang für Studenten?

Strategisch treffen PH-Studenten, welche sich für Französisch einschreiben, einen klugen Entscheid. Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz bekunden die Schulen Mühe, in diesem Bereich Fachpersonen zu finden.

Dieses Problem erkannt hat auch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Sie empfiehlt, auf der Sekundarstufe die Fächerkombinationen einzuschränken und damit das Studieren einer Landessprache zur Pflicht zu machen. Die Anhörung zu diesem und anderen Vorschlägen läuft bis Ende August. Michael Zutavern, stellvertretender Rektor der PH Luzern, findet derartige Vorgaben zu den Fächern keine gute Idee: «Wenn man angehende Lehrer dazu zwingt, ein Fach zu unterrichten, führt das zu keinem guten Unterricht», sagt er.

Das bedeutet Niveau B2 und C1

Der Europarat hat ein Sprachenportfolio erarbeitet, das die Niveaus in A1, A2, B1, B2, C1 und C2 einteilt. A1 ist die tiefste Stufe, C2 die höchste. Am Ende der Matura sollten die Gymnasiasten ungefähr auf B2-Level sein. Dieses Niveau erwarten die pädagogischen Hochschulen bei Studienbeginn. B2 bedeutet zum Beispiel, dass man bei der französischen Tagesschau fast alles versteht, ein relativ fliessendes Gespräch mit einem Muttersprachler möglich ist und in einem Aufsatz Argumente und Gegenargumente darlegen kann.

Ohne die Wörter zu suchen

C1 bedeutet, dass man Fernsehsendungen und Spielfilme ohne grosse Mühe versteht. Literarische Texte sollen ebenso kein Problem darstellen wie etwa eine Bedienungsanleitung für ein Auto. Mündlich kann man sich ausdrücken, ohne stets nach dem richtigen Wort suchen zu müssen. Schriftlich können Personen mit C1-Niveau komplexe Sachverhalte darstellen.

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