Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bill Gates und das Teich-Experiment

Bill Gates hat 50 Milliarden Dollar seines Vermögens gespendet. Ein enormer Betrag. Doch reicht das?
Samuel Schumacher
Bill Gates, Co-Vorsitzender der von ihm und seiner Frau ins Leben gerufenen «Bill & Melinda Gates Foundation» während einem Interview mit Fox News. (Bild: Carolyn Kaster/AP (Washington, 11. Dezember 2018))

Bill Gates, Co-Vorsitzender der von ihm und seiner Frau ins Leben gerufenen «Bill & Melinda Gates Foundation» während einem Interview mit Fox News. (Bild: Carolyn Kaster/AP (Washington, 11. Dezember 2018))

Oder müsste der Amerikaner noch viel mehr tun, um als echter Wohltäter zu gelten? Diese Frage stellt der australische Philosoph Peter Singer in einem Beitrag für den Sammelband «Giving Well» («Gut geben»), herausgegeben von einer Forschergruppe, die sich intensiv mit dem Thema Spenden befasst hat.

Wer soll spenden, wem, wie viel und wofür genau? Singer verweist für die Beantwortung dieser Fragen auf das von ihm benannte «soziale Kapital», also jene Umstände, die es uns überhaupt ermöglichen, zu Wohlstand zu kommen. Dazu zählt er die Schulbildung genauso wie ein ausgebautes Verkehrsnetz. Rund 90 Prozent unseres Wohlstandes hängen laut Singer von diesen Umständen ab, für die wir als Individuen nichts getan haben. Als Nutzniesser dieses sozialen Kapitals seien wir dazu verpflichtet, die Not der weniger Glücklichen zu lindern.

Die Frage, wie viel wir für die Armen der Welt tun müssen, beantwortet Singer mit Verweis auf das von ihm auserdachte Teich-Experiment. Das geht so: Ein Picknicker sitzt an einem Teich und sieht, wie ein Kind ertrinkt. Laut Singer ist klar, dass der Picknicker das Kind retten muss. Was aber, wenn ein zweites Kind ins Wasser fällt und sich von all den anderen Picknickern am See keiner als Retter aufspielen will? Muss dann unser Picknick-Held ein zweites Mal ins kalte Wasser springen? Oder hat er seinen Teil zur Rettung der Kinder – seinen «fair share» – schon getan? Singer kommt zum Schluss, dass der «fair share» nicht ausreicht und dass jeder dazu verpflichtet ist, alles in seiner Macht stehende zur Reduktion des Leides in der Welt zu unternehmen – auch wenn das bedeutete, dass wir auf einen Grossteil unseres Wohlstandes verzichten müssten.

Vergesst den Tschad!

Der deutsche Philosoph Thomas Pogge geht der Frage nach, wie fair unsere Spendebemühungen sein müssen. Soll man überall zu helfen versuchen, oder nur da, wo man die Not effizient bekämpfen kann? Pogge sagt, dass es unabhängig von geografischer Fairness darum gehen muss, möglichst viele Menschen zu retten. Wenn also beispielsweise mit dem Geld, das man für die Hungerbekämpfung im Tschad ausgibt, in Äthiopien mehr Menschen geholfen werden kann, dann soll man das Geld aus dem Tschad abziehen und in Äthiopien einsetzen, auch wenn das für den Tschad katastrophale Konsequenzen hat.

Mit der Frage der Effizienz von Hilfsprojekten beschäftigt sich der britische Entwicklungs-Experte Roger Riddell. Er schreibt, das Beharren westlicher Spender auf effizienten Hilfsprojekten sei kontraproduktiv, weil hilfsbedürftige Menschen oft in Gebieten lebten, in denen speditive Hilfe kaum möglich sei. Effizient einsetzen könne man Geld in Norwegen oder in Grossbritannien, nicht aber in Subsahara-Afrika oder Südasien. Da grassiere Korruption, da behindere die schlechte Infrastruktur gut gemeinte Bemühungen. Deswegen die Hilfe aus diesen Erdteilen abzuziehen, sei aber falsch.

Eine kontroverse Position vertritt der US-Philosoph Leif Wenar, der den Begriff der «paralysierenden Analyse» geprägt hat. Er sagt, bei Hilfsprojekten könne sehr vieles schiefgehen. Wenar nennt das Beispiel von Nahrungsmittellieferungen nach Äthiopien, die dort statt in den Bäuchen hungernder Kinder auf den Lebensmittelmärkten gelandet sind und den lokalen Handel mit Landwirtschaftsprodukten zerstört haben. Beispiele wie dieses führten dazu, dass weniger Geld an Hilfswerke fliesse. Wenar wirft deshalb die Frage auf, ob Hilfswerke wirklich transparent sein müssen oder ob sie gewisse Missgeschicke nicht besser für sich behalten sollten, um Spender nicht aufzuschrecken. Denn unter dem Strich, sagt Wenar, seien Spenden trotz gelegentlicher Missgeschicke der beste Weg, das Elend in der Welt zu bekämpfen. (sas)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.