«Billet weg» bei Senioren: Angehörige sind gefordert

Fabian Fellmann, Leiter der Bundeshausredaktion, über ältere Menschen, die nach dem ersten obligatorischen medizinischen Gesundheitscheck den Fahrausweis abgeben müssen.

Fabian Fellmann
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1257 Senioren zwischen 70 und 74 Jahren müssen auf ihren Fahrausweis verzichten, weil sie laut ihrem Arzt nicht mehr fahrtüchtig sind. Diese Zahl aus dem vergangenen Jahr lässt aufhorchen, weil sie deutlich gestiegen ist. Trotzdem wird der Bund die Limite für die obligatorischen Arzt-checks demnächst von 70 auf 75 Jahre anheben. Denn diese Erhöhung hat das Bundesparlament im vergangenen Herbst beschlossen.

Für die neue Altersgrenze gibt es sachliche Gründe. Heutige Senioren sind in höherem Alter körperlich fitter als frühere Generationen. Auch bietet moderne Technologie Unterstützung, etwa mit Rückfahrkamera, Spurassistent und Bremshilfe. Schliesslich nehmen auch viele Senioren ihre Eigenverantwortung wahr: Jedes Jahr geben mehr als 10000 freiwillig den Fahrausweis ab, weil sie nicht mehr fahren können.

Allerdings weisen Senioren auch ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko auf. Insofern hat die neue Alterslimite auch eine problematische Seite. Denn einige Ältere wollen, andere können nicht einsehen, dass sie nicht mehr selber fahren sollten. Das ist nachvollziehbar, denn ein Auto gewährt Bewegungsfreiheit. Freiheit abzugeben, fällt aber schwer – und wird darum gern hinausgezögert.

Bisher war es Aufgabe des Arztes, in solchen Situationen auf die unangenehmen Tatsachen hinzuweisen. In Zukunft muss er das erst bei über 75-Jährigen tun. Bei den 70- bis 74-Jährigen sind darum Angehörige und Freunde stärker gefordert. Sie müssen eingreifen, wenn sie Hinweise darauf haben, dass ein älterer Bekannter nicht mehr sicher fahren kann – zum Wohl aller.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch