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BIODIVERSITÄT: Millionen für Krötentunnel und Co.

Der Bund will die Artenvielfalt in der Schweiz fördern. Dafür müssen die Kantone sehr tief in die Tasche greifen – für halb so viele Massnahmen wie geplant.
Eva Novak
Ein Krötenmännchen lässt sich vom Weibchen ans Ufer tragen. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Ein Krötenmännchen lässt sich vom Weibchen ans Ufer tragen. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Um die Artenvielfalt sei es in der Schweiz schlecht bestellt, schlugen Wissenschaftler kürzlich Alarm. Die Politik müsse schleunigst handeln und die «massiven Verluste» an Pflanzen- und Tierarten sowie deren Lebensräumen stoppen. Mit ihrem Appell wollten die Forscher dem Aktionsplan zur «Strategie Biodiversität Schweiz» zum Durchbruch verhelfen, den der Bund vor zwei Wochen den Kantonen zur Vorkonsultation zugestellt hat.

Breite Gegnerschaft

Die Schützenhilfe ist nötig, denn es geht um Milliarden. Das ist einer der Gründe für die Leidensgeschichte, die der Plan mit dem leicht sperrigen Namen hinter sich hat. Vor drei Jahren beschloss der Bundesrat die Strategie, worauf etwa 250 Organisationen und Interessenverbände aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft unter Federführung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) nicht weniger als 500 Massnahmen orteten, die nach und nach auf die noch immer stolze Zahl von 110 Massnahmen eingedampft wurden.

Breit ist auch die Gegnerschaft, die sich seitdem gegen den Aktionsplan formierte: Sie reicht von den Bauern über Tourismuskreise bis hin zu den Kantonen, welche die Massnahmen vollziehen und auch zu einem guten Teil berappen müssten. Angesichts dieser Front erstaunt es nicht, dass der Bund mit dem Plan in Verzug ist. Die Vernehmlassung, die eigentlich schon Ende letzten Jahres hätte starten sollen, wurde auf Frühjahr 2016 verschoben.

Zuvor werden jetzt die Kantone befragt. Allerdings nur noch zu einem halbierten Massnahmenkatalog, was gut informierte Quellen auf eine Intervention von Umweltministerin Doris Leuthard zurückführen. Immerhin sollen die Kantone noch ihre Meinung zu exakt 54 mehr oder weniger dringlichen Massnahmen abgeben, wie aus den vertraulichen Konsultations-Unterlagen hervorgeht, die der «Zentralschweiz am Sonntag» vorliegen.

210 Millionen Franken pro Jahr

Auch dafür muss die öffentliche Hand noch tief in die Tasche greifen. Für den Bund bezifferte das Bundesamtes für Umwelt die Kosten auf zunächst 79 Millionen Franken pro Jahr. Das gilt während der Vorbereitungsphase bis 2020, während die bis 2040 folgende Umsetzungsphase mit jährlich 210 Millionen Franken zu Buche schlägt. Bei den Kantonen fallen zusätzliche Ausgaben in der gleichen Grössenordnung an. Wie viel es für die einzelnen Kantone ausmacht, geht aus den vertraulichen Papieren hervor (siehe auch Tabelle). Ebenso, wie der Finanzbedarf für jeden Kanton berechnet wurde: nicht anhand von Grösse, Finanzkraft oder Bevölkerungszahl, sondern «anhand seines Biodiversitätspotenzials sowie der biogeografischen Verteilung». Berücksichtigt wurde unter anderem auch der aktuelle NFA-Verteilschlüssel.

Am stärksten zur Kasse gebeten würde demnach der Kanton Bern: Bereits im übernächsten Jahr müsste er 10,45 Millionen Franken lockermachen, 2021 wären es dann 23,5 Millionen. In der Zentralschweiz wäre der Kanton Luzern mit 5,8 bis 13,1 Millionen Franken am stärksten belastet, gefolgt vom Kanton Obwalden mit 4,53 bis 10,5 Millionen. Am glimpflichsten kämen die Kantone Nidwalden, Uri und Zug davon.

Berufsfischer stärken

Die Mittel sollen zu den unterschiedlichsten Zwecken fliessen. Das beginnt bei der «Sanierung bestehender Schutzgebiete» (Massnahme Nummer 1) und reicht über ein «Sanierungsprogramm zur Erhöhung der Durchlässigkeit der Verkehrsinfrastrukturen» (etwa Wildübergänge oder Krötentunnel, Massnahme Nummer 6), die «Stärkung von nachhaltiger Berufsfischerei» (Massnahme Nummer 24) und eine ganze Reihe von Aktionsplänen bis hin zum «Ausbau der existierenden Monitoringprogramme zu einem integralen Überwachungssystem der Biodiversität Schweiz» (Massnahme Nummer 54).

Begeisterung hält sich in Grenzen

Die Kantone haben bis Anfang Juli Zeit, sich dazu zu äussern. Offizielle Stellungnahmen waren noch nicht erhältlich. Doch selbst bei den Umweltämtern hält sich angesichts der vielerorts drohenden oder bereits aufgegleisten Sparpläne die Begeisterung in engen Grenzen.

Ob der Appell der Wissenschaftler daran etwas zu ändern vermag, ist fraglich.

Eva Novak

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