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BISTUM CHUR: Bischof Vitus Huonder zieht vors höchste Gericht

Die Katholische Landeskirche Graubünden spricht Geld für einen Verein, für den Abtreibung eine legitime Option darstellt. Der Churer Bischof Vitus Huonder will die finanzielle Unterstützung verhindern – mit Hilfe des Bundesgerichts.
Der Churer Bischof Vitus Huonder. (Bild: Urs Jaudas/SGT)

Der Churer Bischof Vitus Huonder. (Bild: Urs Jaudas/SGT)

Kari Kälin
kari.kaelin@luzernerzeitung.ch

Der Streit schwelt seit mehr als fünf Jahren. Ende Oktober 2012 beschloss der Corpus Catholicum, das Parlament der Katholischen Landeskirche Graubünden, die Schwangerschaftsberatungsstelle Adebar pro Jahr mit 15 000 Franken zu unterstützen. Der Verein bietet unter anderem Beratungen zum Thema Verhütung und Schwangerschaftsabbruch an, Abtreibung hält er für legitim.

Das widerspricht dem kirchlichen Zeugnis für den Schutz des Lebens – und bringt das Bistum Chur auf die Palme. Es stört sich daran, dass die Landeskirche, eine Organisation mit dem Label «katholisch», Gelder spricht für einen Verein, der eine Sexualmoral vertritt, die nicht im Einklang mit Rom steht. Bischof Vitus Huonder wähnt sich deswegen in der Religionsfreiheit verletzt.

Das Bistum Chur hat den Entscheid des Corpus Catholicum angefochten, ist bis jetzt aber bei allen Instanzen abgeblitzt, zuletzt am 5. Dezember vor dem Verwaltungsgericht Graubünden. Jetzt zieht Bischof Vitus Huonder den Fall weiter ans Bundesgericht. Falls es zum Schluss komme, dass eine finanzielle Unterstützung für einen Verein wie Adebar nicht möglich sei, würde dies den Charakter der Landeskirchen unterstreichen, dass sie im Dienst der eigentlichen katholischen Kirche stünden, sagt Bistumssprecher Giuseppe Gracia. «Anderenfalls müsste die katholische Kirche zur Kenntnis nehmen, dass der Staat ihre Religionsfreiheit beschneidet und es zulässt, dass eine staatlich geschaffene Organisation mit den Namen katholisch gegen Grundüberzeugungen des katholischen Glaubens handelt.»

Gracia kritisiert das Konstrukt Landeskirche generell. Sie handle zwar im Namen der katholischen Kirche, unterstütze aber einen Verein wie Adebar, deren Tätigkeiten mit den Grundwerten der katholischen Kirche nicht vereinbar seien. Den Entscheid des Bundesgerichts werde das Bistum selbstverständlich respektieren, sagt Gracia.

Vorinstanz schmettert Beschwerde deutlich ab

Das Verdikt der Vorinstanz, des Graubündner Verwaltungsgerichts, fällt deutlich zuungunsten Huonders aus. «Inwiefern die Glauben- und Religionsfreiheit tangiert sein soll, ist für das Gericht nicht ersichtlich», heisst es im Urteil über die finanzielle Zuwendung der Landeskirche an Adebar. Die Argumentation, dieser Beitrag erwecke den Eindruck, die Landeskirche toleriere deren Haltung zu Abtreibung und schade daher dem Image der römisch-katholischen Kirche, ziele an der Sache vorbei. Der mündige Bürger vermöge sehr wohl zu unterscheiden, was in den Aufgabenbereich des Bistums und der Landeskirche falle. Für Gracia hingegen ist klar, dass der Staat in der Verantwortung steht, weil die Landeskirche eine vom Staat geschaffene Organisation sei. «Sie darf die Grundwerte und Kernbotschaften der katholischen Kirche, dazu gehört der Schutz des Lebens, nicht unglaubwürdig machen», sagt der Bischofssprecher.

Da der Rechtsstreit noch nicht beigelegt ist, hat die Landeskirche die Adebar-Gelder jeweils als Rückstellung verbucht. Unterdessen haben sich auf diesem Konto 75 000 Franken angehäuft. Adebar wirft derweil dem Bistum Chur vor, es zeichne ein einseitiges und teilweise schlicht falsches Bild vom Verein. In einem Jahresbericht 2012 schrieb die damalige Präsidentin Andrea Bäder Federspiel: «Es wird uns zum Beispiel Propaganda für Abtreibungen vorgeworfen, obwohl bei Konfliktschwangerschaften neutral und ergebnisoffen beraten wird.» Zudem sei ausgewiesen, dass ein gutes Angebot an Beratungsstellen für Schwangere zur Verminderung von Schwangerschaftsabbrüchen beitrage.

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