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BISTUMSSTREIT: «Es wird ein langer, schwieriger Prozess»

Ein Administrator für das Bistum Chur nach der Huonder-Ära findet an der Basis viel Zustimmung. Fragt sich nur, ob das Anliegen auch bis nach Rom und in den Vatikan durchdringt.
Guy Studer
Der Sitz von Bischof Vitus Huonder in Chur samt Hof und Kathedrale. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Der Sitz von Bischof Vitus Huonder in Chur samt Hof und Kathedrale. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Guy Studer

Nach der bald endenden Ära von Bischof Vitus Huonder soll der Papst dafür sorgen, dass im Bistum Chur wieder Friede einkehrt. Dies fordert der regionale Generalvikar der Urschweiz, Martin Kopp. Dazu wäre seiner Ansicht nach ein apostolischer Administrator, also ein auf unbestimmte Zeit eingesetzter Verwalter, das richtige Mittel. Dieser soll dafür sorgen, dass die tiefen Gräben, die das Bistum teilen, wieder zugeschüttet werden (Ausgabe von gestern). Ausserdem kritisiert Kopp das intransparente Wahlverfahren des Bischofs. Dass Kopp sich nun derart klar gegen die Politik seines Vorgesetzten stellt, dürfte damit zu tun haben, dass seine Amtszeit als Generalvikar automatisch mit jener seines Bischofs endet.

«Das Beste, was man tun kann»

Reaktionen zeigen, dass die Forderungen von Martin Kopp breit unterstützt werden. So etwa bei der Pfarrei-Initiative, die eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche fordert. Willi Ander­au, Sprecher der Pfarrei-Initiative und Kapuziner, sagt auf Anfrage: «Ich bin sehr einverstanden mit Herrn Kopp.» In der jetzigen Situation sei für das Bistum Chur ein apostolischer Administrator wohl «das Beste, was man tun kann, denn es wurde bereits zu viel Geschirr zerschlagen». Und es sei kaum zu erwarten, dass auf normalem Weg neue Leute an die Schalthebel kämen, um den angerichteten Schaden zu reparieren. «Auf den päpstlichen Nuntius für die Schweiz, Thomas Edward Gullickson, setze ich keine Hoffnung», erklärt Anderau. Dieser hätte eigentlich die Funktion, die Anliegen aus einem Bistum an den Papst zu tragen. Doch Gullickson wie auch sein Vorgänger sind eher bestrebt, das Bistum auf striktem Rom-Kurs zu halten.

Bei einer nächsten Bischofswahl würde sich die Situation wohl kaum ändern. Denn das Problem sei, so Anderau, dass das Domkapitel – also das Gremium im Bistum, welches den Bischof schliesslich wählt – vom heutigen Bischof zum grossen Teil selber besetzt worden sei. Und nicht nur das. Dieser prägt die ganze Personalpolitik im Bistum: «Vitus Huonder hat vielerorts konservative Pfarrer eingesetzt, die anderswo nicht erwünscht waren.» Zudem sei er von Beratern umgeben, die strikt auf seinen Kurs eingeschworen seien. «Huonder betreibt eine unheilvolle Personalpolitik, die das Bistum spaltet», ergänzt Anderau. Eine Personalpolitik notabene, die bereits seit der berüchtigten Ära von Bischof Haas bestehe. Seither habe kein Richtungswechsel stattgefunden. Und so sollte es auch weitergehen: Huonder wollte 2008 den mindestens so umstrittenen Generalvikar Martin Grichting durch Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof ernennen lassen und so als seinen Nachfolger in Position bringen. Eine Intervention von Bundesrat Pascal Couchepin in Rom verhinderte dies damals. Ein zweiter Versuch 2010 wurde durch den massiven Protest, namentlich von Seiten der Biberbrugger Konferenz (Vereinigung der Kantonalkirchen im Bistum Chur), verhindert. Grichting ist bekanntlich ein erklärter Gegner des dualen Systems, in dem die staatlich und demokratisch organisierten Landeskirchen den hierarchisch organisierten Bistümern gegenüberstehen.

Neue Köpfe gefordert

Für Anderau ist klar, dass ein Administrator nun «aufräumen» muss. «Und das heisst, es müssen Köpfe ausgetauscht werden, angefangen beim Generalvikar.» Und auch Anderau fordert, dass die Kantonalkirchen bei der Wahl des Bischofs künftig mehr Mitsprache erhalten: «Das wäre zwingend nötig, vor allem eine verbindliche Mitsprache.» Denn bereits heute würden die Vertreter der Landeskirchen zwar angehört, die Meinungen hätten aber kein Gewicht. «Ein Wahlverfahren zu verändern, ist aber ein langer und sehr schwieriger Prozess.» Zur Erinnerung: Die Wahlvorschläge kommen aus Rom, genauer: von der Bischofskongregation. Wie die Wahlvorschläge – im Bistum Chur ein Dreierticket – genau zu Stande kommen und wer da, auch aus dem Bistum heraus, alles mitmischt, bleibt strikt geheim. Nur in sehr wenigen Bistümern haben auch andere Gremien ein gewisses Mitsprache- oder Vetorecht, etwa im Bistum Basel (siehe Box). Und einer Änderung der Spielregeln im Kirchenrecht müssten letztlich dieselben Kreise in Rom zustimmen. Anderau dazu: «Es ist wie mit dem Hund mit einem Knochen im Maul: Den gibt er nicht einfach so freiwillig her.»

Dringt Anliegen zum Papst durch?

Grosse Hoffnungen ruhen deshalb auf Papst Franziskus. Dies bestätigt auch Werner Inderbitzin, Präsident der Schwyzer Kantonalkirche und Sprecher der Biberbrugger Konferenz: «Er beabsichtigt ja, die Ortskirche mehr einzubeziehen.» Inderbitzin bezeichnet einen apostolischen Administrator ebenfalls als «gangbaren Weg – vorausgesetzt, dieser Mann bringt auch die Fähigkeit mit, um das Bistum zu befrieden». Doch wenn man in Rom zur Einsicht gelange, dass ein Verwalter eingesetzt werden müsse, «dann müssen auch die entsprechenden Überlegungen zur Besetzung dieser Stelle angestellt werden», sagt Inderbitzin. Sprich: Dann wird man kaum einen Administrator ernennen, der den Status quo beibehält und noch mehr Unruhe sät. Die Frage ist nur: Dringt das Anliegen wirklich bis zum Papst durch und landet letztlich auf seinem Pult? «Dafür müssen hier nun die richtigen Leute sorgen», so Inderbitzin. «Mittlerweile müsste man im Vatikan zumindest erkannt haben, dass die nächste Bischofswahl eine äusserst heikle Angelegenheit ist.»

Beim Bistum Chur will man sich nicht zu den Forderungen äussern. Auch beim päpstlichen Nuntius blieb eine Anfrage unbeantwortet.

Vetorecht für Regierungen

Das Bistum Basel – dazu zählen die Kantone Aargau, Baselland, Basel-Stadt, Bern, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau und Zug – kennt ein etwas anderes Wahlverfahren als die meisten anderen Bistümer. Zwar wählt auch in Basel das Domkapitel letztlich den Bischof aus einer Sechserliste. Allerdings haben Vertreter von Kantonsregierungen und Landeskirchen das Recht, einen Namen aus der Liste zu streichen. In der Praxis ist dies ein heikles Instrument, denn die Kandidaten werden kaum vorgestellt und auch nicht angehört. Exemplarisch dafür ist ein Fall aus dem Jahr 1994: Als die Sechserliste von Vertretern der Bistumskantone und den kantonalen Landeskirchen besprochen wurde, machte jemand «etwas weniger gute Erfahrungen» mit dem Luzerner Kandidaten Rudolf Schmid geltend. In der Folge wurde er ohne Anhörung von sechs der zehn Kantone gestrichen.

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