«Bluthunde», Flab, Bodluv und Trio

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Fliegerabwehr Offiziere und Soldaten der Fliegerabwehr (Flab), die in der «Armee 61» und der «Armee 94» dienten, waren noch stolz darauf, die höchste Flab-Dichte der Welt zu haben. Kein anderes Land verfügte gemessen an der Siedlungsfläche über mehr Mittel, um vom Boden aus Angriffe aus der Luft zu parieren und damit die Kampfjets zu unterstützen. Dazu trugen nicht zuletzt die neun Flab-Lenkwaffensysteme BL-64 Bloodhound bei. Die «Bluthunde» konnten 160 Kilometer weit und über 20 Kilometer hoch schiessen und waren in der Lage, auch hoch fliegenden Bombern zu trotzen.

Sogar Sportflieger können zur Bedrohung werden

Heute heisst es nicht mehr Flab, sondern «Bodluv» beziehungsweise bodengestützte Luftverteidigung – im Gegensatz zur luftgestützten Luftverteidigung «Lufluv», sprich den Kampfjets. Die «Bluthunde» haben ausgedient. Seit sie Ende der 90er-Jahre aus Altersgründen ausgemustert wurden, klafft in der Schweizer Luftverteidigung eine Fähigkeitslücke: Alles, was höher als 3 Kilometer über Boden fliegt, kann vom Boden aus nicht abgefangen werden. Sogar ein Sportflieger kann höher steigen und zu einer Bedrohung werden. Von Kampfjets, die ohnehin auf 12 bis 15 Kilometern fliegen, ganz zu schweigen.

Die heutige Flab beziehungsweise Bodluv besteht aus drei Systemen – genannt Trio –, die dem Objektschutz, dem Schutz von Bodentruppen sowie kleineren Räume dienen und ungefähr 2025 an ihr Nutzungsende gelangen. Trio hat mehrere Schwachstellen. So ist es auch auf kurze Reichweite nicht in der Lage, Lenkflugkörper und Artilleriegeschosse zu bekämpfen. Es setzt sich zusammen aus:

35-Millimeter-Flab-Kanonen 63/90, die 1963 von Oerlikon-Bührle beschafft wurden und zurzeit zum vierten Mal kampfwertgesteigert werden. Das System ist allwettertauglich, verfügt über eine Reichweite von 4 Kilometern und wird primär zur Verteidigung von Einzelobjekten eingesetzt.

Rapier, ein in den 60er-Jahren in Grossbritannien entwickeltes radargestütztes Flab-Lenkwaffensystem, das die Schweiz Mitte der 80er-Jahre beschafft hat. Rapier ist allwettertauglich und wird primär zur Verteidigung von Objektgruppen – etwa einer Konferenz – eingesetzt.

Stinger, eine schultergestützte Einmann-Lenkwaffe amerikanischer Provenienz aus den 80er-Jahren, welche die Schweizer Armee 1993 beschaffte. Sie ist nur bei Sichtbedingungen einsetzbar, etwa zur Verteidigung kleinerer Räume.

Mit «Bodluv 2020» soll einerseits Trio abgelöst und dessen Schwächen beseitigt werden, und zwar mit einem neu zu beschaffenden System «kurzer Reichweite». Anderseits geht es darum, die mit dem Wegfall des Bloodhound entstandene Fähigkeitslücke zumindest teilweise zu schliessen, um Bedrohungen aus der Luft zwischen 20 und 50 Kilometern abzuwehren. Hier sprachen die Armeeplaner anfangs von einem System «grösserer» Reichweite, später nur noch von einem System «mittlerer» Reichweite.

Ziel von Bodluv ist ein einziges, vernetztes System von «Sensoren» und «Effektoren» – sprich Radaren und Lenkwaffen. Die Radare sollen ihre Daten in die Gesamtluftlage des Luftraumüberwachungssystems Florako einspeisen und so zu einem Sicherheitsgewinn führen. Es geht insbesondere um den Schutz von kritischen Infrastrukturen wie Kernkraftwerken, Flugplätzen oder wichtigen Verkehrswegen sowie den Schutz von internationalen Konferenzen. (eno)