Boomendes Sozialwesen: Abbild der Gesellschaft

Michael Burtscher über die wachsende Branche des Sozialbereichs.

Michel Burtscher
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Michel Burtscher

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Das Schweizer Sozialwesen ist eine boomende Branche: Die Zahl der Beschäftigten steigt und steigt. Zwischen 1995 und 2013 wuchs sie um 73 Prozent. Das ist eine massive Zunahme. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Beschäftigung in der gesamten Wirtschaft um «nur» 16 Prozent zunahm. Konkret stieg die Zahl der Vollzeitäqui­valente im Sozialwesen von 121000 auf 209000. Da drängt sich die Frage auf, ob es all diese Sozialarbeiter, Betreuerinnen und Krippenleiterinnen überhaupt braucht.

Das Thema dürfte die Politik zunehmend beschäftigen, denn es ist die öffentliche Hand,die einen beträchtlichen Teil der Kosten trägt. Zudem ist kein Ende des Wachstums in Sicht. Wie beim Gesundheitswesen oder bei der Bildung gilt es darum auch hier, die Entwicklung kritisch zu verfolgen und mögliche Massnahmen rechtzeitig zu ergreifen, sofern sie sinnvoll sind. Gefragt sind dabei alle Akteure: Bund, Kantone, Gemeinden, Branchenverbände und auch die Arbeitgeber.

Gleichzeitig muss man sich aber auch bewusst sein:Die Möglichkeiten sind begrenzt. Denn die Entwicklung im Sozialwesen widerspiegelt den gesellschaftlichen Wandel. Frauen wollen heute nicht mehr den ganzen Tag am Herd stehen und ausschliesslich die Kinder betreuen. Und die Wirtschaft ist auf die weiblichen Fachkräfte angewiesen. Also braucht es Kinderbetreuer. Die Bevölkerung lebt länger, und die meisten Menschen sind nicht bereit, persönlich rund um die Uhr die pflegebedürftigen Eltern zu betreuen. Also braucht es auch hierfür Fachkräfte. Da kann auch die Digitalisierung nicht helfen: Wer will sein Kind oder seine Eltern schon von einem Roboter betreuen lassen?

Michel Burtscher

schweiz@luzernerzeitung.ch