Kommentar

Bündnerfleisch für Beamte - oder: Schreibt verständlich, bitte!

Ein Vorstoss im Parlament nimmt sich der Behördensprache an. Das ist vielleicht nicht lustig, aber dringend nötig.

Patrik Müller
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Wenn das kein guter Vorsatz ist! Noch vor Silvester hat der Bundesrat einen Vorstoss des Aargauer GLP-Nationalrats Beat Flach unterstützt, der verlangt, «dass Entscheidungen und Mitteilungen der IV den versicherten Personen so zu kommunizieren sind, dass zumindest die Kernbotschaft des Entscheids von durchschnittlichen versicherten Personen verstanden wird, indem eine Erklärung in leichter Sprache den wesentlichen Inhalt erklärt.»

Möglicherweise hätte Flach seinen Vorstoss einfacher formulieren können. Aber sein Anliegen ist richtig: Wer eine Invalidenrente zugesprochen oder aberkannt bekommt, den müssen die Behörden klar informieren.

Für einfache Sprache: Der grünliberale Nationalrat Beat Flach. (Bild: AZ)

Für einfache Sprache: Der grünliberale Nationalrat Beat Flach. (Bild: AZ)



Der Vorsatz sollte nicht nur für die IV gelten, sondern ganz generell für Ämter, Behörden und Politiker: Bitte schreibt eure Entscheidungen, Communiqués, Gesetzeserlasse und gern auch eure Reden so, dass ein Durchschnittsbürger sie begreift! Zwar kann Beamtensprache lustig sein. Das wissen wir seit dem Lachanfall von Hans-Rudolf Merz, der sich kaum mehr halten konnte, als er abstrakte Zollbestimmungen über «gewürzte Erzeugnisse» vorlas, bis sie konkret wurden: «Zum Beispiel Bü-, Bü-, Bündnerfleisch!»

Meistens aber ist Bürokratensprache eine Zumutung. Oder gar ein Bluff: Versucht man, die Wort-Ungetüme zu übersetzen, bleibt fast nichts an Substanz übrig. Der Inhalt fällt in sich zusammen wie ein Soufflé.

Bündnerfleisch, Soufflé – auch dieser Kommentar droht nun unverdaulich zu werden. Schluss jetzt. Denn selbstredend gilt der Vorsatz, verständlich und auf den Punkt zu schreiben, auch und gerade für uns Journalisten.