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BÜRGLEN: Bistum Chur sind die Hände gebunden

Nach der Segnung eines lesbischen Paares droht Bischof Huonder dem Pfarrer von Bürglen mit der Versetzung in die Westschweiz. Das ist einfacher gesagt als getan.
Thomas Heer, Dominik Buholzer, Sermîn Faki und Anian Heierli
Bürglen steht hinter ihm: Pfarrer Wendelin Bucheli, hier bei der Sennen- und Älplerchilbi. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Bürglen steht hinter ihm: Pfarrer Wendelin Bucheli, hier bei der Sennen- und Älplerchilbi. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

«Ich habe geweint, als ich von dieser Nachricht erfuhr», sagt eine ältere Frau und regelmässige Kirchgängerin aus Bürglen. Die praktizierende Katholikin ist längst nicht die einzige Person in der Urner Gemeinde, die aufgrund der Nachricht vom vergangenen Sonntag noch immer tief bestürzt ist. Damals titelte die «NZZ am Sonntag»: «Auf den Segen folgt die Strafe». Gemeint ist die vom Bistum Chur angedrohte Versetzung des in Bürglen hoch geschätzten Pfarrers Wendelin Bucheli ins Bistum Lausanne-Genf-Freiburg. Der Grund für diese Massnahme liegt im Umstand, dass Bucheli ein lesbisches Paar gesegnet hat.

Die drohende Versetzung sorgt nicht nur in der Bevölkerung für grossen Unmut, sondern auch bei Fachleuten. So sagt zum Beispiel Notker Bärtsch, Pfarradministrator im urnerischen Flüelen, in Bezug auf Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare: «Das hätte mir auch passieren können, und ich wäre jetzt mit den gleichen Problemen wie Pfarrer Bucheli konfrontiert.» Und Urban Schwegler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche der Stadt Luzern, sagt zur Haltung des Bistums Chur: «Kirchenrechtlich ist es zwar richtig, dass nur Einzelpersonen und nicht Paare gesegnet werden können.» Schwegler stellt aber die Frage in den Raum: «Was soll daran anders sein, wenn man ein Paar segnet als zwei Personen, die in einer gemeinsamen Beziehung leben?»

Keine warnenden Stimmen

Genau aber in diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Im Oktober 2002 kam die Schweizer Bischofskonferenz überein, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht gesegnet werden können. Im Grundsatzpapier steht unter anderem: «Jeder Mensch in jeder Lebens­situation kann einen solchen Segen empfangen. Aber nicht jedes Tun des Menschen wird von Gott gutgeheissen», hielten die Bischöfe damals fest. Sie begründeten ihre Haltung in der Unterscheidung zwischen hetero- und homosexuellen Beziehungen. «In ihrer unverwechselbaren und spezifischen Gestalt und Aufgabe ist sie (die Ehe, Anm. d. Red.) ein integrierender Teil des Schöpfungsplanes Gottes. Von einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lässt sich das Gleiche nicht sagen.»

Aufgrund der Haltung der Schweizer Bischöfe musste Pfarrer Bucheli damit rechnen, dass er sich mit seiner Handlung Schwierigkeiten aufbürdet. Und auch vom örtlichen Kirchen- wie auch Pfarreirat, mit denen sich Bucheli vor der Segnung beriet, waren keine Mahner zu hören. Buchelis Entscheid wurde einstimmig gutgeheissen. In Bürglen war man sich offenbar sicher, das Richtige zu tun, und publizierte die Segnung auch noch im Pfarreiblatt. Dies allerdings unter der falschen Rubrik «Heirat».

Morerod fühlt sich nicht zuständig

In Sachen Bucheli-Versetzung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Angelegenheit dürfte sich in die Länge ziehen. Eine schnelle Lösung wird unter anderem durch die komplizierte rechtliche Lage erschwert. So fühlt sich Charles Morerod, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, nicht für den Fall zuständig. «Die Aufforderung an Pfarrer Bucheli, seine Gemeinde zu verlassen, liegt in der Verantwortung des Bistums Chur. Wir möchten uns nicht in die Angelegenheiten anderer Diözesen einmischen», so Morerods Sprecherin Laure-Christine Grandjean. «Bischof Morerod ist aber einverstanden, Pfarrer Bucheli in seine Heimatdiözese zurückzurufen, wenn dieser keinen Dienst mehr in einer anderen Diözese leistet.» Heisst: Bucheli darf nicht mehr Pfarrer sein.

Chur kann Bucheli nicht kündigen

Doch der zuständige Bischof Huonder kann Bucheli nicht feuern, weil dieser von der Kirchgemeinde angestellt wurde. Kündet diese Bucheli nicht, droht eine Blockade. Es sei denn, Bucheli legt sein Pfarramt in Bürglen von selbst nieder. Morerod wird denn auch versuchen, Bucheli davon zu überzeugen. Ein konkreter Termin für das bereits angekündigte Gespräch steht noch nicht fest. Auch der Ort ist unklar: «Während Pfarrer Bucheli nach Freiburg kommen könnte, befindet sich Bischof Morerod in Genf», so Bistumssprecherin Grandjean viel sagend. Entweder sind die Fronten bereits verhärtet oder aber Morerod ist eine schnelle Lösung nicht wichtig.

Bürglen dürfte auch Thema der nächsten Versammlung der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) Anfang März sein – zumal diese in Genf und damit in Morerods Bistum stattfindet. Möglicherweise wird auch das Pastoralschreiben, das die Segnung homosexueller Paare in der Schweiz verbindlich verbietet und auf das sich Huonder bezieht, diskutiert werden. Allerdings: «Eine Revision des Pastoralschreibens von 2002 steht nicht auf der Tagesordnung», sagt SBK-Sprecher Walter Müller. Fraglich ist auch, ob die Bischofssynode über Familienfragen, welche im Oktober in Rom stattfinden wird, einen neuen Umgang mit Homosexualität bringen wird. Papst Franziskus hat im letzten Sommer zwar dafür geworben, homosexuelle Neigungen nicht als Sünde zu verdammen. Die Anerkennung homosexueller Praktiken – und damit gleichgeschlechtliche Partnerschaften – lehnt die Synode aber weiterhin ab.

Buchelis indirekte Anspielungen

Und was sagt Pfarrer Bucheli dazu? Er wirkte gefasst, als er gestern Abend die heilige Messe feierte. Trotz Fasnacht nahmen gut 50 Gläubige am Gottesdienst teil. Während der Messe sprach Bucheli den Zwist nie direkt an. Indirekt nahm er aber klar Bezug auf die Haltung des Churer Bischofs. So erzählte Bucheli die Geschichte, wie Jesus einen aussätzigen Mann heilte: Damals sei der Kontakt mit Aussätzigen strikt verboten gewesen, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu vermeiden. Zudem hätten Aussätzige nicht an der heiligen Messe teilnehmen dürfen. «Jesus aber brach dieses Gesetz», erzählte Pfarrer Bucheli. «Er berührte den aussätzigen Mann und heilte ihn.» Bucheli sprach auch über Ausgrenzung. «Wenn jemand aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen wird, steckt eine Angst vor dem Unbekannten dahinter», sagte er. Er wünsche sich eine Gemeinschaft aus allen Menschen, aus allen Schichten und Gruppen, aus allen Bischöfen samt Vitus Huonder und allen Diözesen.

Während Bucheli gestern nur indirekt auf den Zwist mit dem Bistum Chur einging, will er heute Morgen konkreter werden. Wie der Kirchenrat ankündigte, wird Pfarrer Wendelin Bucheli am Ende des 9-Uhr-Gottesdienstes eine Stellungnahme abgeben.

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