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BUND: Der Bund hilft den Bauern beim Mosten

Nach dem Butterberg leidet die Schweiz unter einem Überschuss an Mostbirnen. Vom Staat gibt es eine Sondersubvention – und die Mostereien lancieren neue Produkte.
Eva Novak
Ein Bauer liefert Birnen und Äpfel bei einer Mosterei zur Verarbeitung ab. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Ein Bauer liefert Birnen und Äpfel bei einer Mosterei zur Verarbeitung ab. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Joggeli wird im gleichnamigen Kinderbuch von Lisa Wenger losgeschickt, um «Birli» zu schütteln. Auf diese Idee kommen Bauern heutzutage kaum, zumindest wenn es um Mostbirnen geht. Denn diese sind auf dem Markt nicht mehr so recht gefragt. Um die übervollen Lager zu leeren, bevor die neue Ernte beginnt, lässt der Bund 2,5 Millionen Franken springen – der Bundesrat hat vergangene Woche eine entsprechende Verordnung verabschiedet.

Nun werden auch die Mostereien aktiv: «Wir werden im Herbst zwei neue Produkte mit erhöhtem Birnenanteil auf den Markt bringen», kündigt Jürg Emmenegger vom Getränkehersteller Ramseier Suisse AG an. Konkret geht es um einen Frischmost sowie einen trüben Süssmost mit 25 Prozent Birnenanteil. Damit will das Surseer Unternehmen, eine der beiden noch verbleibenden grossen Mostereien im Land, das Bedürfnis nach naturnahen und gesunden Produkten stillen.

Sinkende Nachfrage

Derlei Innovationen freuen Bruno Pezzatti. Der Zuger FDP-Nationalrat weiss als Vorstandsmitglied des Schweizer Obstverbandes (SOV) um die seit Jahren rückläufige Nachfrage nach Mostbirnen. Die Bauern reagieren darauf, indem sie die überalterten Baumbestände nicht verjüngen. «Früher waren Ernten von 20 000 bis 30 000 Tonnen die Regel, heute sind es noch rund 10 000», berichtet Pezzatti.

Mit voraussichtlich 12 600 Tonnen Mostbirnen erwartet der Verband heuer eine mittlere Ernte. Das ist allerdings noch immer fast doppelt so viel wie der Bedarf, der zurzeit bei nur 6500 Tonnen liegt. Dass die ganze Ernte dennoch verarbeitet werden kann, ist nur dank den Bundesbeihilfen möglich, sagt SOV-Direktor Georg Bregy. Damit könne man die Lager abbauen und die 850 Tonnen Birnensaftkonzentrat verwerten, die grossenteils noch vom überreichen Mostjahr 2011 herstammen.

Keine Beiträge für Schnaps

Most wird daraus indes kaum mehr gemacht: Gemäss der Verordnung, mit welcher der Bundesrat einen Parlamentsbeschluss umsetzt, gibt es Beiträge von 2.65 Franken je Kilo, wenn das Konzentrat zu Futtermitteln verarbeitet wird. Wird es als alternativer Süssstoff für Lebensmittel eingesetzt, beträgt der Beitrag wegen des geringeren Unterschieds zum tatsächlichen Wert noch 2.25 Franken pro Kilo. Keine Beiträge werden für die Verarbeitung zu Schnaps ausgerichtet. Pierre Schauenberg vom Bundesamt für Landwirtschaft begründet das mit der Gesundheitspolitik. «Der Staat will nicht mit der einen Hand besteuern und mit der anderen den Wert hochschrauben», sagt er.

18 Rappen pro Kilo Mostbirnen

Das hilft zwar kurzfristig und schafft in den Mostereien Raum für die neue Ernte. Doch gelöst ist das Problem damit noch nicht. Schon gar nicht für die Produzenten: Heuer bekommen die Bauern höchstens 18 Rappen pro Kilo Mostbirnen. Rentabel wird das Geschäft für sie nur dank den Bundesbeiträgen, die es für die Hochstamm-Obstbäume gibt, auf welchen die Mostbirnen wachsen. Wenn die Bauern es geschickt machen, können sie pro Jahr und Baum bis zu 45 Franken beanspruchen.

«Am Markt ausrichten»

Wenig Freude am neuerlichen Markteingriff durch den Staat hat Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Die Bewirtschaftung unterschiedlicher Erntemengen sei zwar eine grosse Herausforderung. Diese zu lösen, indem man höhere Zuschüsse für die Verfütterung gibt, sei aber «eine ganz bedenkliche Entwicklung». Die Landwirtschaft müsse sich am Markt ausrichten, fordert Stalder.

Das tun die Bauern, indem sie keine neuen Hochstamm-Birnbäume mehr pflanzen. Derweil der Obstverband versucht, den Absatz anzukurbeln, um nicht mehr den Staat zu Hilfe rufen zu müssen. Und in den Worten von Pezzatti hofft, «mit Mehrkonsum und natürlichem Rückgang der Bestände wieder ein Marktgleichgewicht zu erreichen».

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