BUND: Verwaltung rückt von Bürgern ab

Mit neuen Businessnummern will der Bund Geld sparen und den Beamten die Arbeit erleichtern. Die Bürger müssen deswegen unter Umständen mehr zahlen.

Eva Novak
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Die Telefonietechnik des Bundes wird modernisiert. Im Bild: Telefonzentrale des Fernamtes in Bern 1937. (Bild: Keystone)

Die Telefonietechnik des Bundes wird modernisiert. Im Bild: Telefonzentrale des Fernamtes in Bern 1937. (Bild: Keystone)

Als der Kanton St. Gallen vor einigen Jahren Businessnummern mit der Vorwahl 058 eingeführt hat, bekam die Polizei ein Problem: Sie konnte Herrn Meier und Frau Müller nicht mehr telefonisch mitteilen, dass das gestohlene Velo oder die entwendete Uhr gefunden worden sei. Denn diese vermuteten einen Werbeanruf und nahmen das Telefon einfach nicht ab. Worauf sich die Beamten persönlich zum Bürger oder zur Bürgerin bemühen mussten – bis sich die Polizei in einer Medienmitteilung an die Bevölkerung wandte und sie über den Sachverhalt aufklärte.

Einsparung von 6 Millionen Franken

Das gleiche Problem haben zurzeit Angestellte der Bundesverwaltung, die ihre rund 50 000 Anschlüsse in den letzten Monaten ebenfalls auf die Vorwahl 058 umgestellt hat. Das soll den Komfort für alle steigern: Die Bundesangestellten erhalten mehr technische Möglichkeiten, etwa für Telefonkonferenzen oder Anrufe über den PC. Für die Bürger bleiben sie unter der immer gleichen Nummer erreichbar, auch wenn sie die Stelle wechseln und an einen anderen Verwaltungsstandort irgendwo im Land umziehen.

Profitieren soll auch der Steuerzahler. Statt der heute etwa 300 Teilnehmervermittlungszentralen reichen für die neuartige Telefonietechnik mit dem Internetprotokoll, welche der Businessnummer zu Grunde liegt, ein paar wenige Server. Die Umstellung koste nur etwa 100 000 Franken, der Bund spare damit aber etwa 6 Millionen Franken Betriebskosten im Jahr, schwärmt Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes.

Ein Fünftel muss mehr bezahlen

Für den Bürger dagegen kann es je nach Anbieter und Abo teurer werden. Als die Umstellung im vergangenen Frühjahr begann, verrechneten einige Anbieter den Kunden bis zu 40 Rappen pro Minute, selbst wenn ihr Abo Gratisanrufe in das Schweizer Festnetz beinhaltete. Um das zu erahnen, bedurfte es einer längeren Internet-Recherche. Häufig kam das böse Erwachen erst mit der Monatsrechnung.

Das führte zu Protesten des Preisüberwachers und Vorstössen im Parlament, worauf die Preise vor allem für Anrufe ab Mobiltelefon teils markant gesenkt wurden. Inzwischen müsse nur noch eine kleine Minderheit der Kundinnen und Kunden tiefer in die Tasche greifen, und auch das nur unbedeutend, heisst es beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). «Wir schätzen, dass ungefähr ein Fünftel der Festnetzkunden etwas mehr zahlen müssen als für einen Anruf auf ‹normale› Nummern», sagt Sprecherin Carole Sauser. Der Mehrpreis betrage aber höchstens 8 Rappen pro Minute.

«Nicht konsumentenfreundlich»

Für den Preisüberwacher bleibt die Situation dennoch unbefriedigend: «Aus unserer Sicht müssten die Tarife für Anrufe auf Businessnummern den normalen Festnetztarifen entsprechen», sagt der Dossierverantwortliche Simon Pfister und fügt bei: «Die heutige Situation ist intransparent und nicht konsumentenfreundlich.»

Vor allem Ältere betroffen

Der Bundesrat ist sich des Problems ebenfalls bewusst, wie er in der Antwort auf eine Motion der Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schnei­ter schreibt, kann aber gemäss geltendem Recht die Branche nicht zu weiteren Preissenkungen zwingen. Im neuen Fernmeldebericht, der demnächst verabschiedet werden soll, wird er laut Bakom zu dieser Frage Stellung nehmen. Im Zweifelsfall sind die Bürgerinnen und Bürger gut beraten, vorderhand weiterhin die alten 031er-Nummern der Bundesverwaltung zu wählen, welche laut Fischer mindestens bis kommenden Frühling parallel gültig bleiben. Bis dahin wäre der Bund gut beraten, das Problem geschickt zu lösen, findet Prisca Birrer-Heimo, Luzerner SP-Nationalrätin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Die Mehrkosten seien zwar nicht dramatisch. Dennoch sei es stossend, wenn einige Bürgerinnen und Bürger für den Kontakt zur Verwaltung mehr zahlen müssten als bisher. Zumal das am stärksten die Festnetzbenutzer treffe – und damit vor allem die ältere Generation.